Pergamon

Pergamonmuseum(1)Das Berliner Pergamonmuseum ist zu. Jedenfalls sein berühmtester Teil, der mit dem Altar. Geschlossen für Jahre. Gerade jetzt, wo ich es mich zu einem Besuch besonders drängt.

 

Der gegenwärtige Anblick der Museumsinsel zieht runter. Gerüste, Krane, Teilabrisse, klaffende Löcher. Auch der Rohbau der neuen James Simon Galerie – schon seit langem verzögert, wie andere Bauvorhaben der Stadt auch – macht kaum Hoffnung auf eine Neueröffnung in absehbarer Zeit.Pergamonmuseum (2)
Ich bin nicht mehr der Jüngste, und sollte es vielleicht zu jahrelangen Verzögerungen kommen wie bei der Staatsoper, dann habe ich schlechte Karten, den Pergamonaltar noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Man weiß ja nie.

 

Warum solche Gedanken? – Weil ich gerade von einem Besuch in Pergamon zurückkomme, dem Ort, an dem der berühmte Altar vor 2200 Jahren errichtet wurde und an dem er noch bis vor gut 100 Jahren stand.
Pergamon (1)Die türkische Stadt, über die sich die antike Akropolis Pergamon erhebt, trägt heute den Namen Bergama und liegt etwa 80 Kilometer nördlich von Izmir. Pergamon alias Bergama war die letzte Station meiner Rundreise zu den antiken Stätten des Altertums in der Westtürkei und für mich auch deren Höhepunkt. Er gipfelte in einer stillen halben Stunde, die ich allein am Sockel des Altars zubrachte, denn mehr ist dort nicht mehr von ihm vorhanden.
Vermutlich war der Altar einst Zeus und Athena geweiht, und man hatte für seinen Bau sogar einen Berg künstlich terrassiert. Den fast quadratischen Sockel des Altars von 36 x 33 Metern hatte man mit einem Fries des Kampfes der olympischen Götter gegen die Giganten geschmückt.

Pergamon (2)Nur sein Fundament zeugt noch vom berühmten Altar, der sich heute fernab seines kulturellen und geografischen Ursprungs in fast 3000 Kilometer Entfernung auf der Berliner Museumsinsel befindet, bewundert von jährlich Hunderttausenden. Ein befremdlicher und glücklicher Umstand zugleich, denn hätte man die Reste des Pergamonfrieses damals an ihrem Fundort belassen, so existierten sie heute nicht mehr, darüber sind sich Archäologen und Wissenschaftler einig.

Die anderen Besucher Pergamons hatten sich längst auf den Weg zur Seilbahn gemacht, die sie wieder hinunter zu ihren Bussen bringen sollte, und erst jetzt spürte ich den leichten Wind, der über den Hügel wehte, von welchem der Altar zwei Jahrtausende lang auf die Stadt hinab geblickt hatte und auf dem ich jetzt – ganz alleine – stand.

Nur widerwillig verließ ich den Ort und allein aus dem Grund, meine Reisepartner unten am Bus nicht länger warten zu lassen. Doch als einziger von ihnen hatte ich den Hauch der Götter für einen kurzen, stillen Moment spüren können.

Übrigens: Das „Pergament“, auf dem ich diese Reisenotiz festgehalten habe, soll in Pergamon erfunden worden sein – behauptet man.

PB

alle Fotos (c)PB

und hier noch ziemlich aktuelles Foto des  Pergamonaltar in Berlin, das uns Ingolf zur Ergänzgung  schickte .Vielen Dank.

Pergamonaltar-letzter Andrang

10 Gedanken zu “Pergamon

  1. Wie kommt es nur, dass ich mir seit einiger Zeit beim Lesen Ihres Blog vorkomme, als sei ich in einem Volkshochschulkurs für Allgemeinbildung? Sind wir über 50-Jährigen so bildungsbedürftig?
    A.L.

