Berlin ab 50…

… und jünger

Den „schädlichen Einflüssen“ entzogen…

Auf den Spuren des Joachimsthalschen Gymnasiums
Dic cur hic „Sag, warum du hier bist“(Leitspruch des Gymnasiums)eh.Joachimsthaler Gymn.

Sicher kennen Sie den 280 m lange gelben Klinkerbau im Stil des Berliner Klassizismus in der Bundesallee 1-12, in dem der Fachbereich Musik der Akademie der Künste untergebracht ist. Zwischen 1880 und 1912 befand sich hier in einem bis zum Fasanenplatz reichenden Grundstück das 1607 in Joachimsthal in der Uckermark von Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern als Fürstenschule gegründete Joachimsthalsche Gymnasium. Ausgelöst durch die Reformation und die anschließende Konfessionalisierung Musikhochschulesollte die als Alumnat (Internat) angelegte Knabenschule nach dem Vorbild Sachsens die Grundlagen der Wittenberger Theologie und des Humanismus 120 nach sozialen und regionalen Gesichtspunkten ausgewählten Knaben vermitteln. Als fürstliche Landesschule stand das Gymnasium stets in enger Verbindung zum Haus Hohenzollern und zum brandenburgisch-preußischen Staat und war daher ein Elite-Gymnasium.

Bedingt durch die Zerstörungen im 30jährigen Krieg zog die Schule 1636 in das Berliner Stadtsjoachimsthal.gymnasium 2chloss und 1667 in ein Schulgebäude an der Langen Brücke, dort, wo sich heute das Marx-Engels Forum vor dem Fernsehturm befindet. Durch die Hauptstadtfunktion Berlins im Deutschen Reich war der Standort Mitte der Schule zu unruhig, deshalb zog sie 1880 in die Wilmersdorfer Feldmark, in die Kaiserallee (heute Bundesallee), vor die Tore der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass die sich ausdehnende Hauptstadt des Deutschen Reiches allmählich nachfolgen und am Kurfürstendamm ein zweites Stadtzentrum entstehen lassen würde. Das nach außen prächtig wirkende Ensemble des Architekten Giersberg mit bildnerischen Schmuckelementen an der Fassade glich im Innern jedoch einer Kaserne. Die Schuleröffnung war ein großer Erfolg. 1890 besuchten die Schule bereits 579 Schüler, davon jedoch mehr Hospitanten aus dem Berliner Westen als Alumnjoachimsthal.gymnasiumen (Internatsschüler), wodurch das auf die Internatsschüler berechnete Stiftungskapital bald verbraucht war und die Schule Hypotheken aufnehmen musste. In dieser Situation beschloss man einen Befreiungsschlag und verlegte bereits 1912 die Schule nach Templin, wodurch wiederum nur Internatsschüler nach einem festgelegten Auswahlschlüssel aufgenommen werden konnten. Der erwünschte Nebeneffekt war, dass die Schüler nun den „schädlichen Einflüssen“ der Großstadt entzogen waren. Templin hatte kostenfrei das 13 Hektar große Grundstück am Templiner See zur Verfügung gestellt. Mit dem neuen Schulbau in Templin wurde zugleich das reformpädagogische Konzept des Familienalumnats verwirklicht. Danach war die Schule auf sechs Alumnate mit jeweils 25 Schüler aufgeteilt (insgesamt also 150 Schüler), in denen neben dJoachimsthaler Gymnasiumen Schülern auch die Schulbeamten (Referendare) und Inspektoren sowie jeweils eine Hausdame untergebracht waren. Die Schule verfolgte als evangelische Stiftung einen humanistisch-christlichen Bildungsauftrag.
Berühmte Schüler des Joachimthalschen Gymansiums waren Friedrich von Bodelschwingh ( Innere Mission) , Carl Friedrich Zelter (Komponist), der Dichter Achim von Arnim, der Buchhändler Julius Springer, August Methusalem Georg Büchmann (Herausgabe des deutschen Zitatenschatzes als „Geflügelte Worte“,1864 erste Auflage), Wolfgang Heubner (Pharmakologe) , Georg Heym (Schriftsteller) und Erwin Panofsky (Kunsthistoriker).

Im Nationalsozialismus versuchte der damalige Direktor Walter Herzberg nur wenig Zugeständnisse an die NS-Ideologie zu machen. Nach seiner Absetzung Anfang 1944 wurde die Schule in eine nationalsozialistische Erziehungsanstalt (Deutsche Heimschule) umgewandelt. 1945 von der sowjetischen Armee als Lazarett benutzt, wurden Stiftung und das Gymnasium 1956 aufgelöst. Das neu gegründete „Institut für Lehrerbildung“ nutzte bis 1988 die Gebäude.
Seit 1996 steht das Ensemble leer und verfällt.

europa schoolUnter dem Leitgedanken „Ein Europa von morgen heute bauen „ soll nach Vorstellungen des Förderverein Joachimsthalsches Gymnasium Templin e.V. 2020 in Templin das Gymnasium seine Pforten wieder öffnen. Der Bildungsauftrag soll sein, junge Menschen aus ganz Europa zusammenbringen und so einen aktiven Beitrag zur europäischen Zivilgesellschaft von Morgen leisten. Ein Anliegen, das in der derzeitigen Situation der EU zwar utopisch erscheint, aber dringend der Unterstützung bedarf :http://www.joachimsthalsches-gymnasium.eu/

Bleiben Sie dabei

Ihr mw

alle Fotos (c) mw

Ein Kommentar

  1. Inge B.

    vielen Dank für diesen interessanten Bericht!

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