Berlin ab 50…

… und jünger

Klaus Staeck verlässt die Akademie der Künste …

Foto 1… und er wäre nicht der, der er ist, wenn er seinen Abschied nicht mit einer fulminanten Schau inszenieren würde. Die Ausstellung fasst noch einmal zusammen, welche Ideen und Philosophien sein gesamtes Schaffen und Sammeln bestimmt haben und noch bestimmen. Sie zeigt auf, wie Kunst in den Demokratisierungsprozess eingreifen kann. Kunst sollte – so auch die Überschrift der Ausstellung „für alle“ da sein, weg vom elitären Kunstmarkt und seinen exzessiven Preisen.

Die Stichworte für diesen Weg heißen „Auflagenkunst“ und „Multiple“: ein originär künstlerisches Werk, das in einer höheren Auflage produziert wird. Das Singuläre wird zugunsten einer Pluralität aufgegeben: Kunst sollte basisdemokratisch und für alle offen sein. L’art pour l’art – damit sollte es ein Ende haben. Die Kunst als Spiegel der Verfasstheit der Gesellschaft.

Staeck und seine Mitstreiter haben provozierende Fragen gestellt: Was ist „Kunst für alle“ überhaupt, an wen richtet sie sich? Wie sieht eine von der Kunst angestoßene Demokratisierung der Gesellschaft aus?

Klaus Staeck haFoto8t für diese Ausstellung seine umfangreiche Sammlung geöffnet und präsentiert darüber hinaus auch seine damaligen Wegbegleiter. Sie werden Arbeiten sehen, die Sie zurück “beamen“ in Ihre Jugend, in die Zeit, in der Aufbruch das Zeichen der Zeit war. Namedropping ist immer etwas fragwürdiges, aber in diesem Fall geht es gar nicht anders, um das Spektrum zumindest ansatzweise ein wenig aufzuzeigen: Daniel Spoerri, Rosemarie Trockel, Hanne Darboven, Günter Uecker, Jochen Gerz, Ruprecht Geiger (eines von vielen anderen Werken, das ich ziemlich beglückt entdeckt habe), Emil Schumacher (ganz wunderbar), Tomi Ungerer, Blinky Palermo,Vostell, Strawalde …. Und natürlich Beuys. Immer wieder und in den verschiedensten Aktionen.

Natürlich ist die Ausstellung völlig frei gestaltet, sie folgt keinem gängigen kunstwissenschaftlichen Muster. Es geht im wahrsten Sinne kreuz und quer Foto 6zu: eine wilde Collage von „Zeitzeugen“: Grafiken, Objekte, Kunstbücher, Postkarten, fotografierte Aktionen (z.B. vom Festival „intermedia 69“) oder über die „3. Bitterfelder Konferenz 1992“, Litografien, Plakate, Aufrufe …

Für mich war der Ausstellungsrundgang ein Zurückkehren in die Zeit, in der wir, meine Generation, begannen zu denken, zu fragen, verändern zu wollen.
Klaus Staeck und seine Weggenossen waren führend für uns, sie wagten das zu tun, was wir uns wünschten tun zu können.

Sie können die Räume rechts oder links herum erlaufen, Sie sind an keine Chronologie gebunden – mäandern Sie umher, wechseln Sie die Themen – Sie werden sich gut fühlen und Ihr Erinnerungsspeicher wird wieder gefüllt sein.Foto 7

Und ich verrate Ihnen auch, was mich persönlich richtig glücklich gemacht hat. Und stolz, das verhehle ich nicht.
Unter den Künstlern, die Staeck für die Ausstellung ausgesucht hat, ist auch Reiner Schwarz mit einer Litografie vertreten: „Das Okular“. Sechs seiner Litografien haben wir damals für uns gekauft – per Ratenzahlung! Kunst, Auflagenkunst, war uns so viel wert, dass wir dafür Schulden gemacht haben. Einfach so, ohne nachzudenken, ob es uns etwas „einbringt“ – außer dem Gefühl, an etwas teilzuhaben.

Ich habe die Ausstellung verlassen als glücklicher Mensch. Und ich habe wohl etwas wiederentdeckt, was schon verschüttet war im jahrelangen Kampf, „richtig“ erwachsen zu werden.
Lässt sich doch nachvollziehen, nicht wahr.

Bleiben Sie mir gewogen!.

I.B.F.

Und nehmen Sie noch den Tipp mit, in der Cafeteria bei feinem Kuchen- und Co-Angebot ein bisschen weiter nachzudenken. Oder sich an einem Wochenende mit Freunden zu einem Brunch und zu verabreden und gemeinsam die Erinnerungen heraufzubeschwören. Alles ist möglich!
Die Ausstellung läuft in der Akademie der Künste, Hansaviertel. Eintritt:6 bzw. 4 € (hier gilt auch noch der Rentnerausweis!), Dienstag bis Sonntag. Dienstag 15.00 bis 19.00 Uhr freier Eintritt. Montags geschlossen. Oster- und Pfingstmontag geöffnet. (www.adk.de)

 

Fotos (c) PeB

2 Kommentare

  1. Karin B.

    Liebe I.B.F.

    Es hat mich heute, am Ostermontag, wirklich gefreut Ihren Beitrag zu Klaus Staecks Abschied aus Berlin und seiner offenbar sehenswerten Austellung zu lesen. Seit einiger Zeit bin ich interessierte Leserin von „Berlin ab 50“, dem aktuellen, informativen und ermutigenden Blog für Menschen in der dritten Lebenshälfte, ein weiteres Beispiel für Berlins Lebendigkeit und Vielfalt, man merkt es schon, ich lese Ihre Seite sehr gerne. Als „Altheidelbergerin“ begegne ich Klaus Staeck mitunter zufällig in Heidelberg’s Strassen, hier ist ja alles recht überschaubar, laufe an seiner Galerie in der Ingrimstrasse vorbei, wo er mitunter versteckt hinter sich auftürmenden Stabeln von Zeitschriften, Büchern, kleinen Kunstwerken und Utensilien zu entdecken ist oder erlebe ihn bei politischen Veranstaltungen, als jemand der sich treu geblieben ist. Das drückt sich auch in seinen aktuellen Arbeiten aus. Es ist also schön, ihn neben all den Informationen, Hinweisen und persönlichen Eindrücken auf Ihrer Seite zu finden, für mich eine kleine Achse Berlin – Heidelberg.

    Da ich diese Achse nach dem Ende meiner Berufstätigkeit auch persönlich wieder verstärkt aktiviere und mit der Überlegung eines Umzugs nach Berlin beschäftigt bin, jetzt da alles möglich ist, wünsche ich mir aktuell einen Orientierungsmonat in Berlin, vier Wochen um in der Stadt zu leben. Hier bin ich für den geplanten Aufenthalt im Juni gerade auf der Suche nach einer entsprechenden Unterkunft – Zimmer, kleines Appartement, kleine WG … Falls Sie mit oder weitere Nutzer/Innen des Blogs dazu einen Hinweis geben können, wäre das ganz prima – dann könnte ich mir in der Akademie der Künste sogar noch die Ausstellung von Klaus Staeck ansehen …
    Kontaktaufnahme gerne unter: k.m.b.2004@t-online.de

    • Liebe Karin B.
      leider können wir keine Empfehlung geben, aber wenn sie unter „Ferienwohnungen Berlin“ googlen, finden Sie bestimmt etwas Passendes.
      herzliche Grüße und wir freuen uns, dass Sie sich Berlin bald persönlich „vornehmen“.

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