Berlin ab 50…

… und jünger

Berlin im Kleinformat

 

1901

1901

Die Geschichte der Postkarte ist interessanter als ich dachte. Wann genau die erste deutsche Ansichtskarte gedruckt wurde, liegt im Dunkeln. Ursprünglich war die Karte ohne Umschlag eine reine Angelegenheit der Korrespondenz, die erste ganzseitig bebilderte deutsche Karte, die ohne Umschlag verschickt wurde, stammt vermutlich aus dem Jahr 1866. Aber erst im Sommer 1872 wurden private, also nicht von der Post hergestellte Ansichts- und Glückwunschkarten zugelassen.
Seitdem es diese Motivkarten gibt, gibt es auch Sammler. Heute gibt es auch eine Ansichtskartenbörse, die zweimal im Jahr im Berliner Ostbahnhof stattfindet und ein wichtiges Datum im Terminkalender von Postkartensammler ist.

von Marc Chagall

von Marc Chagall, 1919

Auch Alfred Kerr, Walter Benjamin und viele andere prominente Berliner haben sich mit der Ansichtskarte befasst. Viele Künstler wie Joseph Beus, Horst Janssen, die Wiener Werkstätten gestalteten Ansichtskarten sowie die wunderbaren „Botschaften an den Prinzen Jusuff“ von Else Lakser-schüler an Franz Marc.

 

1908

1908

Ansichtspostkarte sind auch historisches Bilddokument: Die Geschichte des Reichstages, des Berliner Stadtschlosses, der heutigen Amtssitze von Bundespräsident und Bundesrat sowie der Ministerien, der historischen Katastrophen und der Entwicklung von Demokratie und Gesellschaft, alles wird auf Postkarten festgehalten und gezeigt. Ob das jüdische Leben oder das kulturelle Leben der “Russen in Berlin“ , ob die Gründerzeit in Berlin, die Entwicklung von Technik, Industrie, Handwerk und Verkehr oder Reichspost, Automobil und Flugzeug, U-Bahn, Zeitungswesen, Werbung, Kaufhäuser, Hotels, Markthallen, das europäische Modezentrum Berlin, alles wird „ins Bild“ gesetzt und zeigen ein kreatives und pulsierendes Berlin . Erstaunlich ist, dass es kein wichtiges Gebäude von Berlin gibt, keine wichtige Station im politischen Leben Berlins, die nicht durch die etwa 1870 entstandene bebilderte Postkarte dokumentiert worden sind.

20er Jahre

20er Jahre

Ein emsiger Sammler von Postkarten zwischen 1890 und 1940er Jahren ist Dr. Wilfried Matanovic, darunter seltene Ansichten der ehemaligen Reichshauptstadt. Das von ihm in langjähriger Arbeit zusammengetragene Konvolut hält als historisches Bildgedächtnis neben wichtigen Stationen deutscher Geschichte auch die Alltagskultur der jeweiligen Zeit fest. Dies war vor einigen Jahren in der Ausstellung „Berlin im Mittelpunkt von Politik, Kultur und Wirtschaft – Die Ansichtskarte als Zeitzeugin deutscher Geschichte“ im Berliner Museum für Kommunikation zu sehen. Wer die sie damals verpasst hat, sich vielleicht auch keinen Katalog gekauft hat, dem sei der Bildband* mit 544 Abbildungen (herausgegebenen von Dr. Wilfried Matanovic ) empfohlen. Vielleicht ein Weihnachtsgeschenk für Berlin-Fans? Das Buch kann auch direkt beim m+m Verlag bestellt werden http://www.staedtekalender.de/index.php?cPath=85 .

 

1914

1914

Ein Gang durch das historische Berlin in seinen vielfältigen Bildern der Postkarte belegt die herausragende Bedeutung Berlins auf dem europäischen Kontinent. Berliner Humor, Berliner Milieu und die Berliner Typen kommen genauso vor wie Klassik und Avantgarde in Bildender Kunst, Architektur, Literatur, Kabarett, Musik, Theater, Tanz, Film und Funk sowie Zirkus und ZooBerlin im Postkartenformat, ein Bilderbuch für Erwachsene.

Für mich ist die Postkarte ein erstaunliches frisches Medium, um Historie lebendig und für uns nachvollziehbar zu machen.

Bleiben Sie neugierig, es gibt immer wieder etwas zu entdecken

go

* Dr. Wilfried Matanovic: Die Ansichtskarte als Zeitzeugin deutscher Geschichte – Berlin im Mittelpunkt von Politik, Kultur und Wirtschaft. Herausgeber m + m Verlag, Josef – Spehl- Straße
17, 52525 Heinsberg, 2009

2 Kommentare

  1. gisbertbritz@gmx.de
  2. Isolde Arnold

    Welch interessanter Artikel, ein Grund mehr, Kartengrüße und -Nachrichten wieder zu pflegen. Am 3.12. wurde im Märkischen Museum anläßlich Adolf Menzels 200. Geburtstag die Ausstellung „Ich, Menzel“ eröffnet. Von 1.500 Briefen und Karten zeigt das Stadtmuseum ausgewählte Stücke aus eigenem Bestand. Die schöne energische Schrift Menzels macht jedes ausgestellte Stück zu einem Kunstwerk. Unbedingt ansehen!

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