Berlin ab 50…

… und jünger

Die Sonnenschutzfehler der Vergangenheit …

 

Jetzt scheinen sie sich zu rächen …

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Lichtschutzfaktor – ob 15, 30, 50 oder wie hoch auch immer – in unserer Jugend und Kindheit war dieser Begriff noch nicht im kollektiven Bewusstsein. Zumindest nicht in meiner Jugend die zwischen 1944 und etwa 1965 stattfand (zählt man mit rund 20 noch zur „Jugend“?). Ganz im Gegenteil: Je gebräunter umso schöner – dachte man, dachte ich damals. Und ich erinnere mich noch gut, mit welch unglaublichen Tricks und Tipps ich versucht habe, noch ein bisschen brauner zu werden. Im Nachhinein: zum Schämen!

Eine Entschuldigung immerhin gibt es: Erst Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts (etwa 1963) entdeckten Wissenschaftler, dass UV-Strahlen zu Erbgutveränderungen und damit auch zu Krebs führen. Und es dauerte noch weitere Jahre, bis diese Erkenntnis praktische Folgen hatte: Die Lichtschutzfaktoren wurden immer genauer erforscht und umgesetzt, indem die unterschiedlichsten Lichtschutzcremes – für alle Typen – auf den Markt gebracht wurden.

sonnencremes

(c) I.B.F.

Die Vorstellungen, dass Bräune Gesundheit und Attraktivität bedeuten, begannen zu bröckeln – in anderen Ländern war das schon immer verpönt und ist es noch. Aber verschwunden ist das Ideal einer rundum gebräunten Haut noch immer nicht – jetzt wird sie künstlich erzeugt und das Gefahrenpotenzial ein wenig verschleiert.

Was aber bleibt, ist, dass unsere, meine Generation der 50- bis 70-Jährigen, wohl die Generation sein wird, bei denen der durch Sonneneinstrahlung hervorgerufene Krebs ein ernsthaftes Risiko sein könnte. Denn nicht nur sind wir am wenigsten geschützt, es kommt hinzu, dass Hautkrebs im höheren Alter eher zunimmt.

Es gibt zwei Arten, die uns gefährlich werden können: Zum einen ist es der „schwarze Hautkrebs“, das maligne Melanom; von ihm sind die 40- bis 50-Jährigen am ehesten bedroht (die Deutsche Krebshilfe hat errechnet, dass sich die Zahl dieser Erkrankten alle zehn Jahre verdoppelt- das klingt nicht gut, wie ich finde).
Mich als über 70-Jährige würde eher der „weiße Hautkrebs“ treffen, der wiederum in zwei Arten auftritt: als Basalzellkarzinom und als Plattenepithelkarzinom.

Ich will an dieser Stelle nicht die beiden Krebsarten beschreiben. Es geht mir vielmehr um eine dritte Form, die noch häufiger auftritt, d.h. weit verbreitet ist. Und meistens nicht beachtet wird. Oft zu Recht, sieht man einmal davon ab, dass die betroffenen Stellen nicht sehr gut aussehen. Diese dritte Form ist die „aktinische Keratose“ („Licht-Keratose“. Aktis bedeutet so viel wie Strahl, aktinisch also durch Strahlen hervorgerufen). Wenn sich Ihre Haut zum Beispiel im Gesicht, an der Stirn, an den Händen rau und verhornt anfühlt, wenn sich rötliche umgrenzte Stellen zeigen, die sich verhärten, dann liegt es nahe, dass Sie an dieser Art von Hautkrankheit leiden. In den meisten Fällen ist diese Form harmlos, aber in immerhin rund 6 Prozent der Fälle kann daraus ein Plattenepithelkarzinom entstehen. Es gibt noch differenziertere statistische Berechnungen, aber was hilft es im konkreten Einzelfall diese Wahrscheinlichkeiten zu kennen? Wichtig ist allein die Tatsache, dass Sie eine aktinische Keratose untersuchen lassen und regelmäßig beobachten sollten. Denn sie kann gut und effizient behandelt werden. Als derzeitiger Standard gilt wohl die photodynamische Therapie (PDT). Hautkrebs, früh erkannt, ist im Allgemeinen als gut behandelbar einzustufen. Auf den Zeitpunkt kommt es an. Wie so häufig!

sommer

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Ein letzter – ganz wichtiger – Hinweis: Seit 2008 wird die Hautkrebsfrüherkennung von den Krankenkassen bezahlt – einer der Fälle, bei denen auf Erkenntnisse der Forschung mit Vorsorgemaßnahmen sinnvoll reagiert wurde. Diese Vorsorge-Erstattung gilt ab dem 35. Lebensjahr und zwar alle zwei Jahre (auch eine Botschaft für Ihre Kinder!).

Was dieser Beitrag aber ganz gewiss nicht erreichen will: Ihnen die Freude an einem schönen Sonnentag nehmen! Gut geschützt mit (Stroh-)Hut (eh‘ zurzeit die große Mode), mit Shirt (gibt’s mit UV-Filter) und Creme mit Sonnenschutzfaktor mindestens 30 können Sie den Sommer genießen. Wenn es nicht gerade Rekordhitze-Tage sind. Berlin war – gefühlt – ziemlich nah „dran“.

Bleiben Sie mir gewogen!

I.B.F.

Quelle: FAZ vom 5.7.2015, Wikipedia

 

2 Kommentare

  1. Isolde

    Wieder ein solch interessanter Artikel mit Fotos bestückt, die einen die Lust am Sommer erhalten, trotz der Gefahr!

  2. Peter

    Von aktinischen Keratosen kann ich ein Lied singen. In den letzten 20 Jahren habe ich alle Behandlungsformen ausprobieren „dürfen“, ob chirurgisch, mit Laser oder mit verschiedenen Salben. Unerklärlicherweise bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Laserbehandlung, die sich in meinem Fall als die wirksamste erwiesen hat. Letztere leider mit vielen hundert Euro aus eigener Tasche bezahlt. Ich kann nur jedem jüngeren Menschen raten, sich vor UV-Strahlung zu schützen und auf das „Sonnenbaden“ zu verzichten. Die Rechnung bezahlt man, wie beim Rauchen, später im Leben.

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