Berlin ab 50…

… und jünger

Das Gaslaternen-Museum leuchtet nicht mehr! – Ein Nachruf

Sie erinnern sich vielleicht: Wir haben den Gaslaternen eine kleine Hommage gewidmet: im Januar  2015 unter dem Titel „Lilli Marleen“. Dabei ging es auch um das Gaslaternen-Museum im Tiergarten, gleich gegenüber dem S-Bahnhof, das schon – wir konnten es kaum glauben – seit 1978 existiert. Unsere späte Freude währte allerdings nicht lange.
Denn: Das Museum hat die Lichter löschen müssen! Die letzten Laternen werden in Kürze abgebaut.

Was bedegaslaterneutet, dass es in Berlin erst einmal kein Gaslaternen-Museum geben wird, obwohl unsere Stadt eine der wenigen war, die damit noch punkten konnte. Für Touristen war es eines der „must see“, zumindest für die, die sich nicht nur für Clubs und Szene interessieren. Aus und vorbei!

Warum das so ist? Die Erklärung, die für so viele Schäden und Verwüstungen an Baudenkmälern steht: Vandalismus! Blinde Zerstörungswut also. Gewalt gegenüber Kulturdenkmälern – die ganze Palette der Rohheiten, die überall in der Welt inzwischen ihren Schrecken verbreiten und vor nichts halt machen – sie sind auch hier, wenn auch im kleineren Maßstab, der Auslöser.
Es gibt allerdings noch einen zweiten Grund, der ebenfalls eine Rolle spielen könnte: Von Seiten des Senats wird mangelnde Wartung beklagt, und wenn der Verfall einmal sichtbar wird, dann ist es nicht mehr weit bis zur Zerstörung. Trotzdem kann das nicht als Entschuldigung herhalten für mutwillige Zerstörung und für Diebstahl.

Es waren einmal rund 100 Exemplare, die jeweils für deutsche und europäische Städte gaslaterne3standen – jetzt sind es noch knappe 20, die mehr oder weniger noch intakt sind. Oder andersherum: Etwa 80 Laternen sind beschädigt, zerstört, demontiert, gestohlen. Das heißt auch, dass Originalteile verloren gegangen sind und – wenn überhaupt an Wiederaufbau gedacht ist (siehe weiter unten) – nachgebaut werden müssen. Was nicht nur schwierig ist, sondern auch teuer.

Schon einmal, im Jahre 2008, gab es eine böse Attacke gegen die Laternen: Durch gezielte Steinwürfe wurden damals 19 Lampen zerstört. Für die damaligen Reparaturen vor Ort haben sich drei Unternehmen zusammengetan – was schon beachtlich ist – und das Museum wieder komplettiert.

Vergeblich, denn jetzt, nach dieser zweiten Zerstörung, ist an Wiederaufbau nicht mehr zu denken – die Schäden sind zu groß.

Immerhin: „Gegebenenfalls“ soll es an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden. Diskutiert werden zwei: die Schlossstraße in Charlottenburg und das Freilichtgelände am Technikmuseum. Mit dem letztgenannten kann ich mich gar nicht anfreunden – es ist nicht immer zugänglich und es fehlt ihm – nach meinem Gefühl – das notwendige Flair, in dem die Gaslaternen ihre Wirkung entfalten können.
gaslaterne4Die Schlossstraße – sie könnte ich mir gut vorstellen, vor allem angesichts der musealen Nachbarschaft. Das Gaslaternen-Museum dürfte ganz gewiss eine Bereicherung und – vielleicht – vor Vandalen besser geschützt sein. So weit so gut. Nur: Kommt es wirklich dazu und wenn ja, wann? Hoffentlich noch innerhalb der nächsten zehn Jahre! Ob ich später noch die Energie und Kraft habe, mir das anzuschauen – sicher bin ich nicht.
Ach ja, eine nach meinem Dafürhalten abstruse Idee wird hoffentlich verworfen. Auch wenn sie vom Vorsitzenden des Vereins „Gaslicht-Kultur“ kommt: um Mitternacht die Lampen auszuschalten. Die Begründung: Was nicht brennt, ist kein lohnendes Ziel für Vandalen. So sieht wohl Kapitulation aus. Und: Seit wann klappen die Berliner um Mitternacht die Bürgersteige hoch?

Trotz der traurigen Berichterstattung – mir bleiben Sie hoffentlich gewogen?

I.B.F.

Quelle: Tagesspiegel 17.8.2015

Fotos (c) P.M.B.

Ein Kommentar

  1. Das ist wirklich eine traurige Berichterstattung. Bei meinem letzten Besuch in Berlin habe ich diese herrlichen Laternen noch gesehen. Warum muss sich alles immer nur nach den Schädlingen der Gesellschaft richten? Gesetze und Regeln werden immer nur für sie gemacht und wir, die Nicht-
    Schädlinge in unserem Tun beschränkt.

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