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… und jünger

„ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass“

Am 27. Juni ist „Siebenschläfertag“. Nach der alten Bauernregel aus dem 100jährigen Kalender wird das Wetter sieben Wochen lang so wie an eben jenem Tag – „wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen“ oder positiv gesehen auch „scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“. Seine Relevanz besitzt die alte Bauernregel als sogenannter „Lostag“ (dem Volksglauben nach jene Kalendertage, die Vorhersagen fürs Wetter zuverlässig ermöglichen) aber eigentlich erst etwa 10 Tage später, rund um den 7.Juli, da aufgrund der gregorianischen Kalenderreform 1582 eine zeitliche Verschiebung zustande kam.

Den Vorläufer des 100jährigen Kalenders schrieb zuerst der Abt des Klosters Langheim bei Bamberg im Jahr 1614 auf. Mauritius Knauer beobachtete nicht nur das Wetter, sondern auch andere Himmelserscheinungen wie Sternschnuppen, Kometen und Mondfinsternisse und schrieb alles auf. Nach seiner These wiederholte sich das Wetter im Sieben-Jahres-Zyklus. Er beobachtete also sieben Jahre lang die Natur, schrieb alles auf und brachte dann seinen Kalender mit seinen Vorhersagen heraus, der allerdings, so vermerkt der Abt im Vorwort, nur für das Land Franken gültig sei. Einige Jahre nach Knauers Tod entdeckte der Arzt Christoph Hellwig aus Tennstedt in Thüringen das Potential, das in einem solchen Regelwerk steckt. Er erfand das Wort vom Hundertjährigen Kalender und gab im Jahr 1700 Knauers Buch neu heraus. Das Buch wurde ein Bestseller, würden wir heute sagen, was wohl auch daran lag, dass Hellwig alle lateinischen Ausdrücke des Abtes ins Deutsche übersetzt und den Hinweis, dass der Kalender nur für Franken gelte, gestrichen hat. Auch wenn die Naturwissenschaftler von Anfang an diese Vorhersagen als Aberglauben abtaten, dem Vertrauen in Bauernregel tat das keinen Abbruch.

Was der 100 jährige Kalender allerdings nicht verrät, ist der Ursprung des Namens „Siebenschläfer“. Er hat nichts mit dem gleichnamigen Tier zu tun, sondern mit den sieben jungen Christen, die sich während der Christenverfolgung durch Kaiser Decius im Jahre 251 in eine Höhle bei Ephesus flüchteten. Sie wurden entdeckt und lebendig eingemauert. Doch sie starben nicht, sondern schliefen friedlich bis sie entdeckt wurden und am 27. Juni 446 wieder aufwachten – so die Legende. Die frommen sieben Schläfer hießen Constantinus, Dionysius, Johannes, Malchus, Martinianus, Maximinianus und Serapion und gelten übrigens als Schutzpatrone gegen Schlaflosigkeit.

Wenn Ihnen also heute das Wetter nicht zusagt, warten Sie einfach bis Anfang Juli.

Bleiben Sie neugierig

go

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