Berlin ab 50…

… und jünger

Hansestadt Berlin

Berliner Schloss_1451Berlin war auch mal Hansestadt, so haben wir es in der Schule gelernt. Aber viel scheint es Berlin nicht gebracht zu haben, den als Lübeck bereits eine der größten Städte Deutschlands war, war Berlin-Cölln noch eine Kleinstadt. 1360 wird Berlin-Cölln unter den Wittelsbacher Kurfürsten (seit 1356) Mitglied des Hansebundes und nimmt als Vertreter der mitttelmärkischen Städte an den Tagungen in Lübeck teil. Der Kaufmanns- und Städtebund erlaubte weitreichende Handelsbeziehungen Jedoch hatte die Doppelstadt kein großes Gewicht in dem Bündnis und zog kaum Nutzen daraus.

1411 wird Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg, ein Hohenzoller, vom König Sigismund zum Verwalter der Mark Brandenburg berufen. Im Jahre 1415 wurde er schließlich von König Sigismund auf dem Konzil von Konstanz zum Kurfürsten und Markgrafen von Brandenburg als Kurfürst Friedrich I. benannt. Im „Berliner Unwillen“ zwischen 1442 bis 1448 unterlag die Stadt seinem Sohn Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, der Berlin die Selbstständigkeit nahm. Die Eisenzahnstraße in Wilmersdorf erinnert an ihn. Irgendwie passend dazu die Geschichte, dass eben jener „Eisenzahn“  das Berliner Schloss als Zwingburg bauen ließ und die aufmüpfigen Berliner die Baustelle 1448 unter Wasser setzten! Im Jahre 1518 wird die Stadt nach eigener –allerdings vom Landesherrn und Alleinherrscher erzwungenen-Lossagung aus dem Hanse-Bündnis ausgeschlossen. Die Berliner Fernhandelsherren mussten sich nun nach neuen Partnern umsehen und die Wahl fiel auf die sächsische Handelsstadt Leipzig, in der seit Mitte des 11. Jhdt. jährlich zwei Messen abgehalten wurden.

Was war überhaupt die Hanse? Die Hanse entstand im 12. Jahrhundert im niederdeutschen Raum mit dem Ziel, die Sicherheit der Kaufleute bei der Fahrt in andere Länder und die gemeinsame Vertretung wirtschaftlicher Interessen im Ausland zu gewährleisten. Sie war ein früher Vorläufer der Entwicklung, die man heute als Globalisierung bezeichnet. Einschließlich ihrer Frühgeschichte und des Nachklangs existierte sie rund 600 Jahre und ihr wirtschaftlicher, politischer und auch kultureller Einfluss reicht bis in die heutige Zeit. Ein großes Thema, zu dem es immer noch viel zu erforschen gibt. Das im Frühjahr 2015 eröffnete Europäische Hansemuseum Lübeck erzählt diese Geschichte und bietet ein Museumserlebnis, das gleichermaßen aufregend und informativ ist.

burg lübeckDas Haupthaus des Europäischen Hansemuseums ist Bestandteil des Museumsareals, das außerdem noch das Burgkloster und eine museal aufbereitete Außenanlage umfasst. Es schmiegt sich an den Hügel, auf dem das Burgkloster steht. Entworfen wurde der Museumsbau von Andreas Heller Architects & Designers aus Hamburg. Die Architektur des Gebäudes orientiert sich an den historischen Gegebenheiten des Ortes und fügt sich elegant in das Straßenbild ein. Der für den norddeutschen Raum typische Ziegelstein verleiht dem Bau sein charakteristisches Aussehen. Die vom Babelshansemuseum 4berger Studio gestalteten Stationen wie „Nowgorod: 1193 Handelsschiff an der Mündung der Newa“ , „Lübeck 1226“ , „Brügge 1361: Nachbildung einer Handelshalle“, „Pest in Lübeck 1367“ ,“ Stalhof -die Londoner Hanse- Niederlassung“ und „1518: Hansetag in Lübeck“ bieten eine Fülle von Informationen, verpackt in ein aufregend und „begreifbar“ gestaltete Stationen, die emotional über die Fiktion von Realität wirken. So zeigt das Thema“ Geld und Glaube“ den ständigen Konflikt der Hanse-Händler mit den christlichen Lehren, nach denen mit Handel Geld zu verdienen, dem Zinsverbot der Kirche gleichkam.

Am Eingang kann der Besucher sich auf dem Chip seiner Eintrittskarte Ablasshandel zusätzliche Infos zu Wunschthemen aussuchen, etwa „tägliches Leben“, „Luxus“ und eine Stadt seiner Wahl. Bei mir war das natürlich Berlin – doch wie oben beschrieben, war ich  dann schon 1518 wieder „draußen“, obwohl noch zwei Drittel der Ausstellung vor mir lagen. Berlin eben – damals schon arm aber sexy.

Fahren Sie nach Lübeck, es lohnt sich.

Ihr mw

Fotos (c) mw

 

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