Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt: „Maßstäbe / neu definiert“

Werbeslogans haben sich tief in unseren Sprachgebrauch eingegraben. Wer kennt nicht  „Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn“ , „Nicht immer, aber immer öfter „, „Come in and find out“ oder „Für das Beste im Mann“. Die Werbesprache ist eine spezielle Form der Rhetorik. Der Slogan (auch Claim genannt) soll dem Kunden die Einmaligkeit des Produktes vorstellen, soll zur Identifizierung einer Ware oder Marke dienen und gleichzeitig Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz sein. Jedes Unternehmen will unverwechselbar sein und versucht mit dem Claim Kunden an sich und seine Marke zu binden. Auch Versicherungsunternehmen machen das so.

Ich hatte gerade mit einer zu tun, deren Motto  „Maßstäbe/ neu definiert!“ ist.  Nun ist die Aufgabe einer Versicherungen, beim Eintreten eines Versicherungsfalles einen Schadensausgleich zu erstatten. Dafür zahlt man seinen Versicherungsbeitrag. Dachte ich…

Vor genau acht Monaten hatte ich einen Autounfall – unverschuldet – der, wie mir Zeugen berichteten, „spektakulär“ verlief, kurz: ein toller Stunt soll’s gewesen sein. Eine Verkehrsteilnehmerin rammte meinen Wagen so, dass er hochkant auf zwei Rädern weiterfuhr. Gottseidank kippte er nicht um, sondern fiel wieder zurück auf seine vier Räder und kam zum Stehen. Ich habe all dies nicht mitbekommen, ich hatte und habe ein totales Blackout – das, was ich weiß, ist, dass ich einen lauten Knall hörte und in das aufgeregte Gesicht der Autofahrerin links neben mir sah…..

Gehalten hat mich der Sicherheitsgurt. Seitdem weiß ich, warum man ihn dringend anlegen muss. Aber meine Rippen waren dadurch ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden, die akuten Schmerzen dauerten gut ein halbes Jahr, das Trauma wird mir bleiben – und ich war mal ein leidenschaftlicher Autofahrer, dies hat sich ins Gegenteil verkehrt. Zumindest ist das der status quo.

Nun dachte ich gutgläubiger Mensch, dass die gegnerische Versicherung – die Frage der Schuld war eindeutig und wurde auch nie bestritten – für die entstandenen Arztkosten aufkommt, aber nein …. es begann eine monatelang anhaltende Auseinandersetzung, ob und warum und wieso überhaupt Untersuchungen und Anwendungen unfallbedingt sind. Daten von mehreren Ärzten – mehrere Jahre, gefühlt: Jahrzehnte zurück – wurde eingefordert . Allein der Eindruck, ich würde lügen oder die Versicherung übervorteilen, ist ärgerlich – denn zum einen tue ich es nicht, zum anderen ist es gar nicht notwendig. Die Akte ist inzwischen dick geworden, mein Ärger groß. Nun will ich nicht mehr, will dem angebotenen Vergleich zustimmen. Oh, aufgepasst, sagt da mein Anwalt. Da gibt es viel zu beachten, um nicht in eine Falle zu tappen. Es gibt einige Stolpersteine – das kleinste Übel wäre noch , dass ich dafür die Rechtsanwaltskosten selbst tragen müsste.

Die Aufgabe von Versicherungen ist es, beim Eintreten eines Versicherungsfalles einen Schadensausgleich zu erstatten. Dafür zahlt man seinen Versicherungsbeitrag. Dachte ich, aber letztendlich bewahrheitet sich das Vorurteil, das Versicherungsgesellschaften vor allem Rendite erwirtschaften müssen und versuchen, mit allen Mitteln einen Versicherungsfall auszuschließen (Mein Großvater sagte immer „Versicherungen kommen gleich nach stehlen“). Plötzlich hat das Motto eben jener Versicherung für mich einen ganz anderen Sinn bekommen – ich muss meine Maßstäbe neu definieren!

Bleiben Sie neugierig und seien Sie vorsichtig im Umgang mit Versicherungen

go

 

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