Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt und aufgelesen: Alt und doch gesund …

… dieses Versprechen elektrisiert vermutlich fast jeden von uns, der die 60 oder 70 überschritten hat. Und alles, was in den Medien dazu gebracht wird, hat die gute „Quote“ fast von selbst.

Allerdings: Manchmal ist der Neuigkeitswert gleich Null. So geschehen in einem Artikel in der FAZ*:

Wer alt werden will, sollte weniger essen“.

Klingt bzw. klang für mich ziemlich interessant. Denn mit guten 70 denke ich schon darüber nach, wie es noch mehr Jahre werden können. Statistisch ist ja noch einiges möglich, wie der Beitrag von „mw“ „Die Generation 65+“ gerade ausführlich gezeigt hat (Beitrag vom 15.9.2015). Trotzdem: Ein Mensch ist ein Mensch, ist ein Mensch und keine statistische Größe. Also besser selbst schauen, wie man zu langem Leben kommt.

Mit dem eben erwähnten Artikel in der FAZ kommen Sie allerdings nicht viel weiter. Der Titel klingt noch ziemlich konkret und „zielgruppenbezogen“. Aber dann dies: Die erste bahnbrechende „Neuigkeit“ des darin interviewten Molekularbiologen ist folgende: Es habe ihn überrascht, wie sehr die Reduktion der Nahrungsmenge und eine erhöhte Langlebigkeit miteinander zu tun haben. Und weiter: Nach neueren Studien komme es vor allem auch auf die Zusammensetzung an.

Wissen wir das nicht schon längst? Handeln die unzähligen Artikel, Ratschläge und Leitlinien von etwas anderem als davon, dass weniger mehr ist und wie wir uns qualitativ gut ernähren sollen? Und das nicht nur unter dem Vorzeichen, alt zu werden, sondern schlicht um gesund zu bleiben. Im Artikel geht es dann weiter mit dem Sinn und Unsinn von Trennkost. Die natürlich unsinnig ist, weil die Behauptung, die ihr zugrunde liegt, wissenschaftlich nicht zu beweisen ist. Um Fett geht es natürlich auch: mit der „neuen“ Erkenntnis, dass es gute und schlechte Fette gibt. Auch das, so denke ich, ist in unseren Köpfen sehr wohl verankert. Neu ist die Sache gewiss nicht. Im Weiteren geht es um die Ernährung von Kindern. Ganz sicher eine wichtige Sache. Aber Kinder sind wir nun doch nicht mehr. Fleisch und Bio werden ebenfalls abgehakt, aber auch hier weiß ich nicht, was daran so neu sein soll, dass es einen langen Artikel rechtfertigt. Noch dazu mit dieser speziellen Überschrift!
Fazit: Was als neue Erkenntnis verkauft wird, hat keineswegs immer einen wirklichen Neuheitswert“

Ein zweiter Beitrag in der Süddeutschen** ist da schon interessanter. Die Überschrift: „Wischen macht schlapp“. Darin werden neueste Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) vermittelt. Und die sind einigermaßen alarmierend und deprimierend. Es heißt darin zwar einerseits: Unsere geistigen Fähigkeiten nehmen zu, d.h. die 50-bis 90-Jährigen sind geistig wacher und beweglicher, unsere Lernfähigkeit ist größer als die der Generation vor uns. Aber: Mit der körperlichen Fitness geht es bergab. Treppen zu steigen, Lasten zu tragen, Alltagsbesorgungen zu erledigen – das alles scheint uns schwerer zufallen als der Generation zuvor. Und daran ist nicht das Auto Schuld! Sondern? Die digitale Technik! Fast alles lässt sich inzwischen am Bildschirm erledigen. Und wie wir aus dem oben genannten Blogbeitrag gelernt haben, tun das mittlerweile 45% unserer Generation. Die Reise wird per Internet gebucht, das Buch bei Amazon & Co bestellt, Apps übernehmen diverse Lieferdienste, Kino lässt sich auch zu Hause veranstalten. Und wir – so schaut es aus – werden auch bald per Internet mit unserem Arzt verbunden sein.
Die Folge: Die körperliche Fitness bleibt auf der Strecke. Der Prozentsatz der Fettleibigkeit bei den Über-50-Jährigen liegt inzwischen bei 20 Prozent und die Demografen gehen von einem Ansteigen bis auf 40 Prozent aus. Innerhalb der nächsten 15 (!) Jahre, was in etwa unserer statistischen Lebenserwartung entspricht (steht auch im Blogbeitrag von mw)!
Weitere Folge: Da das Internet soziale Kontakte nicht gerade fördert, kommt es irgendwann zur Vereinsamung und noch schlimmer: Wir verlieren die Aufmerksamkeit der Mitmenschen. Wir verschwinden. Die Realität vergisst, dass es alte Menschen, also uns, gibt. Es wird auch vergessen, dass wir im Alter langsamer werden, dass unsere Bedürfnisse an Sicherheit, Rücksichtnahme zunehmen, dass wir Geduld brauchen.
Das Internet sollte nicht dazu dienen, diese sozialen Kontakte zu verdrängen. Nur weil wir es technisch könnten!.

Bleiben Sie Ihren alten Gewohnheiten treu, so lange es geht. Und mir gewogen!
I.B.F.

*FAZ vom 12.8.2015
**SZ vom 5./6.9.2015

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