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Kiezgeschichten für Kenner

Zehlendorf Jahrbuch 2016: Kiezgeschichten für Kenner

Suchen Sie vielleicht eine kleine Aufmerksamkeit für einen Zehlendorfer, der sich für seinen Kiez, altmodisch: seine Heimat, begeistert? Oder Sie selbst sind neugierig auf Kiezgeschichten? Eine Empfehlung: Fast noch druckfrisch ist das soeben erschienene Zehlendorf Jahrbuch 2016. Es enthält 14 lesenswerte Beiträge aus allen Zehlendorfer Ortsteilen.

DDR-Kontrollstelle am Fahrweg nach Steinstücken, 1964 (c) Landesbildstelle Berlin

DDR-Kontrollstelle am Fahrweg nach Steinstücken, 1964 (c) Landesbildstelle Berlin

Die Titelgeschichte des 20. Jahrgangs des Jahrbuchs beschreibt aus erster Hand die Planung und den Bau der Verbindungsstraße von Kohlhasenbrück nach Steinstücken. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 war die Enklave Steinstücken, die zum West-Berliner Bezirk Zehlendorf gehörte, aber auf DDR-Gebiet lag, vollständig von der Mauer umschlossen. Diese Situation und der beschwerliche Zugang zu ihr für Bewohner, aber vor allem für Besucher änderten sich erst im Rahmen des Berlin-Abkommens 1971. Danach baute der West-Berliner Senat in enger Zusammenarbeit mit den DDR-Behörden eine öffentliche Zugangsstraße, die eine beklemmende Besonderheit hatte: Rechts und links der durch DDR-Gebiet führenden Straße standen die DDR-Grenzanlagen mit Mauer, Stacheldraht und Wachtürmen.

 Rothes Lieferschnelldienst (c) Archiv Rothes Gartenbau

Rothes Lieferschnelldienst
(c) Archiv Rothes Gartenbau

Mit der 120-jährigen Geschichte der Firma Rothe Gartenbau an der Clayallee beschäftigt sich ein weiterer Beitrag. Er zeigt, wie eng die Firmengeschichte mit der Geschichte und Entwicklung Zehlendorfs verzahnt ist. Zwei Berliner Gärtnerfamilien, aus Zehlendorf und aus Weißensee, sind der Ursprung des heutigen Betriebs mit seinen Gewächshäusern und dem riesigen, farbenfrohen Sortiment an Topfpflanzen und Schnittblumen.

Zehlendorf Jahrbuch 2016: Rothe Gartenbau - Hochzeitstafel im Hotel Adlon

Von der Firma Rothe gestaltete Hochzeitstafel im Hotel Adlon (c) Archiv Rothe Gartenbau

Um Pflanzen geht es letztlich auch im Bericht über den Grunewald: Vor 100 Jahren wurde der Dauerwaldvertrag zur Verhinderung weiterer Bebauung des Gebiets geschlossen. Seitdem ist der Forst zwischen Havel und den Grunewaldseen die „grüne Lunge Berlins“, auch wenn ihm zu West-Berliner Zeiten die Ausflügler an den Wochenenden und die alliierten Soldaten in ihren Manövern arg zusetzen und ramponierten. Er scheint zum Glück unverwüstlich zu sein.

Weitere Themen im Zehlendorf Jahrbuch 2016:
– Der SPD-Parteitag in der Zinnowwaldschule am 7. April 1946. Die Berliner Genossen diskutierten damals über den Zusammenschluss von Sozialdemokraten und Kommunisten in einer Stadt unter alliierter Verwaltung.
– Über die Bekenntnisgemeinde in Schlachtensee zur Zeit des Nationalsozialismus ist bislang wenig bekannt. Sie stand etwas im Schatten der Bekennenden Kirche in der Kirchengemeinde Dahlem. Der Beitrag berichtet über Personen und die vielfältigen Aktivitäten.
– Von dem Displaced Persons-Lager Düppel Center, das von 1946 bis 1948 in dem Zehlendorfer Ortsteil existierte, findet man heute kaum noch Spuren. Zeitweise lebten mehr als 5000 Menschen an der Potsdamer Chaussee, meist Juden, die die Shoah auf den verschiedensten Wegen überlebt hatten.

18-Meter-Spiegel für den Fernmeldeturm auf dem Güterbahnhof Wannsee, Juli 1966 (c) Günter Herrnleben.

18-Meter-Spiegel für den Fernmeldeturm auf dem Güterbahnhof Wannsee, Juli 1966 (c) Günter Herrnleben.

– Gespickt mit Insider-Informationen vor allem technischer Art ist die eigenwillige Baugeschichte des Fernmeldeturms auf dem Schäferberg in Wannsee. Der Leser erfährt von den Problemen, die sich hauptsächlich bei der fernmeldetechnischen Überbrückung des DDR-Gebiets ergaben. Eine echte Herausforderung für die Fachleute.
– Eher unterhaltsam sind die Texte über den Teltower Damm und die Clayallee in der Ortsmitte und über den viel geliebten Mexikoplatz, einem Platz im Jugendstil mit eigenem Bahnhof.

Das Jahrbuch ist für eine Schutzgebühr von 3 € im Zehlendorfer Heimatmuseum und -archiv, Clayallee 355, erhältlich. Das Museum ist Montag und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Dienstag und Freitag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. http://www.heimatmuseum-zehlendorf.de/

Lothar Beckmann

 

2 Kommentare

  1. Inge B.

    Ich werde mir das Jahrbuch holen, denn es scheint ein wunderbares Weihnachtsgeschenk zu sein – das ich mir vielleicht sogar selbst schenke 🙂

  2. PB

    Ein Tipp: Zu beziehen sind auch ältere Jahrgänge. Ich besitze die komplette Sammlung von etwa 10 Stück, und alle zusammen ergeben eine wunderbare Chronik über den Bezirk Zehlendorf.

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