Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Tipp: „Ein Abend im Salon“!

Über die großen literarischen Salons ist die Zeit hinweggegangen – diese Form der gesellschaftlichen Zusammenkünfte, in denen es um nichts anderes ging als um Ideenaustausch, Diskussionen, Lesungen und oft auch um die Förderung junger Talente gibt es so nicht mehr. Ihre Blütezeit hatten die Salons im 18.- bis 20. Jahrhundert; während der dann folgenden großen Umwälzungen war für ein solches Mäzenatentum kein Platz mehr. Geblieben sind aber die Überlieferungen, die von der besonderen Atmosphäre dieser Salons zeugen.

Berlin war wohl ein Zentrum für diese Art der Zusammenkünfte, die von einem freien Geist und der Lust am Diskurs getragen wurden. Einer der berühmtesten Salons in Berlin war der von Rahel Varnhagen.

Aber ich wollte nicht die vergangene Salonkultur in Ihre Erinnerung zurückrufen, sondern davon erzählen, dass es Wiederbelebung gibt. Wiederum gerade auch in Berlin.

Ein Beispiel von vermutlich vielen ist der „Tagesspiegel-Salon“. Ich verfolge sein Programm schon seit einiger Zeit und bin immer wieder aufs Neue überrascht, was den „Machern“ einfällt.

Eingefallen ist ihnen zum Beispiel für den 28. April eine Veranstaltung – Lesung und Gespräch – zugleich, die sich umschreiben lässt mit: „Was bleibt“?

Es bleiben zum Beispiel die „Nachrufe“! Und sie sind das Thema dieses Salon-Abends. Hintergrund ist, dass der „Tagesspiegel“ schon seit rund 13 Jahren jeweils am Freitag eine Seite dem Nachrufen von kürzlich Verstorbenen widmet. Dabei wird ganz normalen Menschen nachgerufen. Menschen, deren Leben lang oder kurz war, die nicht berühmt, aber für ihre Freunde, Nachbarn, für die Familie etwas Besonderes waren. Einer der Nachrufer für den Tagesspiegel ist Gregor Eisenhauer und er hat in dieser Zeit so viel erlebt, nachgedacht und gelernt, dass daraus jetzt ein Buch geworden ist. „Die 10 wichtigsten Fragen“ – so sein Titel

Nachrufe zu schreiben ist eine ganz besondere Kunst. Sie bedarf der vor allem der Fähigkeit, sich einzufühlen, Grenzen zu akzeptieren und zu den Hinterbliebenen eine Verbindung aufzubauen. Und das hat Gregor Eisenhauer in all den Jahren geschafft. Herausgekommen ist (und wird es hoffentlich noch lange) einfühlsame Lebensberichte, die den Menschen, um den es geht, würdigen. Die Angehörigen werden eingebunden und oftmals – so eine Erfahrung, über die Eisenhauer an diesem Abend des 28. auch sprechen wird – erkennen sie erst in diesen Gesprächen, wie wenig sie über den Verstorbenen wissen. Wie kurz das Leben ist – das ist eine Erkenntnis, die Eisenhauer reflektiert und von der er weiß, dass die meisten sie verdrängen. Das gilt vermutlich auch für Sie und für mich mit Gewissheit – was ich dadurch vielleicht verliere, auch das wird mir hoffentlich an diesem Abend klar.

Eisenhauer gibt auch noch einen bemerkens- und bedenkenswerten Rat: nämlich den, für sich selbst einen Nachruf zu schreiben: Wer bin ich, wie möchte ich von anderen gesehen und erlebt werden. Und vor allem: Was soll von mir bleiben?

Details zu der Veranstaltung: 28. April, 19.30 Uhr. Askanischer Platz 3. Eintritt inklusive Sekt und Snack 16,00 €. Anmeldung: http://www.tagesspiegel.de/veranstaltungen. Tel. 29021-560
Das Buch ist im Dumont Verlag erschienen. 254 Seiten, 18,00 €

Treffen wir uns? Und bleiben Sie mir bis dahin gewogen.

I.B.F.

Ein Kommentar

  1. PB

    Mir fällt in dem Zusammenhang ein Buch von Uwe Timm ein: „Rot“. Es handelt von einem Trauerredner, der naturgemäß die Menschen, über die er spricht, niemals kennengelernt hat und der versucht, sich ein Bild von ihnen zu machen. Seine Reflexionen sind sehr lesenswert.
    PB

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