Berlin ab 50…

… und jünger

Aus der Geschichte der „Platte“ – Teil 3/ Johannisthal

Experimentalbau Engelhardtstrasse

In Johannisthal bei Berlin begann zwischen 1909 und 1914 die deutsche Engelhardtstr.Motorfluggeschichte. Hier befand sich der erste deutsche Flughafen. Nach einem Pionier der Luftfahrt, der 1911 tödlich verunglückte, ist die Engelhardtstrasse in der Nähe des Segelfliegerdamms benannt. In der Straße Nummer 11 und 13 fällt ein dreistöckiges Haus mit neoklassizistischer Fassade auf. Es ist der „Urahn“ der DDR-Platte, der 1953 als Experimentalbau errichtet wurde.

Doch von Anfang an: erste Planungen zum industriellen Wohnungsbau begannen in der DDR schon 1953, also bereits ein Jahr vor Chruschtschows Rede auf der Moskauer Allunionskonferenz, in der er die Abkehr vom Zuckerbäckerstil MoskauBaustil des sozialistischen Realismus Stalin‘scher Prägung und die Industrialisierung des Bauens forderte. Im sog. „Zuckerbäckerstil“,  in dem auch die ehemalige Stalinallee im Friedrichshain entstand, wurde herkömmlich in „Stein-auf-Stein“ Ziegelbauweise gemauert. Durch die zum Teil ausufernde Ornamentik, meist im „nationalen Stil“, verselbstständigte sich die Fassade von der strukturellen Logik des Bauwerks.

Im kriegszerstörten Deutschland wurde die Einführung der industriellen Plattenbauweise, die international bereits u.a. in den USA, Frankreich und in den Niederlanden im Wohnungsbau Einzug gehalten, aufgrund der Dringlichkeit der Lösung der Wohnungsfrage notwendig. In den 50iger Jahren entstanden in Westdeutschland bereits erste Großsiedlungen. In der DDR wurden vor 1953 ca. 70 Pilotprojekte mit industriell vorgefertigten Bauteilen errichtet, so z.B. die unter Verwendung von Stahlbetonfertigteilen gebauten Hochhäuser „Haus des Kindes“ und „Haus Berlin“ am Straußberger Platz in Berlin.

Das wichtigste Beispiel für die Bemühungen der DDR-Architektur um eine Industrialisierung des Bauens bei gleichzeitiger Einhaltung der „nationalen Engelhardtstr. 2Form“ ist allerdings der Experimentalbau in der Engelhardtstrasse, den die Deutsche Bauakademie 1953 nach dem Entwurf eines Kollektivs um Richard Paulick (1903-1979, u.a. Architekt des Wiederaufbaus der Staatsoper) errichten ließ. Es war das erste Wohnhaus in Plattenbauweise der DDR. Allerdings wurde die Plattenbauweise durch Putz verborgen und auch die architektonisch- historisierende AusschmEngelhardstrasse 3ückung (Schinkel!) versuchte alles, den Plattenbau vergessen zu machen. In miniaturisierter Form finden sich dann allerdings die „Platte“ symbolisch in den Reliefs wieder.

Engelhardstr. 4Die erste ausschließlich industriell errichtete Stadt in der DDR war Stalinstadt/Eisenhüttenstadt, die ab 1955 errichtet wurde und in der die architektonischen Formen im Vergleich zum Johannisthaler Versuchsbau deutlich nüchterner waren und sich zunehmend in eine städtebauliche Str5 Engelhardstr.uktur einpassten, die einen industrialisierten Bauablauf erleichterten. Die erste zentrale Plattenbau-Serie „P1“ fußte auf den ersten Typisierungserfahrungen von Eisenhüttenstadt.

Und die letzte Folge führt uns wieder nach Lichtenberg- zum Experimentalbau der Plattenbauserie „P2“.

Bleiben Sie dabei –

Ihr mw

Fotos (c) mw

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