Berlin ab 50…

… und jünger

Bin ich ein Misanthrop?

musiker auf dem weg zur u-bahnOder gar ein unsozialer Mensch? Eigentlich glaube ich das nicht.
Aber beurteilen Sie das selbst. Ich erzähle Ihnen, warum ich mich das frage.

Es geht um die „Musik“darbietungen in den U-Bahnen. Ich möchte sie nicht, ich finde sie aufdringlich, ich finde sie missbraucht.
Zumindest in 99 Prozent der Fälle.

Es tut mir fast körperlich weh, wenn ich sehe, höre, wie die selbsternannten Musiker und Sänger ihr Instrument malträtieren. Mit Musik hat das nichts zu tun.
Wenn ein Musikstück, das mit viel Herzensblut, inneren Zweifeln und Komponierkunst entstanden ist, so einfach „herunter gedudelt“ wird, dann möchte ich das abstellen dürfen. Und den Pappbecher, der herumgereicht wird, den übersehe ich konsequent.

Und habe prompt ein schlechtes Gewissen: Denn ich weiß natürlich auch, dass die Akteure nicht gerade aus der Mitte der Gesellschaft kommen und ein Zubrot dringend nötig haben.
Aber dann rührt sich eben der kleine garstig Teufel in mir, der flüstert: Aber warum müssen Musik und Instrument darunter leiden? Und wirst Du, nur weil Du die U-Bahn benutzt, in musikalische Zwangshaft genommen werden.
Und wieder die moralische Stimme: Vielleicht mögen es die Anderen? Kannst Du ihnen nicht den Spaß lassen und einfach weU-Bahn Tunnelghören? An der nächsten Station ist der Spuk sowieso vorbei.
Nein, kann ich offenbar nicht. Geige, Akkordeon, Flöte – sie haben auch einen Anspruch auf pflegliche und zugewandte Nutzung.
Aber hoppla, das sind Dinge, hier geht um Menschen, die in einer schlechten Lage sind!

So wird es vermutlich immer weitergehen. Für ein Pro ein Contra! Also frage ich Sie? Wie denken Sie über die Musikanten in den U-Bahnen?

Im Übrigen: So lange die Musiker eine Genehmigung haben, ist ihnen juristisch nichts vorzuwerfen. Es gibt zwar ein Recht auf klangliche Schonung, aber es gibt eben auch Genehmigungen.
Zudem: Auch dieses rechtliche Argument hilft bei dem moralischen Dilemma natürlich gar nicht.

Die Liste meiner jährlichen Vorsätze hat noch ein bisschen Platz – was sollte ich Ihrer Meinung nach hinsichtlich dieser „Causa“ schreiben?

I.B.F.

Fotos (c) H.-J.Prüfer

3 Kommentare

  1. ML

    Oh, when the Saints…
    mir geht es ähnlich, zumal sie meinen Musikgeschmack selten treffen und um 9 Uhr früh stimmt mich sowas eher ungnädig. Manche scheinen auch nur ein einziges Lied zu beherrschen: BESAMEMUCHO…
    Trotzdem versuche ich, mich in die Leute hineinzuversetzen – wenn sie nicht allzu forsch auftreten – und habe meist auch ein paar Münzen parat in der Jackentasche. Denn wo mein Portmonnaie steckt, muss ich ja nicht gerade zeigen.
    Denn ich sage mir, immer noch besser das, als wenn sie klauen gingen. Und sie versuchen immerhin -auf ihre Art- etwas zu bieten und setzen sich nicht einfach vor ihren Hut. Ist guter Geschmack nicht ein Privileg der Privilegierten ?
    Auch eine Art, den inneren Schweinehund zu bekämpfen und Toleranz zu üben.

  2. MZ

    Ich finde ja auch so manche Musikdarbietung nicht schön, aber ich denke, die selbst ernannten „Musikanten“ tun wenigstens etwas für ihr Geld (besser als nur mit einem Becher vor sich am Eingang des Supermarktes zu sitzen). Ich gebe dann je nach Laune auch mal etwas. Allerdings mag ich es nicht, wenn Kinder „instrumentalisiert“ werden werden, sei es zum Mitwirken, sei es zum Sammeln.

  3. PB

    Eigentlich lehne ich das Gedudel und die Bettelei in den öffentlichen Verkehrsmitteln strikt ab, doch dann waren da dieser Südamerikaner, der mit seiner Gitarre und der Panflöte die S-Bahn zwischen Grunewald und Nikolassee für 8 Minuten in den Andenexpress verwandelte und das hinreißende Paar im perfekten Westernoutfit, dass mich mit seiner Musik mitnahm auf den Railroad track des Berliner S-Bahnviadukts zwischen Chicago und LA. Wie gesagt: Strikt dagegen.

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