Berlin ab 50…

… und jünger

Des Drogenhändlers Kundenwerbung

KundenwerbungNeulich sah ich auf dem Trödelmarkt ein altes Buch mit dem Titel „Des Drogenhändlers Kundenwerbung“. Neugierig geworden, dachte ich zuerst an eine frühe Form der Marketing-Weiterbildung für die Jungs vom Görli, denn Drogen waren im Deckblatt_KundenwerbungBerlin in der 1.Hälfte des 20. Jahrhunderts auch schon beliebt. Aber nein, es ging, wie ich nach dem Erwerb feststellen konnte, nicht um Rauschmittel, sondern um die Weiterbildung des Drogisten in den neuen Methoden der Licht- und Schaufenstergestaltung um 1930, um Drogerien-Marketing also.

Als Kind habe ich neben einer DekobeipielFachdrogerie gewohnt, mit Kaltmangel und Kräutergeruch und einem strengen älteren Herrn, der in den (Un-) Tiefen seines Geschäfts erstaunliche Sachen wie Mausefallen und Kreide vorrätig hielt. Solche eigentümlichen Geschäfte gibt es (fast) nicht mehr und der Beruf des Drogisten hat seine einstige Attraktivität lange schon verloren.

Drogerie

Drogerie in Wittstock, ca. 1930

Gab es 1975 in der Bundesrepublik noch 15 000 Fachdrogerien, waren es bereits 1981 nur noch 7.500. 2005 gab es im vereinigten Deutschland 3750 Fachdrogerien, 2009 noch 2400, heute dürften es unter 1000 sein. Totengräber der Fachdrogerien waren Anfang der siebziger Jahre die entstehenden Discounter, wie „Drospa“ (eine Berliner Gründung, Drogisten aus Spandau), Schlecker und „Ihr Platz“ oder „Idea“ (Rewe), später dm und Rossmann sowie die Aufhebung der Preisbindung für Drogerieprodukte. Drogeriemärkte verzichteten allerdings auf beratungsintensive Produkte wie Chemikalien und Fotozubehör, so dass eine Nische blieb. Auch drängten immer mehr Apotheken in den lukrativen Kosmetikmarkt der Drogerien, so dass das Drogerien-Sterben nicht aufzuhalten war.

LateinHeute gibt es den dreijährigen Ausbildungsberuf nach dem Realschulabschluss, der mit einer Prüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer endet. Interesse an Biologie, Chemie, Schönheits- und Gesundheitsthemen wird vorausgesetzt. Drogisten und Drogistinnen finden Beschäftigung im Einzelhandel in Drogerieabteilungen von Kaufhäusern oder Supermärkten sowie in den Drogeriemärkten, aber auch im Großhandel für kosmetische Erzeugnisse und Körperpflegemittel oder pharmazeutische Produkte. Waren es in den 90er Jahren bundesweit nur 200 Auszubildende, stiegen in den letzten Jahren die Zahlen wieder an. 2012 waren es bereits 1200 Ausbildungsverhältnisse. Für 2015 kündigte allein die Drogeriemarkt-Kette dm 1700 neue Ausbildungsplätze für Drogisten an.Meiningen (118)

Ach, ich vergaß noch zu erzählen, dass ein Mitinteressent beim Kauf des Buchs Abstand vom Kauf nahm, nachdem er reingeschaut hatte. Er suchte vermutlich Fachliteratur für das Lieblingsprojekt seiner Kreuzberger Bürgermeisterin – den Coffeeshop.

Bleiben Sie dabei!

Ihr mw

Alle Fotos (c) mw

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