Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Tipp: Finding Vivian Maier

Die Fotokunst wird weiblich

Vivian Maier

Vivian Maier

Vielleicht sind Sie dem Filmtipp in unserem Blog von Isolde Arnold (August letzten Jahres) gefolgt und haben sich die Dokumentation über Vivian Maier angesehen.
Dann sollten Sie sich auch die aktuelle Ausstellung im Willy-Brandt-Haus anschauen – eine kongeniale Ergänzung zu Ihrem Filmerlebnis. Übertitelt ist sie mit „Vivian Maier – Street Photographer“.
Wenn Sie den Film nicht gesehen haben, gilt die gleiche Empfehlung: Hingehen, schauen, staunen, bewundern … und in die Welt einer bislang unbekannten Fotografin eintauchen, die erst in den letzten Jahren in ihrer Bedeutung erkannt wurde.

Ausstellung V.Maier

Vivian Maier war eine sehr komplexe, introvertierte Frau, die fast die gesamte Zeit ihres Lebens Kindermädchen war. Ihr wirkliches Leben spielte sich aber woanders ab: auf den Straßen von New York und Chicago ab. Ihr „Markenzeichen“: die Rollex um den Hals, derbe strapazierfähige Schuhe und ebenso strapazierfähige Kleidung. „Outdoor-Qutfit“ würde man heute sagen. So durchstreifte sie die Straßen und fotografierte: Häufig waren es Porträts, aber auch Studien ihres Umfelds. Wenn Sie Maiers Fotos betrachten, lernen Sie viel über die Arbeits- und Lebensverhältnisse in den Großstädten kennen, ebenso über den Alltag der Menschen.

(c) P.M.B.

Vivian Maier hatte einen untrüglichen Blick für das Unerwartete, das Überraschende, für das leicht zu Übersehende. Das macht den Reiz ihrer Bilder aus – neben vielem anderem. Dazu gehört z.B. die außerordentliche Qualität ihrer Fotos. Die selbst ich, als – zwar Liebhaberin der Fotokunst, aber ansonsten völliger Laie – erkennen kann.

Es gibt einige Selbstportraits – geheimnisvolle Bilder, die oft vor Spiegeln oder Schaufenstern entstanden sind. Das war wohl ihr Versuch, sich ihrer selbst zu vergewissern und ihren Platz in der Welt zu finden.

Vivian Maier farbe

1970 begann Vivian Maier mit der Farbfotografie und wechselte zugleich von der Rolleiflex zur Leica. Sie war leichter und beweglicher zu handhaben. Bei diesen Aufnahmen kam es ihr offenbar auf Farbdetails an, die sie heraushob, meistens waren es schrille Farben, es ging ihr auch um Kontrastpunkte, die sie herausarbeitete.

Maiers dritte Ausdrucksform waren später Super 8 Aufnahmen. Sie filmte Straßenszenen, Feiern und Veranstaltungen – und immer mit ihrem sezierendem und überraschendem Blick.

Vivian Maier wurde 1926 als Tochter einer französischen Mutter und eines österreichischen Vaters geboren. In der Bronx in New York City. Sie starb im Jahre 2009, krank und verarmt.
Niemand wusste, dass sie fotografierte, sie hat ihre Aufnahmen niemals jemandem gezeigt und schon gar nicht versucht, sie auszustellen.

Dass ihr Lebenswerk entdeckt und den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, ist eine ebenso abenteuerliche Geschichte und untrennbar mit dem Namen des Immobilienmaklers John Maloof verbunden. Diese Geschichte will ich Ihnen vorenthalten, um nicht zu viel vorwegzunehmen. So viel sei aber verraten: Sie ist noch nicht zu Ende, denn wie so oft wird plötzlich um ihr Erbe gestritten.

Vielleicht ist Vivian Maier wirklich die letzte große „Unbekannte“ in der Geschichte der Fotografie, die selbst nicht zu entschlüsseln sein wird, uns aber durch ihre Arbeit reich beschenkt.

willy brandt haus ausstellung

Details zur Ausstellung: Sie läuft noch bis zum 12. April. Ort: Willy-Brandt-Haus in der Wilhelmstraße 140. Geöffnet: Di bis So 12.00 bis 18.00 Uhr. Ausweis nicht vergessen! Der Eintritt ist frei. Und der Tipp: Vermeiden Sie einen Besuch am Wochenende. Dann ist die Ausstellung gut besucht – zu gut, um die Bilder wirklich zu „sehen“.

Es wäre schön, wenn ich Ihnen meine Begeisterung habe vermitteln können.

I.B.F.

P.S. Eigentlich wollte ich noch über die zweite, gleichermaßen

Lore Krüger  (c) P.M.B.

Lore Krüger

aufsehenerregende Foto-Ausstellung berichten, mit der Berlin einmal mehr beweist, dass es eine Oase der Fotokunst ist: „Lore Krüger“ im C/O (Hardenbergstr. 22-24). Aber da gerade in den letzten Tagen in einer der Berliner Tageszeitungen ein ausführlicher und guter Bericht erschienen ist, scheint mir das überflüssig zu sein. Da ist bereits alles ausgeführt, was ich auch zu sagen hätte. Und auch hier gilt: Schauen Sie selbst – und das können Sie noch bis zum 10. April (Eintritt 10,00 €, ermäßigt 5,00 € – gilt nicht für Rentner! Täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet).

 

Foto 1, 3, 6  (c) P.M.B.

Foto 2, 4, 5  (c) mw

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: