Berlinale – meine sportliche Herausforderung

berlinale friedrichsstadtpalastBerlinale ist für mich – aus vielen Gründen – harte Arbeit (Empfänge, Gespräche, Treffen mit Kollegen aus nah und fern) . Bereits an Kinokarten zu kommen, ist jedes Jahr eine Herausforderung und bedarf sportlichen Durchstehvermögens:

Die 66. Berlinale kann einen Besucherrekord verzeichnen. 337.000 Karten wurden verkauft, davon konnte ich 12 ergattern. Und wer einmal versucht hat, Karten für seine Wunschfilme zu bekommen, weiß, dass es kein einfaches Unternehmen ist. Als „alter Berlinale-Hase“ muss ich aber auch positiv vermerken, dass sich in den letzten Jahren einiges im Karten-Verkauf getan hat. So muss man sich nicht mehr unbedingt viele viele Stunden anstellen, sondern kann auch online „einkaufen“ und inzwischen sogar manche Tickets zu Hause ausdrucken; sonst musste man immer die online bestellten Karten am Potsdamer Platz abholen – und wieder Schlange stehen. berlinale friedrichsstadtpalast 2Und es gibt inzwischen auch das eine oder andere Kino, für das man für alle Tage Karten kaufen kann. Für Wettbewerbsfilme ist das der Friedrichsstadtpalast. Sonst gibt es nur Tickets für drei Tage im Voraus, was also immer wieder anstellen bedeutet. Insgesamt bleibt das Kartenvorverkaufssystem eine Wissenschaft für sich.

Sobald das Berlinale Programm online zur Verfügung steht, kann ich meinen Programmplan erstellen. Und suche mir vor allem Vorstellungen aus, die in meinen Berlinale-Arbeitsplan passen und für die ich am ersten Vorverkaufstag alle Karten auf einmal kaufen kann – also im Friedrichsstadtpalast , auch wenn er sitzmäßig wirklich die „Holzklasse“ ist. Aber man muss Prioritäten setzen.
Um Punkt 10 Uhr am Montag vor Berlinale Beginn sitze ich also vor meinem PC und meinem Programmplan und warte auf den Startschuss. Aus Erfahrung weiß ich, dass man entweder gleich oder gar nicht seine Chance hat. Es ist 10 Uhr, die Leitung ist bereits zusammengebrochen ,es werden Wartungen vorgenommen, sagt mir mein PC. Ich werde nervös, gehe zurück auf Anfang, vielleicht liegt es ja an meinem System, ich überprüfe, was überprüfbar ist … irgendwann nach gefühlten Stunden, schaffe ich um 10:06 den Zugang – und bekomme fast alle meine Wunschkarten. Fast, denn bereits um 10:07 Uhr sind drei meiner auserwählten Vorstellungen ausverkauft. Aber ich bin zufrieden und habe nun viele Wettbewerbsfilme vor mir, auf die ich mich freue.

Allerdings fehlt noch ein Film , den ich Dienstag der kommenden Woche unbedingt Geniussehen will, aber der läuft im Festspielhaus – und diese Karten bekomme ich erst drei Tage vorher . Ich versuche das natürlich, weil sportlicher Ehrgeiz gefragt ist auf diesem Festival und – bin nicht erfolgreich, obwohl ich Punkt 10 Uhr vor dem virtuellen Kartenverkaufsschalter saß. Ausverkauft um 10:01 Uhr. Aber wie gesagt, ich bin zufrieden und freue mich auf meinen ersten Film im Friedrichsstadtpalast

Da heißt es nun Minimum eine Stunde vor Vorstellungsbeginn vor dem Kino anstellen – ob es schneit, regnet oder nur grau ist. Kinoenthusiasten lassen sich davon überhaupt nicht abhalten. Am dritten Tag kenne ich einige, man grüßt sich und tauscht bald auch Meinungen aus. Die Schlange wird lang und länger, es gibt immer wieder Kinokartenbesitzer, die denken, sie müssten sich nicht einreihen – aber es gab drei Herren des Einlasspersonals ,die streng waren und alle ans Ende der Schlange schickten. Genau beobachtet und zur Freude aller, die bereits schon lange vor dem Kino warteten. Kaum allerdings wird die Türe zum Haus geöffnet, wird aus einer halbwegs geordneten Schlange eine dicke Traube. Da wird gemogelt und mit Ellbogen gearbeitet, was das Zeug hält. Vor allem am sogenannten Familiensonntag, an diesem Tag wird tatsächlich jede Disziplin zu Hause gelassen. Der Unterschied zu den „offiziellen“ Festivaltagen, an denen viele Akkreditierte, viele ausländische Gäste unterwegs sind, die aus beruflichem Interesse Filme ansehen, ist enorm – auch am Geräuschpegel während der Vorstellung abzulesen. Da wird nie geraschelt und/oder getuschelt.

bilder genius

GENIUS – Foto von Marc Brenner (c) Pinewood Films

Meistens hat sich jedenfalls mein Anstehen gelohnt und ich bekam, wenn schon nicht den Lieblingsplatz, so doch den zweitliebsten Platz am Rand. Das ist deshalb wichtig, weil die Beinfreiheit im Friedrichsstadtpalast vermutlich nur sehr kurzbeinige Besucher und Kinder für die Länge eines normalen Spielfilms erträglich ist. Da ist der Berlinale Palast tatsächlich auf allen Plätzen ein Hochgenuss. Berlinale-Erfahrung!

Mein Lieblingsfilm war GENIUS (mit dem wunderbaren Colin Firth und Jude Law) , mit keinem Berlinale Preis versehen – trotzdem habe ich diesen Film sehr genossen. Ob’s daran lag, dass ich tatsächlich meinen Lieblingsplatz mit absoluter Beinfreiheit ergattert habe?

Es war eine sportliche Herausforderung, wie jedes Jahr – die sich gelohnt hat und ich freue mich aufs nächste Mal.

Bleiben Sie neugierig
go
Fotos (c) go

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