Berlin ab 50…

… und jünger

Tödlicher Verkehrsunfall

Das Entsetzliche geschah an einer der engsten Stellen im Straßennetz des Zehlendorfer Ortskerns. Wenn ich den öffentlichen Sterbeort passiere, bin ich noch immer bestürzt. Ein Foto, Blumen und Grablichter auf dem Gehweg mahnen und fordern die Vorbeieilenden zum Innehalten auf: Hier starb eine Radfahrerin, die erste tödlich verunglückte im Berliner Straßenverkehr in diesem Jahr.
Es passiert am helllichten Tag, am 26. Februar. Kein Regen, kein Schnee, weder Nebel, Platzregen noch dichter Rauch behindern die Sicht an diesem Freitagmittag in Zehlendorf-Mitte. Der Verkehr flutet unaufhörlich, von der Potsdamer Straße kommend, durch die schmale Onkel-Tom-Straße Richtung Pasewaldt¬straße. Wie immer. Radfahrer, Personen- und Lastwagen teilen unter sich die sehr schmale Fahrdammfläche auf – ein halsbrecherisches, tagtäglich tollkühnes Unterfangen.
Der schwere Laster hat die 66-jähri¬ge Radfahrerin, die einem im Parkverbot abgestellten Auto ausweichen muss, von hinten gerammt und überrollt. Die Frau, wahrscheinlich auf dem Weg in ihre nahegelegene Wohnung, hat keine Chance. Ihr Geburtstag ist zu ihrem Sterbetag geworden.
Die Trauer ist groß. Familie, Freundinnen und Freude zeigen wenig später ihre Fassungslosigkeit und ihren tiefen Schmerz über das Geschehene in Traueranzeigen in der Tagespresse, unterzeichnet mit ungewöhnlich vielen Namen. Die Lehrerin im Hochschuldienst und im Ruhestand war den Bekundungen nach beliebt, geschätzt und humorvoll.
Und die Konsequenzen? Wenn sich der Nutzer eines Elektro-Geräts tödlich verletzt, weil das Gerät unsicher konstruiert und dadurch der Gebrauch lebensgefährlich ist, wird das Produkt in aller Regel aus dem Verkehr gezogen. Es ist nicht verkehrssicher. Da gibt es meist kein Pardon.
Ist die Onkel-Tom-Straße an diesem Nadelöhr für alle Verkehrsteilnehmer überhaupt verkehrssicher? Müssten die Verantwortlichen dort nicht schleunigst Sicherheitsmaßnahmen treffen, um den lebensgefährlichen Engpass zu beheben? Ein Todesopfer an dieser Stelle sollte eigentlich für alle Warnung genug sein.
Lothar Beckmann

Ein Kommentar

  1. M.R.

    Wäre das Tragische weniger tragisch, wenn die Getötete weniger beliebt, weniger humorvoll gewesen wäre? Sie wollten das sicherlich nicht so dargestellt sehen, aber angesichts der dramatischen Unfälle mit Radfahrern in letzter Zeit gilt es auch, allen zu gedenken, die auf diese Weise getötet wurden. Ob Hochschullehrer, humorvoll oder Arbeiter und ein eher schwieriger Mensch. Jeder Tod ist zu viel.
    M.R.

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