Berlin ab 50…

… und jünger

Wider das Vergessen

Yadegar Asisi hat uns – und viele unserer Gäste – mit seinem Panorama DIE MAUER fasziniert. Wir erinnern uns heute noch mit leuchtenden Augen an das PERGAMON-Rundbild, wir haben die Völkerschlacht LEIPZIG 1813 gesehen. Ja, wir sind Asisi-Fans. Jedes Mal sind wir neu beeindruckt von seinen Ideen und fasziniert von seiner Arbeit.

Plakat

offizielle Plakat

Nun hat er für gute vier Monate im Dresdener Panometer eine neue Installation geschaffen: DRESDEN 1945. Sie zeigt die Stadt direkt nach den Bombenangriffen vom 13.- 15. Februar 1945 – in Schutt und Asche. Yadegar Asisi will, so sagt er, damit seinen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten „um über die Schöpferkraft und die Abgründe des Menschen, über die grausame Logik und den Wahnsinn des Krieges nachzudenken. Für mich steht Dresden für Tragik und die Hoffnung einer Stadt in Europa. Wenige Momente genügen, um über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zu Staub und Asche werden zu lassen.“

Schon im Vorfeld des am 24. Januar 2015 eröffneten 360° Panoramas hörten wir Zweifelndes, Ablehnendes, Skeptisches. Kann man mit diesen Bildern des Grauen einer völlig zerbombten Stadt überhaupt ein solches „Event“ veranstalten, darf man das? Werden die Bomben auf Dresden und die Zerstörung dieser Stadt nicht verniedlicht, für einen Effekt missbraucht ?
Wir waren dort – und waren wirklich tief bewegt. Nein, es wirkt nicht harmlos und schon gar nicht niedlich. Gleichsam friert man bei dem Anblick dieser Katastrophe ein und wird gleichhzeitig tief erschüttert. Asisi hat, ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Panoramen wenig Menschen ins Bild gesetzt, wenig „inszeniert“. Zuerst sehen wir überhaupt keine

Ausschnitt aus Y.Asisis Panorama DRESDEN 1945

Ausschnitt aus Y.Asisis Panorama DRESDEN 1945

Menschen, allmählich, wenn sich das Auge daran gewöhnt, erkennen wir die eine oder andere Krankenschwester mit dem weißen Häubchen, sehen wir Asche-graue Menschen, Leichen, Hunde… aber vor allem sieht man, dass in dieser Stadt fast nur mehr Ruinen stehen, lediglich die Kreuzkirche erkennen wir, den Mittelbau des Zwingers, die Semperoper…der Rest sind Ruinen. Im Begleitprogramm erinnern sich einige Dresdener, dass es nach dem Krieg viel freie Fläche (welche ein Euphemismus) gab, wo sie als Kinder gern spielten, ja, es war geradezu ein idealer Spielplatz. Da läuft dem Besucher noch einmal der kalte Schauer über den Rücken.

Neben der Tragik steht Dresden auch für die Hoffnung, denn diese Stadt ist wegweisend für ihre Wiedererstehung bis in die Gegenwart und zeigt einen enormen Lebenswillen. Aufbau, Glanzzeit, Zerstörung und Wiederaufbau wird im Begleitprogramm mit persönlichen Schicksalen nachvollziehbar aufbereitet.
In seiner Bildkraft und seiner Eindringlichkeit mahnt dieses neue Werk Asisis, den Anfängen zu wehren und jedes Spiel mit dem Feuer im Keim zu ersticken. Und es geht nicht nur um „Erinnerungskultur“, wir wissen, Krieg ist leider kein Kapitel der Vergangenheit.
Nach dem Besuch von DRESDEN 1945 begreift man fast körperlich, wie zerstört diese Stadt war und voll Hochachtung schauen wir auf den Wiederaufbau des Dresden 2015. Emotional begleiten uns diese Eindrücke noch lange.

Heute, am 9.Mai, sieben Jahrzehnte nachdem in der Nacht vom 8. auf den 9.Mai in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation von Sowjetmarschall Schukow und Generalfeldmarschall Keitel unterschrieben wurde, feiern wir den 70. Jahrestag der Befreiung. Berlin hat gestern im Bundestag und Bundesrat eine Gemeinsame Gedenkstunde abgehalten, die Berliner sind heute aufgerufen (initiiert von dem Historiker Götz Aly), ab 14 Uhr im Sowjetischen Ehrenmal Blumen als Geste der Dankbarkeit niederzulegen und danach im Treptower Park ( „Wer nicht feiert, hat schon verloren!“) zu feiern mit Musik und Tanz, russischer Küche und deutsch-russischer Kulturprogramm.

mai'45 frühling in berlin

(c) Mai ’45 – Frühling in Berlin

Bis 26.Mai werden in der Oper-Air-Ausstellung „Mai ’45 – Frühling in Berlin“ an sechs Plätzen der Stadt – Am Brandenburger Tor, Lustgarten, Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Joachimsthaler Platz und Wittenbergplatz – großformatige historische Fotos eben dieser Plätze im Frühjahr 1945 aufgestellt, die den Alltag zwischen Krieg und Frieden thematisieren – um nur eine der vielen weitere Ausstellung zu diesem Thema zu nennen http://www.berlin.de/mai45/70-jahre-kriegsende/open-air-ausstellungen.
Wer nicht die Zeit hat nach Dresden zu fahren, wo das Panorama noch bis

Panometer in Dresden

Panometer in Dresden

31.Mai zu sehen ist, kann sich auch den von Konstantin von zur Mühlen frisch aufbereiteten Flug über das zerstörte Berlin 1945 ansehen . Dieses  30 Minuten  Filmmaterial der US Army Air Forces vermittelt einen geradezu bizarren Eindruck von Berlin im Juli 1945 https://vimeo.com/126617484

Wir haben jetzt schon 70 Jahre Frieden – und sollten damit achtsam umgehen!
Vergessen Sie die Blumen nicht
– und bleiben Sie neugierig.

go

 

Fotos (c) mw

Ein Kommentar

  1. Isolde

    Danke sehr, liebe Gül!

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