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„Heute für morgen Zeichen setzen“

Internat.Frauentag 2015

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Wenn ich eine Wette abschließen würde, wer dieses Motto kennt und zuordnen kann, würde ich vermutlich gewinnen. Denn ich behaupte, dass es ein ziemlich geringer Prozentsatz ist, der damit etwas anfangen kann. Und das gilt auch für uns Frauen, für die dieser Aufruf eigentlich gedacht. Des Rätsels Lösung: „Heute für morgen Zeichen setzen“ ist erneut die diesjährige Losung für den „Deutschen Frauentag“. So will es u.a. der DGB.

Wobei ich mich in diesem Fall nicht mit all den gemeinten und aufgerufenen Frauen solidarisch erkläre. Für mich steht fest:
Der Frauentag sollte abgeschafft werden.
Auf jeden Fall, soweit es Deutschland betrifft, denn natürlich kann ich nur für unser Land sprechen. So viel Europa ist noch nicht, als dass ich allen europäischen frauentagsbewehrten Ländern die „rote Karte“ zeigen könnte oder mich anheischig machen würde.

Meinem „Pro“ für die Abschaffung werden vermutlich viele „Contras“ entgegenzusetzen sein. Ich stehe bereit für eine Pro -und Contra-„Schlacht“. Die im Übrigen natürlich viele Vorgängerinnen hat. Die Bekannteste ist wohl die, die Alice Schwarzer im Jahre 2010 gefochten hat. Raten Sie einmal, auf welcher Seite sie stand?

Natürlich will ich mich nicht an ihr messen – warum auch? Auch an ihr und ihre damals enorm wichtigen frauenpolitisches Engagements ist die Zeit vorübergegangen – meiner Meinung nach.

Fragen wir uns doch einmal: Wofür stand der Frauentag bei seiner Einführung 1911 (damals war es im Übrigen nicht der 8. sondern der 19. März)? Es ging um Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung. Themen von epochaler und für eine funktionierende Demokratie essenziell notwendiger Bedeutung. Und obwohl das eigentlich für alle, auch für die Männer, offensichtlich und selbstverständlich sein sollte, waren es vor allem die Frauen, die sich dafür in den Kampf begaben. Denn damals war es noch ein Kampf. Gegen Vorurteile, gegen Besitzstände, gegen Bevormundung und für Selbstbestimmung, für Gleichheit und Eigenständigkeit. Die Einführung des Frauentags ist eng verbunden mit den Namen Clara Zetkin und Käte Duncker.

Dieser Kampf hat funktionierte: Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland am 30. November eingeführt (ganz nebenbei: das erste Land mit Frauenwahlrecht war Aserbaidschan!) und die Gleichberechtigung folgte ihm nach. Bei der Schaffung des neuen Grundgesetzes für Deutschland wurde die Gleichberechtigung als Grundrecht aufgenommen.

Danach ging es kontinuierlich weiter – zwar langsam, aber immerhin. Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Antidiskriminierungsgesetz, Frauenquote – all das sind Fortschritte. Die natürlich nicht ohne permanente Präsenz und Aktionen zu erreichen waren und sind. Und all die Baustellen, die es immer noch gibt, werden weiterhin auf Initiativen und permanentes Mahnen angewiesen sein.

Aber braucht es dafür noch einen „Frauentag“? Meines Erachtens nicht. Ganz im Gegenteil: Er ist eher schädlich. Denn er zeigt eigentlich auch, dass sich Frauen des Erreichten nicht genügend bewusst sind. Sie hängen einem Symbol nach, für das sie dann einen Tag die Fahne schwenken. Dabei sollte es so sein, dass jeder Tag genutzt wird, die Baustellen offenzulegen und Wege aufzuzeigen, sie in Ordnung zu bringen. Für einen Tag so viel Kraft und Energie (und nebenbei auch Geld) zu investieren, das ist nicht mehr verhältnismäßig. Zudem: wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Die Möglichkeiten, politisch Einfluss zu nehmen, sind vielfältig geworden, auch schlagkräftiger, weil sie jeden Tag auf offener Bühne ausgetragen werden können. Durch Initiativen, Anträge, Rechenschaftsberichte und vieles mehr.

Dazu kommt ein Weiteres: „Jahrestage“ sind zu einer Inflation geworden. Für alles und jedes gibt es einen solchen: Tag der Industrie, Tag des Gesundheit, Tag der Ernährung, Internationaler Aktionstag gegen Staudämme, Welttag des geistigen Eigentums und so weiter … . Aus dieser ziemlich beliebigen Ansammlung sollte sich der „Frauentag“ verabschieden.

Und was mich zusätzlich an dem Motto für dieses Jahr stört, ist seine Beliebigkeit. Das europäische Motto lautet anders und ist viel konkreter. Das Europäische Parlament hat für den Tag die Losung ausgegeben: „Bildung von Frauen und Mädchen. Schwerpunkt Entwicklungsländer“. Das ist für mich viel zwingender und dringlicher und ich frage mich, warum sich nicht der deutsche Frauentag dem europäischen Motto angeschlossen hat. Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Hierbei möchte ich es bewenden lassen. Es gibt sicher noch weitere Argumente Gespannt bin ich auf die Gegenargumente. Es könnte in dem Blog eine interessante Diskussion werden.

I.B.F.

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