Berlin ab 50…

… und jünger

Kultur in Kirchen – die Fortsetzung

In Zeiten des schrumpfenden Kulturbudgets sind Kirchen eine wichtige Zuflucht, auch und besonders für Künstler, die nicht den Mainstream bedienen, die konsequent ihren eigenen Weg gehen und die lieber ein kleines, aber kompetentes Publikum suchen.

Selbst wer sich für experimentelle Musik interessiert, findet ein Angebot: „Abenteuer FriedenskircheAvantgarde“ heißt eine Musikreihe in der Friedenskirche der kleinen Baptistengemeinde Charlottenburgs in der Bismarckstraße 40 im 2.Hinterhof . Auf dieses Angebot ist man zu Recht stolz, denn es gelingt mit zeitgenössischer und experimenteller Musik immer mehr Besucher anzulocken, auch weil der Raum eine besonders gute Akustik hat. www.die-friedenskirche.de

Im Moment kann man dort die wunderbaren Skulpturen aus Holz von Birkholz und benzPeter Birkholz bewundern, die noch bis 8.Juli zu sehen sind. Aus einem leblosen Stück Holz vom Olivenbaum, von einer Eiche oder einem Ahorn, vom Holz eines Essigbaum oder einer Edelkastanie wird unter den Händen des Künstlers Peter Birkholz daraus ein Torso, eine Maske, der Kopf eines Elefanten oder Königs. Die Form und die Maserung bestimmen dPeter Birkholz mit Learas Ergebnis, das im Fokus des Betrachters lebendig wird und bei vielen seiner Objekte dazu einlädt, fast reflexartig, mit der Hand über das Holz zu streichen.www.atelier-wil2.de

Kaum habe ich den Raum betreten, überrascht mich ein ungewöhnliches, sehr buntes Wandbild in der Apsis: in der Mitte das Brandenburger Tor, durch das Christus, der Friedensfürst, auf einem Esel dem Kirchenbesucher entgegen von Ost- nach West-Berlin reitet. Noch gab es keine Ausstellung, in der die Bilder von diesem Kunstwerk „erschlagen“ worden sei, erzählt man mir, im Gegenteil, es ergänze sich immer auf ganz besondere Friedenskirche innenWeise. So ganz bin ich nicht überzeugt, aber zumindest vergisst man diesen Kirchenraum nicht so schnell – die Friedenskirche, die Kirche mit dem bunten Wandbild.

Hier war der Auslöser, den Brückenschlag zwischen der säkularen Kunst und der Kirche zu wagen, ein ganz anderer als in der Lichterfelder Kirche. Seit ungefähr 8 Jahren baut die Gemeinde der Friedenskirche das kulturelle Angebot auf und aus, mit dePeter Birkholz (links) mit Learm Ziel, die Kirche bekannter zu machen, Öffentlichkeit zu gewinnen, Berührungsängste abbauen. Die Gemeinde will sich – im doppelten Sinne – ganz bewusst öffnen, denn jeder neue Besucher könnte auch ein potentiell neues Gemeindemitglieder werden und das braucht die Gemeinde dringend. Man wünscht sich den Dialog zwischen Kultur, Welt und Kirche.

 

St. Johanniskirche MoabitNächste Woche werde ich mir ein klassisches Konzert in der St. Johannis-Kirche anhören. Der amerikanische Oboist Demetrios Karamintzas will mit seiner neuen Konzertreihe „Klassik in Moabit“ erstklassige Musiker in das ehemaliger Arbeiterviertel mit großem Anteil an Migranten bringen. In der Schinkelkirche, die von strenger Schönheit ist uflyer 28062015nd eine vorzüglichen Akustik besitzt, wird am 28.Juni, 18 Uhr, das berühmte Oriel-Quartett auftreten mit Werken von Bach, Mozart, Telemann, Puccini und Britten.

Hier liegt das Gewicht vor allem auf der musikalischen Qualität, die die Kirche und Demetrios Karamintzas – wir haben ihn schon einmal vorgestellt in dem Beitrag „Eine Oboe für Afghanistan“ – hier in Moabit den Zuhörern bieten will. www.klassikinmoabit.com/aktuelles. Es verspricht ein musikalischer Hochgenuss zu werden.

