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… und jünger

Kino-Tipp: THE LOOK OF SILENCE

Der Kino-Herbst startet mit vielen interessanten Filme, deshalb gleich noch ein dritter Tipp:

 

TLOS_Poster_Deutschland

offizielles Filmplakat

THE LOOK AUF SILENCE heißt der neue Dokumentarfilm vom Joshua Oppenheimer („The Act of Killing“), der heute am 1.Oktober 2015 in die Kinos kommt.

Werner Herzog, einer der ausführenden Produzenten, nennt das Werk „tiefgründig, visionär und überwältigend“, Errol Morris, der zweite Produzent, sagt, dass er „einer der besten und beeindrucktesten Dokumentarfilme aller Zeit (ist). Ein tiefgründiger Kommentar zur Natur des Menschen.“
Ein junger Mann, Adi, beschließt – gegen alle Vernunft – , die Täters des Genozid in Indonesien 1965/66 mit seinen Fragen nach dem Tod seines Bruders Ramli zu konfrontieren . Unvorstellbar in einem Land, in dem die Mörder noch immer an der Macht sind. Angst haben daher alle, Überlebende und ihre Angehörigen.

Ramli wurde zu einem Synonym für den Mord an mehr als einer Million Menschen. 1965 brachte die US-amerikanisch gestützte Suharto-Diktatur Kommunisten und kommunistische Sympathisanten in Konzentrationslager, bevor die Armee und zivile Todesschwadrone sie schließlich umbrachten.
Gemeinsam mit dem Filmemacher Joshua Oppenheimer versucht Adi die Mauer des Schweigens zu durchbrechen – und dies ist noch nicht einmal die größte Herausforderung. Denn die Täter sind eitel und stolz auf ihre Taten. Sie erzählen gerne und begeistert von ihrem Vorgehen, in allen Details, ohne Schuldgefühl, ohne Reflexion. Nur bei Wenigen kann mit sachlichen oder emotionalen, klugen oder direkten Fragen nach dem warum und wieso eine Reflektion ausgelöst werden.

Adi selbst scheint die Angst, unter der Angehörige und Nachfahren der Opfer bis heute leiden, überwunden zu haben. Adi und Joshua verbrachten viele Jahre, die Interviews mit den Tätern zu studieren. Sie wollten verstehen, wie es zu solchen Gräueltaten kommen konnte.

Mich hat der Film sehr beeindruckt, auch weil er die Fähigkeit des Menschen zur Grausamkeit als archetypisch aufzeigt. Nein, es ist kein „erbaulicher“ Film, sondern einer, der einem den kalten Schauer über den Rücken jagt , der unter die Haut geht und den man so schnell nicht vergisst.

go

2 Kommentare

  1. Kann nur jeden empfehlen den Film anzuschauen. Ist echt empfehlenswert.

    Gruß Sandra

  2. Thomas

    In diesem Fall ganz besonders wichtig sind die Hintergründe des Films. Und seine Rezeption in Indonesien, die – was Hoffnung macht – eine andere, offenere war als bei „The Act of Killing“. Was ich mich frage, ist, ob Oppenheimer den Begriff des „archetypisch“ akzeptieren würde. Wollte oder will er wirklich zeigen, dass die Taten aus dem unbewusst Bösen des Menschen entstanden sind? Dass es demzufolge kein „historisches Böse“ geben kann? Würde damit nicht eine Dimension, die Oppenheimer wichtig war fehlen? Ich bin im Zweifel?
    Thomas

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