Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Tipp: Gehen Sie mal ins Rathaus

Natürlich kenne ich die Legende vom letzten preußischen Kaiser Wilhelm II, der angeblich abgelehnt haben soll, auf dem Weg zum Schloss Charlottenburg am neuen Rathaus vorbeizufahren, weil der Turm die Schlosskuppel überragt.
IMG_2920Natürlich bin ich, im Gegensatz zu Wilhelm II, immer wieder dort in der Otto-Suhr-Allee vorbeigefahren. Aber ich war tatsächlich noch nie im Inneren dieses imposanten Gebäudes, das die Architekten Heinrich Reinhardt & Georg Süßenguth zwischen 1899 und 1905 im Stil der Sezession gebaut haben. Die Fassadengestaltung, die allein durch ihre verwendeten Buckelsteine auffällt, ist in strengen Jugendstilformen mit gewaltiger Figuren und Ornamentik. Wenn Sie dran vorbeigehen, nehmen Sie sich ein, zwei Minuten und schauen Sie mal die Fassade hoch. Sie entdecken wilde Tiere und erstaunliche Ornamente. Eigentlich sollte es ein neugotisches Rathaus werden, aber die Stadtoberen von Charlottenburg haben sich dann doch für eine „mittelalterliche“ Repräsentanz im Sezessionsstil entschieden.

Ich bin spontan und gehe hinein. Der Haupteingang unter dem IMG_2924gewaltigen Turm bringt mich in ein nicht minder gewaltiges Treppenhaus, dem Haupttreppenhaus, ich glaube die Treppe heißt „F“ – oder war „F“ ein anderer Treppenaufgang? Es gibt viele Nebenaufgänge, die nicht minder interessant sind, ein kleines Labyrinth, aber dafür entdecke ich spannende Details – zum IMG_2931Beispiel einen wunderhübscher Drache im Geländer, aus Stein gemeißelt, mit dazu gehörigem Drachentöter – ein Sinnbild für den „Kampf des Arbeitslebens oder ums Dasein? Oder den „Thorwart“ – im wahrsten Sinne des Wortes, das für uns heute so eine andere Bedeutung gewonnen hat, – oder auch die Türe für den Pförtner. IMG_2937

Wenn Sie durch das Haus streifen, kommen Sie auch an der Gedächtnishalle für die Gefallenen der Weltkriege und der Opfer der NS-Gewaltherrschaft vorbei, an den hohen weißen StühleIMG_2927n, die an die Widerstandskämpfer und Opfer des NS-Regimes erinnern, – und an den beiden Königinnen vorbei.

Charlottenburg war zu seiner 200.Jahrfeier die reichste Stadt Deutschlands. Zur 300. Jahrfeier 2005 schenkte ein mittelständischer Unternehmer, sich ein Beispiel an seinen Kollegen aus dem letzten Jahrhundert nehmend, dem Bezirk ein Werk der Künstlerin Gabriela Ribow, das Sie im 3.Stock links vor dem Festsaal finden:

G.Ribows Sophie Charlotte

G.Ribows Sophie Charlotte

Sophie Charlotte – Königin in Preußen. Ganz in der Nähe hängt als Dauerleihgabe eine zweite Sophie Charlotte Bonjour Charlotte von Uwe Müller-Fabian.
Auf Königin Sophie Charlotte (30.10.1668 – 1.2.1705) geht die Gründung und der Name Charlottenburgs zurück. Seit ihrem frühen Tod, sie wurde gerade mal 36 Jahre und drei Monat alt, benannte Ihr Mann, König Friedrich I., das Schloss Lietzenburg in Charlottenburg um und gab dem kleinen Ort beim Schloss den gleichen Namen und verlieh ihm die Stadtrechte. Von da an wuchs und gedieh die Stadt Charlottenburg, die auch im letzten Jahrhundert ein paar Jahre lang Charlottengrad genannt wurde.

IMG_2919 Bis zum Ende des Kaiserreichs bauten die beiden Architekten übrigens noch weitere Rathäuser in den Gemeinde um Altberlin herum: Steglitz, Treptow, Spandau und Marienfelde. Aber Charlottenburg hat schon ein besonderes interessantes Exemplar, das den Besucher auf eine Zeitreise mitnimmt und ihn ein wenig dem Lärm der Stadt enthebt.

Schau Sie mal rein und bleiben sie neugierig, es lohnt sich.
go

Fotos (c) go

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: