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Filmtipp: DÜRRENMATT – Eine Liebesgeschichte.

offizielles Filmplakat

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DÜRRENMATT – Eine Liebesgeschichte

Ein Dokumentarfilm von Sabine Gisiger , Schweiz 2015
ab 5.November in den Kinos

So nah ich war Friedrich Dürrenmatt noch nie! An einem Sonntagvormittag wurde ich Zeuge seiner Lebensgeschichte – auf eine kurzweilige Art und Weise.

Die Schweizer Dokumentarfilmerin Sabine Gisiger, deren Eltern gut bekannt waren mit „Fritzi“ Dürrenmatt, hat nach ihrem erfolgreichen Fernsehfilm „Dürrenmatt im Labyrinth“ einen Kinofilm konzipiert. Und beschäftigt sich dabei noch mehr mit dem Universum des Menschen, Denkers, Schriftstellers und Malers Friedrich Dürrenmatt. Herausgekommen ist ein wunderbar humorvoller, intensiver Film – eine (im doppelten Sinne) Liebesgeschichte:

Im Zentrum des Films steht die bisher nie erzählte Liebesgeschichte von Friedrich Dürrenmatt und seiner Frau Lotti Dürrenmatt-Geissler. 40 Jahre lebten die beiden in einer engen Beziehung: Kein Werk, das er nicht mit ihr diskutierte, keine Probe, auf die sie ihn nicht begleitete. In späteren Jahren

© Henriette Grindat / Fotostiftung Schweiz

© Henriette Grindat / Fotostiftung Schweiz

wurde die Beziehung zunehmend schwieriger. Nach Lottis Tod 1983 stürzte Dürrenmatt in eine tiefe Krise ( „Wenn die Frau stirbt, führt das zu riesiger Verwirrung, man macht irrsinnig viel Blödsinn…“), aus der er sich mit einer neuen großen Liebe befreite – die Schauspielerin und Filmemacherin Charlotte Kerr wurde seine zweite Frau.

Dürrenmatt war einer, der gerne laut dachte, einer, der von sich behauptete, dass er nie verzweifle, weil er immer berauscht sei von den Möglichkeiten des Guten, des Bösen und des Verrückten, die es auf dieser Welt gebe. Seine Schwester Verena Dürrenmatt und seine Kinder Peter und Ruth erzählen erstmals von einer anderen, privaten Seite: für Dürrenmatt stellte Humor die einzige Möglichkeit dar, Distanz zu einer Welt zu nehmen, die er oft schwer ertrug. Aber wenn man die Wahl habe zwischen zwei Todesarten, so Dürrenmatt, solle man sich nicht zu Tode ärgern sondern zu Tode lachen.

Der Kinofilm folgt der Methodik, die der Schriftsteller in seinen Stoffen anwandte, in denen er selbst versuchte, sich und seinem Werk auf die Spur zu kommen: „Ein Einfall rief einen anderen, eine Erinnerung eine andere und eine Assoziation eine weitere hervor“. Diese assoziative Dramaturgie macht den Film spannend und höchst amüsant und der Zuschauer folgt ihm gerne durch das Leben Dürrenmatts und seiner Lotti.

Nach diesem Kinovormittag ging ich sofort an den Bücherschrank und begann Dürrenmatt mit viel Vergnügen neu zu lesen.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich!
go

 

Ein Kommentar

  1. Würde diesen Film zu gerne sehen, aber das nächste Kino, in dem er gezeigt wird, ist zu weit entfernt.

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