Berlin ab 50…

… und jünger

Die Vorsätze!

 

 Die Übung in Geduld bewahrt uns vor dem Verlust der  Gelassenheit.
(eine buddhistische Weisheit)

Die Kommentare des Aufrufs „den inneren Schweinehund überwinden“ zeigen auf jeden Fall eines: Vorsätze und ihre Wirkung beschäftigen uns alle. Ich finde das ermutigend. Zeigt es doch, dass das einfache „Weiter so“ auch nicht befriedigt.

Schon vor einem Jahr, zur Wende von 2013 auf 2014, habe ich über die guten, aber nie zu erfüllenden Vorsätze sinniert.
Der damalige – resignierende – Befund war, dass Vorsätze kaum jemals ihre Verwirklichung finden. Vor allem die, die mir so einfach erschienen und erscheinen, haben einen bemerkenswerten kurzen Halbzeitswert. Vermutlich kennen Sie das aus eigenem Erleben und die Vorsätze sind im Grunde jedes Jahr die gleichen. Mit dem Älterwerden kommen zwar manche hinzu, aber im Prinzip lässt sich die Liste vom Vorjahr unverändert ins neue Jahr mit hinübernehmen. Es ist frustrierend!

Und ebenfalls wie in jedem Jahr gibt es eine Fülle von Ratschlägen, wie man seinen inneren Schweinehund dauerhaft überwindet, aber es ist wie bei den Diäten: Es klappt nicht.

Deshalb habe ich mir schon im letzten Jahr habe ich mir vorgenommen, damit Schluss zu machen. Keine Vorsätze mehr!

Merkwürdigerweise macht mir das aber auch zu schaffen. Ich merke, dass – vielleicht nur für mich – zum „richtigen“ Beginn eines neuen Jahres eine Herausforderung gehört, ein Ziel, auf das ich mich konzentrieren kann und will. Etwas, das ich erreichen möchte. Und auch um am Ende ein Resümee ziehen zu können. Was steht auf der positiven, was auf der negativen Seite meines persönlichen Jahres?
Will ich mir etwas beweisen? Vielleicht. Will ich anderen etwas beweisen? Eigentlich nicht, aber irgendwie doch. Denn das, was mir wichtig ist, ist, gut mit mir und gut mit meinen Mitmenschen umzugehen. Das eine bedingt das andere.

Wenn es auch überheblich klingen mag: Ich möchte einfach ein besserer Mensch werden. Und für mich heißt das: mehr Geduld und mehr Gelassenheit. In meinen Augen Unvollkommenes besser zu machen. In den Bemühungen darum nicht nachzulassen.

Ich hatte eine Freundin. Sie war Künstlerin, Malerei und Skulptur. Und sie lebte auch so, ein offenes Haus, Freunde, die sie schätzen, auch wegen ihrer besonderen Art, die Welt zu sehen. Wenn es um ihre Kunst und ihre Arbeit ging, war sie wohl das, was man „besessen“ nennt. Es war keine Verbissenheit, sondern der Wunsch, das Beste zu geben, zu dem sie meinte fähig zu sein. Es ging ihr darum, das zu verwirklichen, was in ihrer Vorstellung war, in ihrem Kopf, sie wollte ihre Vision verwirklichen. Und selbst wenn niemand in ihrem Umkreis einen Makel in ihrer Arbeit erkennen konnte, die sie jeweils beschäftigte – sie konnte die Arbeit erst dann abschließen, wenn sie in ihren Augen perfekt war. Das konnte bedeuten, dass sie einen Entwurf, z.B. für einen Wettbewerb, kurz vor der Umsetzung in die Endfassung noch einmal umgeworfen hat, weil sie mit sich unzufrieden war. Für sie war nur etwas vollendet, wenn es dem glich, was in ihrer Vorstellung war. Sie haderte nicht mit anderen, sondern nur mit sich.
Und sie hatte Geduld. Kein Versuch, der ihr zu viel wurde; nie die Neigung zu sagen, es „genügt“. Sondern immer wieder nachdenken, neu beginnen, Veränderungen ausprobieren. Und auch Kritik aufnehmend.

Dieses Beispiel steht für das, was ich mir wünsche: Geduld, mein Tun und Lassen (selbst-)kritisch zu betrachten, mich nicht mit der leichtesten Lösung zufrieden zu geben, sondern die anzustreben, die mich wirklich befriedigt. Und nicht aufzugeben. Mühen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern bewusst auf mich zu nehmen.

Schaffe ich das? Ich werde es versuchen. Und am Ende des Jahres schauen, ob es mit dieser großen Herausforderung genauso elendig endet wir mit den kleinen Vorsätzen.

Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins
Marie von Ebner-Eschenbach

I.B.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: