Berlin ab 50…

… und jünger

Ein stiller Baumeister

Ausstellung_IIFernand Léger, Wassily Kandinsky oder Oskar Schlemmer, diese Namen dürften den meisten Freunden der Moderner Kunst geläufig sein. Doch wer war Willi Baumeister? In unserem Gedächtnis werden wir seinen Namen vielleicht nicht gleich finden, doch vergessen im künstlerischen Sinn ist er mitnichten. Willi Baumeister (1889 – 1955), so heißt es in der Broschüre zur Ausstellung, gehört zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit.

Die Daimler Art Collection Berlin widmet ihm eine Retrospektive im Haus Huth am Potsdamer Platz. Eine gute Gelegenheit, den vielseitigen Künstler und Avantgardisten einer neuen abstrakten Kunst zu entdecken.
Seine künstlerischen Wurzeln reichen bis in die 1920-er Jahre zurück, genau genommen bis in eine Werkbundausstellung von 1922, und so stand er auch den Künstlern des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit nahe. Während der Nazizeit kalt gestellt, avancierte er nach dem Krieg zu einem der bedeutendsten Künstler der Nachkriegsmoderne.

So beeindruMauerbildcken seine Werke noch heute, seien es die frühen abstrakten „Mauerbilder“, die konstruktivistischen Collagen oder seine späteren experimentellen Schattenbilder wie „Wind“, bei denen der Hintergrund den Vordergrund überdeckt und dadurch zum bildgebenden Moment wird. Seine Bilder, Grafiken und Collagen sind angenehm unprätentiös und haben eine große, Ruhe stiftende Strahlkraft. So hat sich Baumeister auch an fernöstliche, kalligraphische Formen heran gewagt und dabei seine eigene Interpretationsweise gefunden.

Zudem der Ort der Ausstellung in seiner ganzen Zurückgezogenheit. Das Haus Huth ist wohl der einzige verbliebene Altbau im architektonischen Getöse des Potsdamer Platzes und so wirkt es schon von außen wie ein sich duckender Fels inEingangstuer der Brandung, und wenn man die Türklingel gedrückt hat und der Summer den Eintritt gewährt, betritt man im Treppenhaus eine andere, fast schon vergangene Welt. Die eigentliche Ausstellung befindet sich im vierten Stock (Fahrstuhl) und schon beim Eintritt ist man freudig überrascht von den lichten, großzügig ineinander laufenden Räumen, in denen die ausdrucksstarken Werke Baumeisters nicht besser präsentiert werden könnten. Die gelegentlichen Blicke aus den Fenstern auf das kommerzielle Getriebe am Potsdamer Platz lassen einen schnell wieder zurückkehren in die Geborgenheit des Ausstellungsortes.

Noch Vieles mehr lässt sich in der Ausstellung entdecken: Bilder und Collagen anderer Künstler, die ihre Werke mit Baumeister ausgetauscht haben und die aus seiner Privatsammlung stammen. Die der eingangs bereits Erwähnten, dazu selten gesehene Miniaturen von Picasso (herrlicher Titel: „Gitarre und Kompottschüssel“), Paul Klee, Le Corbusier oder Joan Miró.

Die Ausstellung endet schon am 12. April und ist täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr Ausstellung_Igeöffnet. Der Eintritt ist frei, dazu gibt es eine reich bebilderte, 80 Seiten umfassende Ausstellungsbroschüre. Es empfiehlt sich, das kurze Einführungsblatt der Ausstellungsleiterin Dr. Wiehager zu lesen, um das Ausstellungsprinzip mit seinen chronologischen Themenbereichen vor den verschiedenen Wandfarben zu erkennen. Es gibt zudem einen kurzen historischen Einführungsfilm zur modernen Kunst, der trotz des überholten Sprachduktus des Kommentars sehenswert ist.
PB

Fotos (c) PB

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