Berlin ab 50…

… und jünger

Der heilige Duft von Weihrauch

IMG_6546In der Zeit der zwölf Weihnachtstage zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar, dem Dreikönigstag, ziehen auch in Berlin die Sternsinger als Weisen aus dem Morgenland verkleidet zu Menschen, die um ihren Besuch gebeten haben, um die Botschaft der Geburt Jesu zu verkünden und Spenden zu sammeln. In diesem Jahr sammeln die Sternsinger unter dem Motto „Segen bringen – Segen sein. Respekt für Dich, für mich, für andere – in Bolivien und weltweit“ für Kinderhilfsinitiativen in Bolivien.

Viele der 100 katholischen Gemeinden Berlins beteiligen sich an der Aktion, aber auch einige evangelische Gemeinden sind dabei. Die Sternsinger der St. Ludwigs Gemeinde Charlottenburg werden zum Beispiel am 6. Januar im CharlottenbDreiKönigeurger Rathaus begrüßt. Als Dankeschön werden sie dann den traditionellen Segensspruch „ Christus Mansionem Benedicat -20*C+M+B*16-, Herr segne dieses Haus“ über die Rathaustür schreiben. Bei ihren Rundgängen haben die Sternsinger Weihrauchfässchen dabei, denn über ihre biblischen Vorbilder steht geschrieben “Sie taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe“ (Matthäus 2,11).

Weihrauch ist im Gottesdienst der katholischen Kirche ein fester Bestandteil des Ritus . Sein Wohlgeruch dient nicht nur dem festlichen Rahmen, sondern steht auch als Symbol für die wie Rauch zum Himmel aufsteigenden Gebete. Myrrhe hat heute hingegen viele medizinische und kosmetische Verwendungen wegen seiner seit der Antike bekannten antimikrobiellen Wirkungen (so auch bei Magen-Darm-Erkrankungen).

Wo kommen nun Weihrauch und Myrrhe her? Weihrauch ist ein Gummiharz von wildwachsenden, bis 8 m hoch werdenden Boswelia-Bäuheilige drei königemen, Myrrhe ist das Harz eines Buschs –beide Pflanzen stammen aus der Familie der Balsamgewächse und wachsen am Horn von Afrika und an der Südküste der arabischen Halbinsel. Also aus Ländern wie Somalia, Sudan, Äthiopien, Eritrea, Oman und dem Jemen. Seit Jahrtausenden werden die Harze dort auf traditionelle Weise geerntet und für rituelle Handlungen verwendet.  Mit einem Schabmesser wird die Rinde über mehrere Monate teilweise abgetragen, worauf das milchig weiße Harz austritt. Das in der Sonne getrocknete gelblich-grüne Harz, das über 10% ätherische Öle neben der Gummikomponente enthält, wird dann eingesammelt, sortiert und gelangt in den Handel. Ein Durchnittsbaum gibt zehn Kilo Weihrauch pro Saison. Die derzeitigen Endverbraucherpreise je Kilo liegen in Deutschland derzeit je nach Qualität zwischen 20 und 100 € (das kostet der sog. grüne Weihrauch).

Die sortenspezifischen flüchtigen Inhaltsstoffe sind bis heute nur zum Teil identifiziert, auch die durch das Räuchern entstehenden Verbindungen mit ihrem harzigen, zitrusartigen Wohlgeruch sind noch nicht chemisch charakterisiert und die Frage einer medizinischen Verwendung ist bisher ungeklärt. Da der Bestand der wild wachsenden Weihrauchbäume in den zumeist von Bürgerkriegen geplagten Ländern durch übermäßige Nutzung, Feuerholzgewinnung und Schädlingsbefall gefährdet ist, sind Schutz und Räuchermännchennachhaltige Bewirtschaftung dieser uralten Nutzpflanze vordringlich. So haben Forscher der Wageningen University in den Niederlanden errechnet, dass sich der Baumbestand in Äthiopien in den kommenden 15 Jahren halbieren wird, wenn nicht Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Eine Forderung, die sicher auch von allen erzgebirgischen Räuchermännchen unterstützt wird – aber vermutlich haben die keine Lobby mehr!

Ein schönen „Heilige Drei Könige“-Tag

Ihr mw

Fotos (c) mw

 

Ein Kommentar

  1. A.L.

    Myrrhe findet sich tatsächlich in vielen Präparaten der Naturmedizin, wobei man zusätzlich zur erwähnten Eigenschaft noch auf die krampflösende Wirkung setzt (auch deswegen bei Magen-Darm-Erkrankungen), ebenso auf die entzündungshemmende und desinfizierende. Deswegen gibt es z.B. eine Myrrhentinktur für bzw. gegen Zahnfleischentzündungen (aber Vorsicht: diese Tinkturen haben einen recht hohen Alkoholgehalt, für Kinder und Alkoholabhängige also Tabu).
    Aber wie bei fast allen Naturheilmitteln: Die Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt (jetzt schreien und schreiben vermutlich alle Naturheilmedizin-Anhänger, womit wir bei dem alten Streit sind: Traditionelle Medizin versus Naturmedizin).
    A.L.

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