Berlin ab 50…

… und jünger

Wann fliegt er denn bei Ihnen raus?

Schmücken – bewundern – rauswerfen

Wann fliegt er denn bei Ihnen raus? Gleich nach Weihnachten, am Drittfeiertag, wie mein Großvater immer zu sagen pflegte, oder erst nach Silvester und Neujahr. Oder etwa noch später – nach dem 6. Januar, nach Epiphanias, wie evangelische Christen den Tag nennen, oder nach Heilige Drei Könige, wie er meist in katholischen Gegenden heißt?

Der Besuch des Weihnachtsbaums endet bei uns stets mit einem tragischen Fenstersturz und dann draußen neben dem Rinnstein bei seinen ebenfalls abgetakelten Artgenossen. Immer ist der Abschied dieses standhaften Besuchers schmucklos und endgültig. Erst stattlich grün in die Wohnung gehievt und von allen Familienmitgliedern freudig begrüßt, sind wir dann froh über seinen Rausschmiss, denn er sieht am Schluss hässlich und ziemlich grau aus. Aus dem Schmuckstück im Wohnzimmer – „So einen schönen Baumweihnachten 2011 015 hatten wir aber noch nie!“ – ist in vierzehn Tagen ein Schmutzfänger geworden.
Sein tragisches Ende ist stets das gleiche. Aber wann?

Unter Kollegen auf der Arbeit hatten wir uns fast Weihnachten2013 (33)gestritten. Die  Christbaum-Fraktion, die Mitglieder sind fast alle südlich des Mains geboren, hielt es mit dem friedlichen Gast am längsten aus. „Vor Heilige Drei Könige geht da nix, die Könige aus dem Morgenland gehören doch zum Christfest dazu“, erklärte ihre Wortführerin fast ein wenig pampig. Als ob die drei Weisen aus dem Morgenland überall kontrollieren, wie lange dem abgesägten Baum noch kostenlose Logis gewährt wird.

Die Weihnachtsbaum-Partei, ihre Genossen stammten meist aus Nord- und Ostdeutschland, sah das aber ganz anders: „Silvester stört der nadelnde Strunk doch nur. Ich putze doch nicht dauernd um den herum.“ Höchstens eine Woche nach der feierlich-traditionellen Begrüßung mit „O, Tannenbaum“ macht er die Fliege wie ein unerwünschter Versicherungsvertreter. Nun gut, dem weist man viel eher die Tür und lässt ihn auch nicht auf den Balkon warten, bis die Zeit heran ist.
Die Gastfreundschaft für den Besucher, der nicht nur zur Sommerzeit grünt und schristbaumeine Mindesthaltbarkeit in der Stube durch starke Vergrauung anzeigt, scheint also vom Namen abzuhängen. Dem Christbaum wird ein längeres Aufenthaltsrecht gewährt als dem Weihnachtsbaum.

Aber kritische Beobachter aus unserer Nachbarschaft berichten, dass im vergangenen Jahr der Ostwind bereits drei (!) Tage nach Heiligabend einige der ehemals hoch dekorierten Fest-Exemplare über den Bürgersteig blies. Die Gastgeber der so früh ausgesetzten und vom Winde verwehten, einst tadellosen und nunmehr fast nadellosen Dekorationsstücke, wie nennen die wohl ihr Bäumchen? Vielleicht ganz schlicht und einfach – Tannenbaum. Der hätte dann die kürzeste Überlebenszeit in der Weihnachtsstube.1-Weihnachten1

Vom an deren Extrem erzählte mir vor vielen Jahren einmal ein bayerischer Christbaumständer-Hersteller. Er lobte über den grünen Klee seine tollen, mit Wasser zu füllenden Baumständer. Regelmäßig nachgegossen und im metallenen Stammhalter der Extra-Klasse verankert trotze der Nadelbaum dem warmen Raumklima am besten. Garantiert! Bei ihm, in seiner Bauernstube stehe der Weihnachtsbaum jedes Jahr bis zu Mariä Lichtmess, dem letzten Fest in der Weihnachtszeit.  Das feiern Katholiken 40 Tage nach dem 1. Weihnachtstag, also am 2. Februar. Ich weiß bis heute nicht, ob ich ihm glauben soll…

Lothar Beckmann

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