Berlin ab 50…

… und jünger

Die Generation 65+ und die Statistik

Lechners Alltagsfiguren

„Alltagsmenschen“ von Christel Lechner

Unter dem Thema „Gute Zeiten – schwere Zeiten„ habe ich im Blog am 10. Juli über Ergebnisse von Untersuchungen zur Lebenserwartung und zur Gesundheitserwartung der EU-Statistikbehörde berichtet. Am 29.Juli 2015 hat nun auch das Statistische Bundesamt eine Studie zur „Generation 65+ in Deutschland„ vorgestellt.

Die Studie versucht, die Lebenswelten älterer Menschen an Hand von Daten unterschiedlichster Erhebungen zu beschreiben. Dazu zählten der „Mikrozensus“ (statistische Erhebung, bei der nach bestimmten Zufallskriterien ausgewählte Haushalte befragt werden), Private Haushalte in der Informationsgesellschaft (IKT), die Zeitverwendungserhebung sowie Statistiken zu Sozialleistungen, Bildung, Verkehrsunfällen, Krankenhäusern und Pflege.

Die "Alltagsmenschen" von Christel Lechner im Park von Schloss Lichtenwalde.

„Alltagsmenschen“ von Christel Lechner

Danach waren von den Ende 2013 in Deutschland lebenden 81 Millionen Menschen 17 Millionen 65 Jahre oder älter. Damit gehörte ungefähr jeder Fünfte in Deutschland (21 %) zur Generation 65+. Nur Italien hat einen höheren Anteil. Im Jahr 2060 wird nach Berechnungen bereits jeder Dritte (33 %) in Deutschland mindestens 65 Jahre alt sein. Das es Ende 2013 mehr ältere Frauen (57%) als Männer (43 %) gibt, ist nicht überraschend. Über die Ursachen habe ich bereits berichtet. Nach der allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 für Deutschland haben 65-jährige Männer eine noch verbleibende Lebenserwartung von 17 Jahren und 6 Monaten. 65-jährige Frauen können statistisch gesehen mit weiteren 20 Jahren und 9 Monaten rechnen. Die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern zeigt sich in der hohen „ Alleinlebendquote“ der Frauen mit steigendem Alter.

Lechners Alltagsmenschen 4

„Alltagsmenschen“ von Christel Lechner

Veränderungen gegenüber früheren Erhebungen sind besonders in der Erwerbstätigkeit älterer Menschen zu sehen. Waren 2005 nur 6 % der 65-69 -Jährigen erwerbstätig, so gingen 2014 schon  14 % wieder einer Erwerbstätigkeit nach, davon fast 40% Selbstständige. Bei den Nicht-Selbstständigen stellt sich die Frage, ob es sich um ein regulär sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis oder um einen „Minijob“ zum Aufbessern der Rente handelt. Soziologen beobachten in diesem Zusammenhang eine zunehmende Diskreditierung des Ruhestands, da in politischen Statements eine Leistung der Rentner für die Gesellschaft eingefordert wird (so wird im 6.Altersbericht der Bundesregierung 2010 davon gesprochen, dass Ältere die Pflicht haben, der Gesellschaft etwas zurückzugeben). Rentner werden als kostenlose Ressource („Ehrenamt“) angesehen, während parallel sozialpolitische Leistungen und öffentliche Infrastruktur für Rentner (Seniorenclubs!) zurückgefahren werden. Also eine zweischneidige Sache, einerseits erhält ehrenamtliches Wirken jung, andererseits zieht sich der Staat aus diesen öffentlichen Aufgaben zurück und spart Personal. Das steht natürlich nicht so in der Studie!

Und weiter aus dem Reich der Zahlen: Bei den 60- bis 64-Jährigen, also den Jahren vor dem regulären Renteneintritt, war 2014 mehr als die Hälfte (52 %) erwerbstätig. 2005 lag dieser Anteil nur bei 28 %. Die wirtschaftlich gewollten Frühverrentungen sind schon über 10 Jahre Geschichte. 2007 wurde die Anhebung des Renteneintrittsalters beschlossen:

"Alltagsmenschen" von Christel Lechner

„Alltagsmenschen“ von Christel Lechner

„Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung“ –  der Titel sagt alles. Der Bericht beschreibt auch die wachsende Armutsgefährdung älterer Frauen. Insgesamt waren 2013 – unabhängig vom Geschlecht – 14,9 % der Generation 65+ armutsgefährdet. Damit lag deren Quote unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung von 16,1 %. Als armutsgefährdet gelten in Deutschland Personen, deren Nettoeinkommen einschließlich staatlicher Transferleistungen geringer als 979 Euro im Monat beträgt. Der Anteil der Empfänger_innen von Grundsicherung stieg seit 2003 um fast 100%!  Zum Jahresende 2003 hatten lediglich 257 734 Personen in diesem Alter Grundsicherungsleistungen erhalten. Dies entspricht einem Anstieg vom 93,7%.  2013 waren 3% (497.433) ältere Frauen und Männer auf die Grundsicherung angewiesen, 2014 bezogen 512.262 von geschätzt 16,60 Millionen Senioren staatliche Unterstützung (Steigerung auf 3,1 %). Die Auswirkungen der diversen Rentenkürzungen dürften sich aber erst ab 2030 in vollem Umfang zeigen.

Alltagsmensch

„Alltagsmenschen“ von Christel Lechner

Viele Zahlen und viele unterschiedliche Bewertungen durch Soziologen, Alternsforscher und Interessenverbände nach Erscheinen der Studie. Und wenn sie diesen Beitrag lesen und der Generation 65+ angehören, gehören sie zu den 45 % der Senioren, die das Internet nutzen. Dabei sind Männer ab 65 Jahre mit 56 % deutlich häufiger online als gleichaltrige Frauen (36 %). Und noch etwas erfreuliches: drei Viertel der im Mikrozensus befragten 65+ Teilnehmer fühlten sich fit.

Und wenn sie nachlesen wollen, dann schauen bitte sie hier:
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2015/generation65/generation65_pk.html;jsessionid=B4773AAFE381DB8C32DB0F12D5759937.cae2

Bleiben Sie weiterhin dran!

Ihr mw

alle Fotos (c) mw –  Die „Alltagsmenschen“ von Christel Lechner standen im Park von Schloss Lichtenwalde.

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