Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Satz, der mich beeindruckt …

 

… und von dem ich wünschte, ihn uneingeschränkt auch von mir sagen zu können:

„Ich habe festgestellt, dass ich gern mit mir zusammen bin.“

Gesagt hat ihn eine der Protagonistinnen in einem Fernsehspiel vor einiger Zeit: „Die Zeit mit Euch“. Der Plot war keineswegs außergewöhnlich: Drei Ehepaaren kommt die Erkenntnis, dass sie – und ihre Ehen – älter werden. Eine Erkenntnis, der wir uns in der Tat – besonders jenseits der 50 – nicht entziehen können. Die Ehepartner im Film erleben all das, was eben nicht nur ein Klischee ist, sondern Erfahrungen sind, von denen fast jede Ehe irgendwann einmal eingeholt wird:
Der Partner wird zum Ruheständler und wird damit nicht fertig. Im anderen Fall meint der Ehemann, dass nur eine neue Liebe ihn wieder jung und lebendig fühlen lassen wird und der dritte wird von einer unheilbaren Krankheit getroffen. Alles auch im realen Leben möglich. Allerdings: Alle drei Ereignisse in einem Film zusammen waren zwar ein bisschen viel, aber nun ja.

„Ich habe festgestellt, dass ich gern mit mir zusammen bin“ – das ist die Quintessenz der Ehefrau, die wegen einer jüngeren verlassen wird. Was sie erst einmal völlig aus der Bahn wirft, aber dann letzten Endes nach einer Zeit der Reflektion in eben diesem Satz mündet.

Was er ausdrückt, ist nicht weniger als:
Ich bin mit mir zufrieden. Meine Gesellschaft genügt mir und ich brauche, um glücklich zu sein, nicht unbedingt eine Partnerin oder einen Partner.

Der Satz lässt sich auch anders formulieren: Ich habe erkannt, wer ich bin, und ich stelle fest, genauso will ich sein und bleiben.

Ist es nicht diese Überzeugung, die uns mit dem Älterwerden ein wenig versöhnt? Dass das Fragen und Suchen nach dem eigenen Ich aufhört, weil wir wissen, wer wir sind?
Was nun keineswegs heißt, dass wir nicht weiterhin Erfahrungen sammeln – es bedeutet aber, dass nicht jede Erfahrung uns verleitet, uns in Frage zu stellen. Uns anzupassen und etwas von uns aufzugeben.

Ich glaube, dass diese Art von innerer Freiheit ausstrahlt und auch die Bedingung dafür ist, sich Neues zu erschließen und mit dem Bisherigen in Einklang zu bringen.

„Wir können uns nicht selbst erkennen, wenn wir uns nicht lieben. …
Sich selbst zu lieben, ist etwas anderes als um sich selbst zu kreisen.“*

Wie es der Zufall will, bin ich vor einigen Tagen auf einen Artikel über ein Forschungsprojekt** gestoßen, das noch ein bisschen mehr an Erkenntnissen bringt, wie das „Ich“ sich auch im Alter noch verändern kann.
Bislang war ich immer der Meinung (und so dachten viele), dass das junge Erwachsenenalter die Menschen schon zu dem formt, wie sie sind. Durch Familiengründung, Beruf, gesellschaftliches Umfeld und so weiter.
Herausgestellt hat sich jetzt, dass sich auch im Alter noch vieles tut. Mütter z.B., die bei ihren eigenen Kindern sehr impulsiv und ungeduldig reagierten, können zu ausgeglichenen und geduldigen Großmüttern werden: Und ganz allgemein gilt, dass wir – trotz mancher gegenteiliger Beobachtungen – im Alter verträglicher werden. (Das lässt mich hoffen!)
Gezeigt hat sich auch, dass Veränderungen nicht bei allen gleich ablaufen – was die Forscher offenbar verwundert hat.

Wie sich die Veränderungen überhaupt erklären lassen? Ruhestand, Krankheiten oder gar genetische Gegebenheiten – das sind gar nicht so sehr die Gründe. Sondern das Erkennen, dass die Zeit endlicher ist denn je. Dass das Ende keineswegs in weiter Ferne ist. Sondern ziemlich nahe rückt. Wir bewerten das Leben anders als bisher. Und mit dieser Erkenntnis und neuen Bewertung ändern wir uns – was ich sehr beruhigend empfinde. Denn nicht jede Veränderung muss eine schlechte sein, nicht wahr?

„Trauen Sie sich selbst etwas zu.
Trauen Sie dem Leben, das in Ihnen ist. Sie sind zu mehr fähig, als Sie denken.
Und Ihre Art zu leben wird nicht nur Sie selbst, sondern auch die Welt um Sie herum verwandeln.“*

Bleiben Sie mir und meinen Gedanken gewogen.

I.B.F.

* Die Zitate sind übernommen aus einer Zusammenstellung von Weisheiten und Aussagen von Anselm Grün, die von Julian Trauthig erstellt wurde.
** Das Forschungsprojekt wird u.a. erarbeitet von der Berliner Psychologin Jule Specht.

3 Kommentare

  1. Isolde

    Ein feiner und nachdenkenswerter Artikel!

  2. sil

    interessant. leider vermisse ich einen link zu diesem forschungsprojekt. danke, falls der noch folgt.

    • I.B.F.

      Liebe Sil,
      einen Link zu der Studie kann ich leider nicht liefern. Aber es gibt eine Homepage der Berliner Wissenschaftlerin, die diese Studie führt. Juniorprofessorin Jule Specht, Psychologin und Altersforscherin an der FU Berlin. Ihre Homepage: http://www.jule-schreibt.de/das-ist-jule
      Vielleicht hilft Ihnen das?!
      I.B.F.

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