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  2. Sehr geehrte(er) A.L.,
    es gibt für mich zwei Erklärungen und einen Vorschlag auf den Kommentar:
    1) Sie wissen bereits alles -wie schön für Sie
    2) kulturelle Themen interessieren Sie eher nicht- warum folgen Sie dann?
    3) Eine konstruktive Kritik in Form eines eigenen Beitrags -etwas was Sie hier auf dem Blog vermissen- wäre sicher hoch willkommen!
    Gruß vom Schmargenpeter

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  3. Ihr Beitrag war zwar gar nicht explizit gemeint, aber nun ja. Zudem: Vielleicht lesen Sie den Kommentar falsch. Ich habe gar nichts, überhaupt nichts gegen kulturelle Beiträge; das ist ein bisschen eine Unterstellung. Ich habe etwas dagegen, dass das Leben ein wenig zu kurz kommt. Das Leben an sich und das Gefühl, dass es um uns, die über 50-Jährigen geht.
    Ein bisschen wohlfeil ist es wohl, Kritik damit zu beantworten „Schreiben Sie doch selbst“.
    A.L.

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  4. Nun hat AL geschreiben, was fehlt. Und das stimmt auch, war aber der ersten Kritik nicht zu entnehmen. Also, deshalb noch einmal eine große Bitte an alle geneigten Mitleser: Bringen sie sich ein, schildern sie ihre Sicht auf Berlin, auf 50 + und auf das Leben.

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  5. So, so, alias . . . Ja, allerdings, der Kritiker ist selten der bessere Produzent. Und eens is doch jut: det ma eena meckat, ha´ck schon vermisst bei diese Webseite! Bedürftig sind wir zwar nicht – abjeseh´n vonne Kohle, seit dem wa in jereljelta staatllicha Aamut leh´m – aber NEUGIERIG! Neugierig auf alles, was sich in BERLIN abspielt, egal in welcher Form dargestellt. – Es ging um Pergamon. Authentischer Artikel und teile die Wehmut. Darum schicke ich noch ein rel. aktuelles Foto zur Erinnerung für die nächsten Jahre an go. Ingolf

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  6. Was ist denn hier bloß los? Klar: jemand der kritisiert, muss natürlich auch selbst besser schreiben! Ist das nicht eine merkwürdige Schlussfolgerung? Wenn ich eine handwerkliche Arbeit kritisch beäuge, muss ich dann auch gleich ein besserer Handwerker sein?
    Da bin ich tatsächlich neugierig, wie das zusammenhängt!
    Moni

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  7. Lieber Ingolf,
    kennen Sie den Schriftsteller Raymond Carver? Muss man nicht unbedingt kennen (wäre aber schön, Sie würden ihn entdecken), aber die Geschichte seines Buches „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ ist interessant, was das Verhältnis von Kritikern zu Schriftstellern angeht. Die Version nämlich, die berühmt geworden ist, ist entstanden durch radikale Eingriffe des Lektors von Carver (sprich: Kritikers). Soviel zu den Fähigkeiten eines Kritikers. Deren Beispiele gibt es noch viele!
    Tom

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    • Hallo, Tom, danke für den Tipp! Bitte aber um Verständnis, wenn mein Literatur-Schwerpunkt nicht auf amerikan. Autoren liegt. Natürlich gibt es Kritiker, die es zu (Welt-)ruhm in der eig. Publizistik gebracht haben. Jedoch fehlt häufig die originäre Kreativiät, um aus eig. Kraft ein bedeutendes Werk zu schaffen. Lish (der Lektor von Carver – für die anderen Leser) korrigierte auch „nur“, verfälschte dadurch aber den Stil des Autors. Anyway, wir sind uns offensichtlich nun alle (A.L./M.R./m.w./Moni und Sie) einig, dass berechtigte Kritik immer förderlich ist. „Wer schreibt provoziert!“ – Ein Buchtipp von mir: Martin Walsers im Jan. erschienener Roman: „Ein sterbender Mann“. Ist aktueller – eine unerfüllte email-Liebe!

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