Berlin ab 50…

… und jünger

Lieber den Spatz in der Hand….

 

…als die Taube auf dem Dach. An dieses Sprichwort musste ich denken, 1-IMG_8329als ich unlängst in München kaum Spatzen in den Grünanlagen sah. In grünen Gegenden Berlins sind sie ja noch in Scharen anzutreffen, immer laut tschilpend, gesellig und frech beim Erjagen von „Beute“.
Der Spatz war Vogel des Jahres 2002 und das hatte seinen Grund: in den Großstädten hat sich der Bestand dramatisch verringert. Ein „Spatzentrupp“ in Münchens Innenstadt besteht nur noch aus drei Spatzen und das ist deutlich an der Lautstärke zu merken. Als Ursache werden vom NABU die durch Sanierung verschwundenen Nistplätze und die „Überpflegung“ der Grünanlagen durch Beschnitt von Büschen und Unkrautbeseitigung vermutet. Eben Münchner Schick. Da ist in Berlin beim derzeitigen Zustand der öffentlichen Grünanlagen keine akute Gefahr zu erwarten.

Der gute Spatz, in wie vielen Redensarten steckt er. Sein Sandbad als Körperpflege zur Abwehr von Parasiten führte zum „Dreckspatz“, posit1-IMG_8339iv dagegen die „Spatz“ Benennung von Kind oder Partner. Manche schießen mit „Kanonen auf Spatzen“, andere vermuten ein „Spatzenhirn“ bei ihrem Vorgesetzten. Bei schwierigen Entscheidungen erinnern sich viele Mitmenschen an eines der bekanntesten deutschen Sprichwörter „Lieber den Spatz in der Hand…..“, da macht die Inanspruchnahme eines kleinen, aber sicheren Vorteils gegenüber der ungewissen Aussicht auf einen Großen den Spatz in der Hand wertvoller als die unerreichbare Taube auf dem Dach. Der Ursprung des Sprich1-IMG_8342wortes wird kontrovers diskutiert, angeblich geht er auf die Bibel (Lukas 12, 6-7) zurück: „Kauft man nicht fünf Spatzen für zwei Groschen? Und doch kümmert sich Gott um jeden Einzelnen von ihnen. Doch bei euch ist sogar jedes Haar auf dem Kopf gezählt. Habt keine Angst: Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Schwarm Spatzen“.
Mozart scheint auch von Spatzen beeindruckt gewesen zu sein, denn eine charakteristische Violin-Figur im Allegro des Sanctus und des Benedictus brachte der unter KV220 verzeichneten festlichen Messe den Titel „Spatzenmesse“ ein. Und wo Mozart ist, darf der Altmeister Goethe nicht fehlen (was immer er uns damit sagen wollte):

Weiß denn 1-IMG_8153der Sperling,
wie dem Storch zumute sei,
der Tiger, der dem Hirsch
begreiflich machen will,
wie köstlich es ist, Blut zu schlürfen.
J.W.Goethe (Maximen und Reflexionen)

 

Und für alle, die noch ein paar Fakten benötigen, hier in Kürze das Wesentliche:
Passer domesticus (Linnaeus, 1758), der Haussperling, hat im Gefolge des Menschen alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis besiedelt. Er fehlt lediglich in Teilen Nordsibiriens und Chinas, in Japan, Südost-Asien, im tropischen Afrika, in IMG_4932West-Australien, sowie in den größten Teilen Amazoniens. Der Haussperling ist ein typischer Kulturfolger mit einer auffälligen Bindung an menschliche Lebensräume. Pro Jahr werden drei Bruten zwischen Mai und August aufgezogen. Die Gelegegröße liegt bei vier bis fünf Eiern. Die mittlere Brutdauer beträgt 15 Tage. Für den Haussperling als frei lebende, europäische Vogelart gelten in Deutschland ganz besonders strenge Schutzbestimmungen.

Freuen Sie sich über die lärmenden Spatzen, anderswo ist leider schon Stille!

Bleiben Sie dabei!

Ihr mw

alle Fotos (c) mw

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