Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt: Nicht jeder Gag ist wirklich lustig

(c) Ampelmann GmbH

(c) Ampelmann GmbH

Man kann Toleranz auch falsch verstehen. So geschehen bei dem Vorschlag, uns künftig mit schwulen und lesbischen Ampelpärchen zu beglücken.
So wie sie bereits in Wien, Salzburg und München den Verkehr regeln. Ja, auch in München! Und das scheint wohl ein doppeltes Signal zu sein: Wenn schon die erzkonservativen Stadtväter die Idee offenbar gut finden, darf natürlich Berlin – als selbsternannte Hauptstadt auch der Toleranz – nicht nachstehen.

Wie das aussehen soll? Startschuss für Aktion soll der Christopher Street Day am 27. Juni sein. Dort wo der Zug vorbeiläuft, sollen die Ampeln mit schwul-lesbischen Pärchen leuchten. Ein wunderbarer Gag, wie der Initiator, die Ampelmann GmbH, meint. Das kleine I-Tüpfelchen, das die Besucher zusätzlich von der “Coolness“ Berlins überzeugen wird.

Natürlich soll es nicht dabei bleiben: Neben Ku’damm sind auch noch Friedrichstraße und Unter den Linden Favoriten.

Natürlich hat der Initiator auch noch einen erzieherischen Aspekt parat: Die Fußgänger würden doch solchen Ampeln sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken und das ist gut für den Verkehr. Klar, niemand wird dann mehr bei roten Pärchen über die Straße gehen, sondern brav warten, weil wir bei soviel Toleranz ganz gesetzestreu werden.

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Wien, Oktober 2016

wien3Bitte, lieber Initiator und liebe Senatorinnen und Senatoren: Legt die Idee zu den Akten und schreddert sie. Ampeln sind Ampeln, sind Ampeln. Sie sollen den Verkehr regeln, die Fußgänger zu ihrem Recht verhelfen, ungestört über die Straße zu gehen. Mehr nicht. Muss wirklich alles, auch jeder Alltagsgegenstand symbolträchtig und erzieherisch überhöht und mit dem Tenor versehen werden: Wir sind doch so tolerant! Auch an Ampeln.

Toleranz und Integration sind wohl die wichtigsten Werte und sie zu leben muss das Ziel sein. Schwul-lesbische Ampeln sind dafür sicher nicht notwendig.

Was meinen Sie?

Bleiben Sie mir gewogen?

I.B.F.

Quelle: Tagesspiegel, 23.5.2015

2 Kommentare

  1. DAS ist absolut unsinnig und auch noch teuer !

  2. d.b.

    Eine Ampel ist eine Ampel. Die Ampel verlangt bei Rot stehen zu bleiben, bei Grün zu gehen, bei Gelb sich mental auf das Stehen oder Gehen einzustellen.

    Ob nun diese Ampeln in reinen Farben oder zusätzlich mit Symbolen von Ampelweibchen -männchen oder -kindern ausgestattet sind, ändert an der Funktion einer Ampel nichts. Die Kosten dürften sich auch nicht unterscheiden, welcher Figuren man sich nun bedient.

    Wenn nun jemand auf die Idee gekommen ist, Paare von Frauen oder Paare von Männern im Ampellicht zur Geltung kommen zu lassen, wäre das ein neues Ampel-Design. Das würde vielleicht am Anfang manchem Menschen auffallen – wenn er nicht gerade auf sein Handy blickt – wie einem das erstmalig im Westen der Stadt Berlin mit den in der ehemaligen DDR erfundenen Ampel-Männchen aufgefallen war.

    Das Herzchen ist fürwahr ein Gag, ein Hinseher, der einen schmunzeln lassen könnte.

    Sie schreiben, dass „Toleranz und Integration wohl die wichtigsten Werte seien und sie zu leben müsse das Ziel sein.“ Dieser Standpunkt ist bestimmt wichtiger, als die Symbole auf Ampeln. Erlaube mir als noch wichtiger „respektieren und akzeptieren“ zu benennen, im Wissen, dass „Toleranz“ allein dafür nicht ausreichend ist. Und „Integration“ wäre mir persönlich zu militärisch, man integriert sich – wenn man denn will – in eine Gesellschaft, zu der man glaubt zu passen.

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