E.T.A. Hoffmann wird 240

Kalenderblatt Sonntag 24.1.2016: 240. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann

ETAHoffmannZum morgigen 240. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann (geboren 1776 in Königsberg) möchte ich ein Buch empfehlen: „E.T.A. Hoffmanns Berlin“- ein neues, spannendes und wunderbar ausgestattes Buch mit 200 Abbildungen und einigen Stadtplänen von Michael Bienert.

War Bienert für alle Literaturliebhaber schon auf den Spuren von Joseph Roth, Kleist, Fontane, Brecht und Kästner (vgl. Blogbeitrag Februar 2015 I.B.F. https://berlinab50.com/2015/02/22/ein-tipp-michael-bienert-und-erich-kastner) in Berlin unterwegs, so lässt er nun E.T.A. Hoffmann in seinen Berliner Jahren wieder lebendig werden. Die literarische Spurensuche begleitet den Schriftsteller, Kammergerichtsrat, Komponisten und Zeichner durch das Berlin der Romantik und führt neben seinen Wohn-und Wirkorten auch zu Schauplätzen seiner bizarren, geisterhaften und unheimlichen Berliner Erzählungen wie den Tiergarten, Unter den Linden und zum alte Rathaus.

E.T.A Hoffmann war zu seiner Zeit eine Attraktion im gesellschaftlichen Leben der Stadt und die braven Bürger besuchten sein Stammlokal „Lutter und Wegner“ am Gendarmenmarkt, nur um den Kammergerichtsrat mit dem Schauspieler Ludwig Devrient zechen zu sehen und seinen Geschichten zu lauschen. So wie heute, wenn Brad Pitt im „Borchardt“ sitzt.

M.Bienert (re) und W.Condrus (li)

M.Bienert (re) und W.Condrus (li)

Am 21. Januar stellte der Autor seine imaginäre Wanderung auf Hoffmanns Berliner Spuren bei Schleichers Buchhandlung in Dahlem im Museum Lansstrasse vor und der Schauspieler und Sprecher Wolfgang Condrus las aus den Werken Hoffmanns und Heines, der ein großer Bewunderer Hoffmanns war.

Hoffmann lebte von 1798 bis zu seinem Tod 1822 in Berlin und war als angesehener Jurist des obersten preußischen Gerichts gleichzeitig Schriftsteller, Opernkomponist (Undine), Stadt-Flaneur, bekannter und bekennender Zecher und Karikaturen-Zeichner, gern auch auf Aktendeckeln des Gerichts (wodurch sie der Nachwelt erhalten blieben). Alles das erzählt Bienert in seineFriedh_hallesches-T (49)m Buch und auch diesem Abend einem verzückten Publikum. Auch, dass im Kollegienhaus in der Lindenstrasse, dem barocken Altbau des Jüdischen Museums, in dem Hoffmann seit 1816 als Kammergerichtsrat arbeitete, leider nichts mehr an den berühmten Berliner erinnert. Dabei hatte Daniel Libeskind bei seinen Planungen durchaus auch E.T.A Hoffmann als Ideengeber aufgeführt („E.T.A. Hoffmann Garten“, heute „Garten des Exils“).

Hoffmanns Werk beeinflusste Künstler wie Richard Wagner, der Anleihen für seine Opern aus Hoffmanns Erzählungen nahm. Gemeinsam mit dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Ellen Poe (1809-1846) gilt Hoffmann als Begründer der fantastischen Literatur. Warum nun Barrie Kosky in der aktuellen Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ (J. Offenbach) an der Komischen Oper erbarmungslos den alternden Dichter als lächerlichen, fetten und tobenden Trunkenbold, dessen eigene Realität von seinen Liebesfantasien kaum weiter entfernt sein könnte, karikiert, bleibt mir ein Rätsel. Meine Begeisterung für Hoffmann ist jedenfalls Dank des schönen Buchs neu erwacht!

Und noch ein Hinweis: Unbedingt lesenswert ist auch Bienerts Blog http://www.text-der-stadt.de/bio.html , der viele literarische Anregungen für Stadtspaziergänger und Stadtentdecker bietet. Am Geburtstag findet eine Führung mit Michael Bienert auf den Spuren Hoffmanns statt. Treffpunkt um 10 Uhr ist die Buchhandlung Berlinstory, Unter den Linden 40. Allerdings wurde eine Anmeldung empfohlen, aber es gibt noch weitere Termine in diesem Jahr (14.2.2016).

Happy Birthday, Ernst Theodor Amadeus Hoffmann!

mw

E. T. A. HOFFMANNS BERLIN ETAHoffmann
von Michael Bienert; 176 Seiten, ca. 200 Abb. Verlag für Berlin und Brandenburg Berlin 2015; 24,99€

Fotos (c) mw
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Ein Gedanke zu “E.T.A. Hoffmann wird 240

  1. Dass der „brave Bürger“ so einfach ins „Borchard“ zu Brad Pitt hineinspazieren kann – da bin ich mir gar nicht so sicher. Und ob die Geschichten so schön sind wie weiland die von Hoffman und Devrient und sich des Zuhörens lohnt, bezweifle ich auch.
    Aber das tut dem Buch keinen Abbruch.
    M.R.

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