Berlin ab 50…

… und jünger

„Misstraut den Grünanlagen!“

 

1920_Ausschnitt

Berliner Stadtkern 1920, Ausschnitt (© SMB, Museum Europ. Kulturen

„Misstraut den Grünanlagen!“ war das Leitmotto des bekannten Berliner Flaneurs, Feuilletonisten und Schriftstellers Heinz Knobloch (1926-2003). Das Motto gilt auch für das Gebiet zwischen Fernsehturm, Spree, Marienkirche und Rotem Rathaus – einer in großen Teilen ungepflegten und öden Brache, die nicht zum Verweilen einlädt und doch gleichzeitig der alte Stadtkern Berlins ist. Ob Esplanade, Wasserbecken, Flussbad oder Grünanlage – viele Entwürfe wurden seit dem Wettbewerb Spreeinsel von 1993 den Berlinern von ahnungslosen Architekten und Landschaftsplanern vorgelegt. Ahnungslos deshalb, weil sie vermutlich genauso wenig wie die meisten Berliner vom städtebaulichen Zustand der alten Mitte vor 1933 wissen.

Dies will das Bürgerforum Berlin, eine Gruppe von Stadtplanern, Historikern, Architekten, Landschaftsarchitekten, Publizisten und Berliner Vereinen, die sich mit der Berliner Mitte beschäftigen, ändern und hat dazu bereits im letzten Jahr eine „Charta für die Mitte von Berlin“ erstellt (http://www.ghb-online.de/themen/alt-berlin/charta-mitte-berlin.html). Durch die absehbare Fertigstellung des Humboldt-Forums bis 2019 muss die zukünftige Gestaltung des sogenannten Rathausforums neu überdacht werden, soll nicht das Humboldt-Forum an eine Brache grenzen. Deshalb sucht der Berliner Senat nun den Dialog mit den Berlinern und hat am 16.2.2015 im Umspannwerk Alexanderplatz eine mehrmonatige „Stadtdebatte Berliner Mitte“ vorgestellt, die am 18.April beginnen soll.

 Senatsverwaltung für (c) Stadtentwicklung und Umwelt

(c) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Schon jetzt kann man sich unter http://stadtdebatte.berlin.de über den geplanten ergebnisoffenen Bürgerdialog informieren und interessante Meinungsäußerungen der Berliner lesen. Zum Ende des Jahres soll es dann „Manifest der Bürger zur historischen Mitte“ formuliert werden, das beim Beschluss des Stadtparlaments 2016 zu berücksichtigen ist – bevor die öffentliche Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs erfolgt.

Wer die beiden Ausstellungen des Berliner Stadtmuseums „Berlins vergessene Mitte“ (2010) und „Geraubte Mitte“ (2013/2014) gesehen hat, weiß um die wechselvolle Geschichte, um Abriss bereits nach 1933, um Arisierung und um die Zerstörung des Stadtkerns, die nicht mit den verheerenden Zerstörungen im 2. Weltkrieg, sondern erst mit der totalen Freiräumung des Areals in den 60iger Jahren endete. Das Bürgerforum  plant noch in 2015 eine Ausstellung zur Geschichte und Zukunft des Berliner Stadtkerns seit 1865, um über die alte Mitte zu informieren und die Diskussion zu versachlichen.

Die Themen , die zu erörtern sind, betreffen solche konträren Positionen wie „Orientierung am Jahrhunderte alten Stadtgrundriss unter Einbezug neuer Eingriffe„  versus  „Grünfläche und Wasserbecken“, „Abschied vom autogerechten Städtebau“ versus  „Freie Fahrt für freie Bürger“  und  „Städtische Balance zwischen neuer Bebauung und öffentlichen Plätzen bzw. Grünräumen und „Mischnutzung mit hohem Wohnanteil und kulturellen Einrichtungen“  versus  „Privatisierung des öffentlichen Raumes mit Gewerbe und Shopping-Optimierung “.

Mischen Sie sich ein!  Machen Sie mit!

Es geht um unsere Stadt!

mw

 

Ein Kommentar

  1. Monika

    Ja, das ist wohl wahr. Es geht um unsere Stadt, um Berlin. Aber es kann gut sein, dass es inzwischen eine Müdigkeit gibt, sich in Stadtplanungen zu engagieren. Wie viele Baustellen gibt es, die nicht vorangehen, zumindest nicht im Sinne der Engagierten, weil einem Plan der nächste folgt, dem wiederum einer, der von der Bürokratie und den Kosten diktiert ist, (die am Ende eh nicht stimmen) und am Ende kommt etwas heraus, was angeblich dann niemand gewollt hat.
    Aber trotzdem: Müdigkeit hin oder her – wir sollten uns engagieren und genügend Möglichkeiten sich zu informieren bietet dieser Beitrag.
    Monika und Rod

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