Berlin ab 50…

… und jünger

Heimatmuseum III: Lichtenberg

Schrotkugelturm[1]Zum Herstellen von Bleischrot benötigt man einen Turm. Das und noch viel mehr erfahren Sie im Heimatmuseum von Lichtenberg, einem Stadtbezirk, der eher wegen seiner Industriegeschichte als wegen eines hippen Lifestyles bekannt ist. Streift man herum im Lichtenberger Kaskelkiez, so möchte man wünschen, dass ihm eine Zukunft wie den Bezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain erspart bliebe und der Virus der Gentrifizierung an ihm vorbei ginge.

Das Heimatmuseum Lichtenberg findet man in dem heute Stadthaus genannten ehemaligen Rathaus von Boxhagen-Rummelsburg, direkt am Tuchollaplatz, Türrschmidtstraße 24, http://www.museum-lichtenberg.de.
Es zeigt die Geschichte Lichtenbergs von den ländlichen Anfängen, über die zunehmende Industrialisierung mit Unternehmen wie Knorrbremse und Stadthaus[1]Siemens-Plania, durch die beiden Weltkriege und schließlich seinen Weg durch den DDR-Sozialismus und die Teilung Berlins bis hin in die heutige Zeit der wiedervereinten Stadt.
Das einst winzige Angerdorf wuchs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts heran zu einem der großen Industriebezirke Berlins, und durch Eingemeindungen und Bezirksreformen reicht Lichtenberg heute von Malchow im Norden bis nach Karlshorst im Süden. Genug Substanz also, ein ganzes Museum mit spannenden Inhalten zu füllen. Die lesbar gestalteten Texte in einer auch für den Laien erträglichen Länge geben lückenlosen Aufschluss über diese Entwicklung, doch bewegender als die historischen Fakten sind oft die persönlichen Geschichten der Lichtenberger wie sie sie selbst erlebt und erlitten haben.

Natürlich ist viel vom letzten Krieg die Rede, von Bombenangriffen und dem Desaster, als sich nach einem solchen Angriff ein gefluteter Gasometer entleerte und eine Flutwelle den Bezirk überschwemmte. Viele Menschen ertranken in den Kellern. Stahlhelm_Milchkanne[1]Gegenstände, wie Kochtöpfe aus umgepressten Stahlhelmen oder Milchkannen aus Kartuschen sind Zeugnisse der harten Nachkriegszeit.
In der DDR wurden die Industriebetriebe verstaatlicht, sogar Spratt’s Hundekuchenfabrik blieb davon nicht verschont und wurde zum VEB Spezialfuttermittel.Den industriellen Niedergang erlebte Lichtenberg nach der Wende in den 1990-er Jahren, als das Werk des ehemaligen VEB Elektrokohle von einem amerikanischen Konzern übernommen und schließlich gänzlich stillgelegt wurde. Auf einem Teil der Betriebsfläche befindet sich heute das „Dong Xuan Center“, ein asiatisches Kultur- und Handelszentrum.

Die Geschichte Lichtenbergs ist keine von Glück und Wohlstand, umso mehr berührt sie den Besucher beim Rundgang durch das engagiert-liebevoll gestaltete Museum.
Im ersten Obergeschoss des Hauses finden wechselnde Ausstellungen statt. Derzeit mit dem Titel „Stein – Schlacke – Beton, Neues Bauen in Lichtenberg“. Es geht um Industriellen Wohnungsbau, welcher in Lichtenberg seit seinen Anfängen in den 1920-er Jahren, der heutigen Splanemannsiedlung, in sämtlichen Ausprägungen zu finden ist. Hierzu mehr in diesem Blog in dem Mehrteiler von mw: „Aus der Geschichte der Platte – Teil 1 / Lichtenberg, ff..
Der anfangs erwähnte Turm heißt Schrotkugelturm und ist von der S-Bahn aus zwischen den Stationen Ostkreuz und Nöldnerplatz gut zu sehen.

Nur ein paar Häuser vom Museum Lichtenberg entfernt fand ich das kleine Café von Nadia und Kosta, wo ich diesen Bericht „brühwarm“ in meinen Laptop getippt habe.
PB

Fotos (c) PB

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