 

Welche Beweggründe auch immer die eine oder andere Kirche hat, ihre Türen dem kulturell interessierten Publikum zu öffnen, das Angebot „Kultur in Kirchen“ ist enorm vielfältig. Ich werde weiterhin diese Möglichkeit nutzen, um interessanten Künstler fern ab vom großen städtischen Kulturbetrieb kennenzulernen – zu moderaten Eintrittspreisen. In dem gleichnamigen Magazin www.kultur-in-kirchen.info, das alle zwei Monate neu erscheint, kann man das umfangreiche Kulturelle Programme der evangelischen Kirchen Berlin, Potsdam und Umgebung nachschlagen.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich.

go

alle Fotos (c) mw/go

3 Kommentare

  1. A.M..

    KiK – Kunst in der Kirche oder Kultur in der Kirche – das ist ein spannendes Thema, gerade für Berlin. Denn hier gibt es viele Initiativen, über diese Brücke zu gehen, die eigentlich schon immer bestand. Nicht nur durch die sakrale Kunst, sondern auch z.B. durch die Beauftragung zeitgenössischer Künstler für die Gestaltung von Kirchenfenstern und durch die modernen neuen Kirchenbauten, die ganz anderen architektonischen Philosophien folgen
    Deshalb, aber nicht nur deshalb wundert mich ein wenig die Zuschreibung, dass es die „nicht auf den Mainstream bedachten Künstler“ sind, die den Kirchenraum nutzen. Zum einen sind es auch durchaus die von Ihnen mit „Mainstream“ gleichgesetzten Künstler, die von den Initiatoren von KiK herangezogen werden. Wobei mir gar nicht klar ist, wer mit Mainstream gemeint sein könnte. Doch sicher nicht die, die auch in Galerien ausstellen, auf Messen präsent sind – diese Künstler rundum als Mainstream zu bezeichnen, würde dem Kunstbegriff eine ganz neue Interpretation geben. Und dass niemand von denen ihren „eigenen Weg konsequent verfolgen, dürfte auch eine ziemliche Fehleinschätzung sein. Ein Rundumschlag, der so m.E. der Sache nicht hilft. Auch die Sache mit Publikum: Sind wirklich nur die kompetent, die sich für KiK interessieren? So klingt es zumindest in dem Beitrag an
    Zum anderen: Ich glaube, ich liege nicht falsch, dass auch die Künstler, die Sie wohl meinen, dankbar wären, Galerien zu finden, die sie vertreten. M.E. braucht Kunst Rückkoppelung, professionelle Vertretung und sie braucht einen Käufermarkt. Ein Künstler, der seine Kunst nicht verkaufen möchte, an den glaube ich nicht. Schon um unabhängig zu werden von der zufälligen Gunst anderer. Das gilt für den vorgestellten Bildhauer Peter Birkholz wie für alle anderen. Und man kann Peter Birkholz nur wünschen, dass es eine Galerie gibt, die ihn konsequent betreut.
    A.M.

    • Liebe(r) A.M. –
      wie schön, dass Sie unserem Blog schon so lange und so aufmerksam folgen. Das freut uns sehr!
      Natürlich wünscht sich jeder Künstler – und ich wünsche dies auch jedem Einzelnen von Herzen – , dass seine Kunst Anerkennung und finanziellen Wertschätzung erhält, aber es wär doch ein wenig arogant, zu sagen, dass nur in einer Galerie die angemessene „Heimat“ eines Künstlers sein kann. Auch in den Kirchen-Ausstellungen gibt es Rückkopplung, gibt es Kontakt zu Publikum und durchaus einen Käufermarkt. Ich möchte das nicht gering schätzen!
      Vielleicht schreiben Sie dem Blog einen Artikel über das durchaus spannende Thema moderne Kirchenarchitektur.
      go

  2. A.M..

    Es ist nett, dass Sie mich dazu auffordern wollen, aber dafür bin ich nicht kompetent. Ich verfolge den Blog durchaus mit Interesse und denke, dass z.B. der oder die „P.B“. ein geeigneter Autor sein könnte. Oder „wm“? Er/sie scheinen ja eine Leidenschaft für Skulpturen, Denkmäler, Gärten zu haben. Zudem: Ihr Blog bringt schon ausreichend Beiträge zu Kunst und Kultur – das war zu Beginn des Blogs, wenn ich mich erinnere, ein bisschen gemischter.
    A.M.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: