Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt: Hospizversorgung ja ….

… aber nicht für jeden!

Das klingt hart, nicht wahr? Aber wenn man den jüngst vorgelegten Kabinettsbeschluss der Regierung Merkel und Co vom 29. April 2015 liest, muss man zu diesem harten Urteil kommen.
Hospizversorgung als Zwei-Klassen-Versorgung – so formuliert es die Deutsche Stiftung Patientenschutz.

Die Gefahr der weiteren Ungleichbehandlung bei der Hospiz- und Palliativversorgung betrifft auch unsere Generation, uns, die wir möglicherweise eine Sterbegleitung wünschen (es geht, um keine Verwirrung zu riskieren, nicht um Sterbehilfe!). Angesichts der Fakten, die in dem Gesetzentwurf verankert sind, müssen wir dieser Gefahr begegnen!

Denn diejenigen, die bereits in einem Pflegeheim leben und am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind, denen bleibt auch nach dem Beschluss eine professionelle Sterbegleitung versagt.

Konkret sieht das in etwa so aus, dass die Sozialkassen pro Tag 255 Euro übernehmen, die Pflegeheime bekommen gerade einmal 54 Euro. Meint der Gesetzgeber wirklich, dass die Sterbebegleitung in Pflegeheimen nur ein Fünftel dessen „wert“ ist, wert sein darf, was in Hospizen dafür zur Verfügung steht?

Sicherlich will der Gesetzgeber nicht wirklich und absichtlich ein Zwei-Klassen-System , aber aufgrund der Festlegungen des bisherigen Beschlusses, der als großer humaner Fortschritt gerühmt wird und zu einer „Kultur der Hilfe im Sterben“ führen soll, fragt man sich, warum er nicht stärker auch diese Seite fördert. Was zu fordern ist, ist eigentlich klar: ein Rechtsanspruch auf professionelle Sterbebegleitung in Pflegeheimen!

Z.B. ist bislang nicht geregelt, dass die Pflegeheime geeignete Fachkräfte einstellen können. Examinierte Pflegekräfte mit Palliativausbildung, Schmerztherapeuten und psychosoziale Betreuung, wie sie in Hospizen selbstverständlich sind, sind erst einmal nur eine Forderung der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Einer der Gründe: die Finanzierung! Sicherlich kann man dieses Argument nicht einfach beiseite schieben, aber es muss in einer „Kultur der Hilfe“ möglich sein, Umverteilungen zu finden.
Zwar soll es auch für Pflegeheime Verbesserung geben, aber die sind erst einmal mit der dehnbaren „Soll-Formulierung“ versehen, also von der Konkretisierung oder gar der Umsetzung noch ziemlich weit entfernt.

Die ländlichen Gebiete sind gänzlich unterversorgt, und da auch in diesen Räumen Familien- und Nachbarschaftshilfe nicht mehr so selbstverständlich ist, weil die Familienverbände sich auflösen, ist doppelte Hilfe notwendig.

Rund 80 000 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit in der Hospizbewegung. Und dieses Engagement muss und soll ein wichtiger Pfeiler sein und bleiben. Zeigt es doch, dass die Betreuung Schwerkranker und sterbender Menschen ein Beweis ist für die ehrenamtliche Kultur der Hilfe.

Und ein letztes: Für die Angehörigen, die oftmals über eine lange Zeit extremen Belastungen ausgesetzt sind, wird ebenfalls zu wenig getan, Auch in diesem Punkt hat der oben genannte Beschluss große Leerstellen.

Was tun? Anprangern, einfordern, sich organisieren und vor allem: Präsenz zeigen und „Augen auf“. Wir gestalten unser Leben und für ein würdevolles, schmerzfreies und selbstbestimmtes Ende sollten wir alle rechtzeitig kämpfen.

I.B.F.

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