Berlin ab 50…

… und jünger

Was ich mir vom Berliner Senat für 2016 wünsche

Zum neuen Jahr darf man Wünsche äußern. Und die Hoffnung haben, dass sie erfüllt werden – so, wie das Kind gar nicht daran zweifelt, dass seine Wünsche wahr werden.
Jetzt sind wir erwachsen. Und die Wünsche sind ganz andere.
Einen Wunsch, den ich habe, betrifft unsere Stadt, aber auch unser Land. Es geht um „Barrierefreiheit“.

IMG_6505In den letzten Jahren ist sehr viel darüber geschrieben, gesprochen worden, es wurden Arbeitskreise einberufen, Experten befragt, Gutachten erstellt. Herausgekommen ist auch wirklich etwas – auf dem Papier. Es gibt ein „Behinder-tengleichstellungsgesetz“ und das „Bundeskompetenz-zentrum Barrierefreiheit“. Und einen „Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen“ (ein elend langer Begriff, nicht wahr?).

Guten Willens waren und sind vermutlich alle, aber das reicht eben nicht: Ohne Umsetzung ist der praktische Wert gleich Null. Ich denke, das muss man auch einmal so deutlich sagen.

Bevor ich mich weiter aufrege, möchte ich erklären, warum ich mich so aufrege: Natürlich erst einmal, weil es nicht angeht, dass Behinderte an der Teilhabe gehindert werden: nicht nur durch die Schere im Kopf vieler Menschen (damit meine ich durchaus auch mich!), sondern durch behebbare äußere Umstände, die Barrieren eben.

Zum anderen aber auch, weil wir „Alten“ sehr nahe daran sind, diese Barrieren schrankenhautnah zu spüren. Dann nämlich wenn unsere Mobilität nachlässt, wenn das Hören nicht mehr so klappt wie früher, die Augen nicht mehr gut sehen, die Hände steifer werden. Dann werden wir merken, was alles in unserem Alltag beschwerlich sein kann. Mütter (und Väter) mit Kindern sind natürlich auch Leidtragende, auch sie kämpfen permanent mit solchen Barrieren.

Wenn nicht wir, die wir betroffen sind, sollte auf die Barrikaden (!) gehen und immer wieder deutliche Forderungen stellen und die jeweiligen Initiativen der Verbände und Zentren unterstützen.

Warum muss es, gerade auch in Berlin, noch so viele Doppelampeln geben, bei denen man sprinten muss, um beide bei grün überqueren zu können? Warum gibt es mehrheitlich Busse, die nicht Rollstuhlfahrer gerecht sind. Mir scheint, dass das selbst für die neu beschafften Modelle gilt.
Warum gibt es nicht überall abgeschrägte Bordsteine, so dass Rollstuhl und Rollator ohne Probleme darüber gleiten können?
Fahrstühle? Bei der Frage werde ich fast wütend: Um sie zu finden, muss man minutenlang, gefühlt stundenlang, laufen. Das gilt besonders für Bahnhöfe und für Berlins U-Bahnhöfe! Dass sie, wie die jüngste Vergangenheit zeigt, schwere Mängel haben, bleibt noch zu erwähnen.
Haben Sie schon einmal versucht, mit einem (Krück)Stock, einem Rollator in die Züge zu kommen? Samt Gepäckstück! Versuchen Sie’s, Sie werden verzweifeln.
Ein weiteres Thema: die Fernbusse! Wäre doch schön, wenn die Fernbusse auch für uns Älteren eine Option wären. Sind sie aber nicht, denn die wenigsten sind mit breiteren Türen ausgestattet. Oder gar mit Platz für Rollstühle. Es gibt viele weitere Beispiele, die An- und Durchsagen in Bahnhöfen sind nur ein weiteres. Sie werden selbst auch genug Beispiele kennen.

Eines allerdings ist wissenswert, und darum schreibe ich überhaupt darüber: In den USA ist in dem Punkt wirklich alles besser. Viel besser! Angestoßen hat diesen Wandel George Bush und für ihn war der Auslöser etwas, was mit unserer Stadt, unserem Land zu tun hat: Der Fall der Mauer! Wer hätte das gedacht!
Mit den Worten: „Die Berliner Mauer ist gefallen, und die Freiheit hat gesiegt. Heute nehmen wir den Vorschlaghammer zur Hand und stürmen eine andere Mauer, die, die seit Generationen behinderte Menschen von der Freiheit trennt, die sie verdient haben“** wurde ein Wandel eingeleitet, der seines Gleichen sucht. Alles, aber auch alles wurde verändert und angepasst, im öffentlichen wie auch im privaten Bereich. Nicht nur auf freiwilliger Basis, sondern per Gesetz (Americans with Disabilities Act – ADA). Und die Gesetze werden durchgesetzt – ohne Frage nach den Kosten. Und jetzt sagen viele Amerikaner, dass das Gesetz auch sie selbst verändert hat – sie denken anders, die Schere ist verschwunden.

Wäre es nicht wert, wenn wir das neue Jahr mit dem Vorsatz beginnen würden, Barrierefreiheit nicht nur auf dem Papier zu garantieren, sondern in der Praxis, im täglichen Alltag?

Bleiben Sie mir gewogen, denn es ist ein Plädoyer auch ein bisschen in eigener Sache.

I.B.F.

** Quelle: FAS vom 15.11.2015

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