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Aufgelesen: Paracetamol – Harmlos ist die Pille nicht!

Das sollten Sie wissen! Denn normalerweise geht man davon aus, dass ein Mittel, das ohne Rezept zu haben ist, auch einigermaßen unverdächtig ist bezüglich seiner Nebenwirkungen.
Ganz nebenei: Arzneimittel haben immer „Neben“wirkungen. Deshalb hat es sich auch durchgesetzt, dass es „unerwünschte“ Wirkungen sind, die gemeint sind. Also solche, über die man unbedingt informiert sein sollte.

Aber zurück zu Paracetamol: Vermutlich haben Sie es bislang ziemlich bedenkenlos geschluckt, wenn Sie unter Schmerzen und Fieber litten. Dass der Wirkstoff hilft, ist anerkannt – das ist nicht das Problem. Das Prparacetamoloblem ist die Dosierung bzw. die Folge, wenn das Mittel überdosiert wird. Sie sollten sich also streng daran halten, was der Beipackzettel aussagt. Denn gerade bei freiverkäuflichen Mitteln besteht die Neigung, es öfter zu nehmen als vorgesehen, weil man eine schnellere Wirkung erwartet.

Was passiert bei Überdosierungen? Man hat festgestellt, dass Paracetamol ab einer bestimmten hohen Dosis eine hohe „Lebertoxizität“ aufweist. Das Mittel wird dann anders im Körper verstoffwechselt (metabolisiert) als bei normaler Dosierung und greift massiv die Leberzellen an. Das Risiko verstärkt sich, wenn es wiederholt angewendet wird. Das gilt besonders bei Kindern (also mit den Eltern absprechen, wenn Sie Ihre fiebergeplagten Enkelkinder betreuen) und auch wir, die Älteren, sollten achtsam sein, denn im Alter werden die Wirkstoffe im Körper anders verarbeitet.
Alkohol ist ein weiterer Faktor, der die Toxizität drastisch erhöht (Alkohol und Medikamente – das geht natürlich auch sonst nicht!). Auch die Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln kann eine Überlastung des „normalen“ Stoffwechselweges verursachen und zur Lebertoxizität führen. Fragen Sie Ihren Apotheker!

Die Folge dieser überschießenden Wirkung sind dramatisch: akutes Leberversagen (d.h. die Leber zerfällt), beginnend mit Verdauungsstörungen bis hin zum klinischem Leberversagen und Koma. Die Spanne zwischen diesen Folgen und der Möglichkeit, rettend in der Klinik mit einem Gegenmittel einzugreifen, beträgt nur zwei Tage. Danach bleibt nur noch die Hoaspirin3JPGffnung auf eine Lebertransplantation. Erschwerend kommt hinzu, dass Sie sich am ersten Tag nach der Einnahme noch wunderbar fühlen, also im Grunde ein Tag für Ihre Rettung verloren ist.

Wegen dieser Erkenntnisse gibt es nicht wenige Experten, die das Mittel aus der Rezeptfreiheit herausnehmen wollen. Schon 2009 wurde die Packungsgröße reduziert, vielen Ärzten reicht das aber noch nicht. Manche gehen sogar so weit, zu sagen, dass der Wirkstoff niemals hätte eine Zulassung bekommen dürfen. Und auch heute keine mehr bekommen würde. Allerdings aspirin2gilt das auch für manche anderen Arzneimittel wie z.B. die Acetylsalicylsäure („Aspirin“). Auch sie wird heute auf Grund der lang anhaltenden gerinnungshemmenden Wirkung (mit der Folge von Blutungsneigung, was bei Operationen ein Nachteil ist) bei der Schmerzbehandlung eher kritisch gesehen. In geringer Dosis (100 mg) allerdings ist es als Prophylaxemittel gegen Herzinfarkt und Schlaganfall immer noch eine gute Empfehlung.

Das war es, was ich für Sie „aufgelesen“ habe und was Sie, wie ich meine, wissen sollten. Für sich selbst und für Ihre Familie.

Halten Sie sich also an den Beipackzettel und mir bleiben Sie vielleicht gewogen?!

I.B.F.

Quelle: FAZ 17.06.2015

Foto (c) go

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