Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Tipp: Als das Ganze noch ein Halbes war

Foto 1 Die Generation unserer Enkel wird vermutlich schon im „Ganzen“ denken, wir haben noch einen direkteren Bezug zum Halben. Gemeint sind West- (und Ost-Berlin) und das vereinigte Berlin.

Das halbe, das westliche Berlin wiederaufleben zu lassen oder für die Jüngeren eine Ahnung davon zu bekommen – dazu gibt es eine jetzt eine Gelegenheit, die Sie nutzen sollten. Ein Besuch im Stadtmuseum macht es möglich.

Offiziell heißt die Ausstellung: West: Berlin – Eine Insel auf der Suche nach Festland

Bereits diese überraschende Titelformulierung soll andeuten an, um was es Foto 2den Ausstellungsmachern geht: Der Doppelpunkt – so sagt es das äußerst informative Booklet, das Ihnen mit der Eintrittskarte ausgehändigt wird – soll ein Zeichen der Neutralität sein. Denn die damals üblichen Bezeichnungen „Berlin (West), „West-Berlin“ oder „Westberlin“ waren zugleich politische Botschaft und standen für jeweils unterschiedliche Sichtweisen. Der Doppelpunkt also als Zeichen des Weder-noch. Für mich persönlich zwar nicht ganz nachvollziehbar – das nur nebenbei.

Die Ausstellung macht die Atmosphäre, das Lebensgefühl und den überschwänglichen Drang nach Freiheit noch einmal sichtbar. Und zeigt zugleich, wie die Bewohner diese Insellage aushaltbar und für sich bewohnbar gemacht haben. Es wird Kurioses und Alltägliches gezeigt – kurios zum Beispiel das „Amphicar“, mit dem sich sowohl auf der Straße als Foto 5auch auf dem Wannsee herumfahren oder herumschwimmen ließ.

Die Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern thematisch – das mag man bedauern, weil dadurch die Veränderungen, vor allem die atmosphärischen, nicht deutlich werden. Das wäre für die, die die Zeit nicht oder nur am Rande miterlebt haben, eine interessante Erfahrung gewesen. Nun, man kann nicht alles haben und durch den gewählten thematischen Aufbau wird einem eines besonders bewusst: Freiheit hatte damals einen überragenden Wert und Freiheit hieß vieles: keine Bundeswehr, keine Sperrstunden, keine Eingrenzungen für Experimente jeder Art. Und nicht zuletzt: für die Meisten ein gutes Auskommen dank finanzieller Zuschüssen. Der Bund ließ sich West-Berlin etwas kosten. Und Berlin war damals die Stadt der Pleiten und niemand störte sich daran. Der typische Berliner Filz – seine Hoch-Zeit hatte er wohl in den Jahren der Teilung. Auch hiervon zeugt die Ausstellung.

All das lebt in den Exponaten noch einmal auf und man erinnert sich an längst Vergessenes. Und für die, die Berlin nur als Ganzes kennen, für die bekommen die Geschichten von damals ein „Gesicht“.Foto 3
Und nicht zuletzt der Ausstellungsort: Das Stadtmuseum ist im Ephraim-Palais angesiedelt, der selbst eine typische Ost-West-Geschichte hinter sich hat. Die Fassadenteile, die 40 Jahre in Wedding lagerten, wurden zur 750- Jahr-Feier Ost-Berlin übergeben und es entstand die Idee, den Palais hier am Rande des gerade in Aufbau befindlichen Nikolai-Viertels anzusiedeln.

Noch ein Detail: Im obersten Stock ist ein Aufenthaltsraum aus dem legendären „Hotel Bogota“ aufgebaut worden. Wer also zu seinen „Lebzeiten“ nicht dort war – hier kann er den Besuch nachholen. (Ich muss gestehen, ich war enttäuscht; eine Atmosphäre lässt sich offenbar nicht so einfach „nachbauen“).

Für Ihren Besuch der Ausstellung noch die notwendigen Details: Sie endet am 28. Juni. Adresse: Ephraim-Palais, Poststraße 16. www.west.berlin . Di-So von 10 – 18 Uhr; Mittwoch von 12 – 20 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt (es gilt der Rentnerausweis!) 5 Euro
Um die Beschriftungen lesen zu können, sollten Sie Ihre Brille nicht vergessen und „beweglich“ sein. Die Schilder hängen manchmal sehr tief – offenbar ist diese Art der Beschriftung für die neue Art der Hängung unerlässlich. Ich hätt’s gern in Augenhöhe.

Viel Spaß und bleiben Sie mir gewogen.
I.B.F.

Fotos (c) P.M.B.

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