Berlin ab 50…

… und jünger

Gute Zeiten – schwere Zeiten

Jungbrunnen1

Der Jungbrunnen (Ausschnitt) von Lucas Cranach d.Ä.

Die mittlere Lebenserwartung im EU-Europa wächst statistisch gesehen jährlich um drei Monate. Im Jahr 2009 lag sie für Frauen bei 82,6 Jahren und für Männern bei 76,6 Jahren (Statistiker berechnen dies immer jeweils bei Geburt). Interessanterweise bestehen zwischen den Mitgliedsstaaten erhebliche Unterschiede. Diese hoffnungsvolle Nachricht ist allerdings nur eine statistische Größe, die eine altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeit beschreibt. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass die Zunahme der Lebenserwartung auch mit einer Verlangsamung des physiologischen Alterns einhergeht. Die wesentlich wichtigere Frage ist daher, ob die gestiegene Lebenserwartung auch bei guter Gesundheit erlebt wird.

Daher hat die EU hat eine Erhebung der „Gesundheitserwartung“ durchgeführt. Für die statistische Erfassung von Erkrankungen hat sie dazu Indikatoren eingeführt, die gesunde Lebensjahre – auch „behinderungsfreie Lebenserwartung“ genannt – im Alter messen soll. Diese Indikatoren werden für Männer und Frauen getrennt berechnet. Nun hat die Auswertung für 2012 gezeigt, dass für Männer die Zahl der gesunden Lebensjahre bei 61,3 und für Frauen bei 61,9 liegen wird.

Der Jungbrunnen (Ausschnitt) von Lucas Cranach d.Ä.

Der Jungbrunnen (Ausschnitt) von Lucas Cranach d.Ä.

Vergleicht man nun diese beiden Werte – Lebenserwartung vs. gesunde Lebensjahre – so wird die erhebliche Differenz bei beiden Geschlechtern deutlich. Frauen im EU-Europa werden zwar im Schnitt sechs Jahre älter, aber ihre „gesunden“ Jahre sind nur unwesentlich länger als die ihrer männlichen EU-Bürger. Frauen „bezahlen“ also ihre längere Lebenserwartung mit Alterserkrankungen wie Diabetes, Osteoporose oder Demenz und Aktivitätseinschränkungen.
Eine Analyse von EUROSTAT, bei der die gesunden Lebensjahre beider Geschlechter im Alter von 65 (also nicht bei der Geburt wie bei den anderen Erhebungen) miteinander verglichen wurden, zeigt, dass 2012 in neun EU-Mitgliedstaaten die Männer davon ausgehen konnten, länger gesund zu bleiben als Frauen. Dies gilt insbesondere für Zypern, Griechenland und Portugal. Hier konnten Männer erwarten, mindestens ein Jahr länger ohne Beeinträchtigungen zu leben als Frauen.

Eine Ursache für die kürzere Lebenserwartung von Männern und die zugleich längere Zahl gesunder Lebensjahre könnte sein, dass Männer eher unter Krankheiten leiden, die schneller zum Tod führen. Zudem hören Frauen sensibler in ihren Körper hinein, während Männer z.B. Vorsorgeuntersuchungen vernachlässigen und nur ungern zum Arzt gehen. Die geringere mittlere Lebenserwartung von Männern hängt nachweislich mit deren risikoorientierten Lebensstil zusammen: Rauchen, Alkohol, riskante Sportarten, wesentlich höhere Suizidanfälligkeit. Nun kann man anhand der Statistiken beobachten, dass sich in den letzten Jahren die männlichen Lebenserwartung an die der Frauen annäherte. Entweder leben also Männer länger oder Frau kürzer. Hat das emanzipatorische Gründe? Tatsache ist, dass Frauen heute mehr rauchen als noch vor 40 Jahren und vielleicht auch mehr Mut zum Risiko – zum Beispiel beim Sport – haben.

Die erheblichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen (Gesundheitsausgaben) einer immer älter werdenden und dabei gleichzeitig multimorbiden Bevölkerung waren 2011 Auslöser für das Pilotprojekt der Europäische Innovationspartnerschaft „Aktives und gesundes Alter„. Das Ziel ist, die durchschnittliche Zahl der gesunden Lebensjahre in Europa bis 2020 um zwei Jahre anzuheben. Denn nur so kann die Lage des Einzelnen verbessert, die Teilnahme am öffentlichen Leben – auch am Berufsleben – länger ermöglicht und die öffentlichen Gesundheitsausgaben zurückgedrängt werden.

Wichtig ist die Schaffung einer zukunftsfähigen „Kultur des lebensbegleitenden aktiven Alterns“, indem die rasch wachsende Bevölkerungsgruppe der derzeit Ende 50jährigen gute Beschäftigungsmöglichkeiten hat und sich aktiv an Gesellschaft und Familie beteiligen kann. Wesentlich zur Erhaltung der geistigen und körperlichen Gesundheit tragen zum Beispiel das ehrenamtliche Engagement, lebenslanges Lernen, Kultur und Sport bei.

Da sind Sie, liebe Leser, bei unserem Blog „Berlinab50“ genau richtig! Vielleicht können und mögen Sie uns mit Ihrer Kreativität unterstützen und etwas für den Blog schreiben. Denn sie wissen ja, die guten Zeiten zählen in der Lebenserwartung besonders!!

Wir hören hoffentlich von Ihnen.

mw

Fotos (c) mw

Wenn Sie nachlesen wollen, hier der Link zu den Statistiken über gesunde Lebensjahre
http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Healthy_life_years_statistics/de
http://ec.europa.eu/health/indicators/healthy_life_years/index_de.htm

Ein Kommentar

  1. I.B.F.

    Es lohnt sich, einen Blick auf eine weitere Tatsache zu lenken, die die Hoffnungen auf eine längere gesunde Lebensphase einschränken könnte: Die Spanne des „biologischen Alters“ ist bereits in jungen Jahren (!)sehr unterschiedlich; der Alterungsvorgang läuft keineswegs linear ab. Das Tempo von Abbau und Verfall hat eine große Variationsbreite, die man erst jetzt durch neueste Daten herausgefunden hat. Bei manchen Menschen ist es tatsächlich so, dass das biologische Alter mit dem kalendermäßigen übereinstimmt. Der Idealfall! Nur sind von dem viele Menschen entfernt. Sie altern hingegen um drei Jahre pro Kalenderjahr. So z.B. ist eines der Ergebnisse dieser Untersuchungen, dass die rund 31 Jahre alten Untersuchten ein biologisches Alter von 28 und 61 Jahre aufweisen.
    Die Hoffnung – die boten die Forscher auch: Nur etwa 20 Prozent der Alterungsvorgänge sind genetisch bedingt. Man kann also viel tun, um einige gesunde Jahre hinzuzugewinnen. Wie das geht? Wenn Sie mögen, können Sie das in dem Buch nachlesen: Das Geheimnis des menschlichen Alterns. Autor: Björn Schumacher (Blessing Verlag, 19,99 Euro)
    I.B.F.

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