Berlin ab 50…

… und jünger

Spuren der Berliner Kinolandschaft in Steglitz bald Vergangenheit?

Als ich zu einem großen Multimedia Geschäft nach Steglitz fuhr, um meinen kaputten Laptop reparieren zu lassen, staunte ich, als ich nach Abgabe desselben, zur Bushaltestelle auf die gegenüberliegende Seite ging. Da tat sich doch über und neben dem Geschäft rechts und links eine wunderbar erhaltene Bauhaus Fassade auf. Ich war sprachlos, vergaß meinen Kummer mit dem Laptop und wandte mich sogleich älteren Menschen zu, um mir bestätigen zu lassen, dass dieses Haus ein ehemaliges Kinogebäude gewesen sei. Es wurde mir bestätigt und so fing ich an, Recherchen zu machen, weil mir gesagt wurde, dass das Gebäude einem Investor gehört, der dieses abreißen lassen will, um einem Neubau – für das dahinterliegende Seniorenstift – Platz zu machen.

In der Steglitzer Albrechtstraße 49 hatte das Kino „Parkpark lichtspiele 2-Lichtspiele“ seinen Sitz. Der Inhaber war ab 1933 die Kino Waren GmbH., ab 1950 dann die Universum-Film AG. Das Kino hatte einen Saal mit über 1000 Plätzen.

Architektonisch verantwortlich war der Architekt Hans Sigmund Jaretzki, nach dessen Plänen das Kino 1930 errichtet wurde. Der gebürtige Berliner Jaretzki arbeitete von 1925 bis 1933 als selbständiger Architekt in der Stadt. Nachdem ihm1933 wegen seiner jüdischen Abstammung Berufsverbot erteilt wurde, emigrierte er über die Niederlande und Frankreich nach Großbritannien. 1943 war Jaretzki Gründungsmitglied der Vereinigung Deutscher und Österreichischer Architekten und Ingenieure „The Circle“; 1946 wurde er mit der Auszeichnung Fellow des Royal Institute of British Architects (RIBA) geehrt. Er starb 1956 in London (Quelle: Wikipedia).

Nachweise über seine Architekturarbeiten in Berlin finden sich im Zentralblatt der Bauverwaltung 49. Jhg. 1929/30 (s.a. Kinoarchitektur Berlin).
Eine Siedlung der GeWo Süd in Weißensee und Wohnbebauungen in Berlin Pankow gehen neben dem Kino auch auf seinen Namen zurück.

Nun habe ich mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und der dortigen Denkmalschutzbehörde Kontakt aufgenommen und hoffe, das zumindest noch die Auflage bestimmt wird, die Fassade in den Neubau zu integrieren. Wäre doch schade, wenn dieses Stück Altes Berlin ‚flöten‘ ginge?

Kann sich noch jemand an dieses Kino erinnern?

Wer, wenn nicht wir: http://www.berlinab50.com

I.A.

Foto (c) I.A.

 

NACHTRAG  vom 23.3.2106:

Dr. Rüter vom Stadtentwicklungsamt Steglitz-Zehlendorf antwortete mir auf meine Intervention die Albrechtstr.49 betreffend folgendes:

„Über die Denkmaleigenschaft dieses Gebäudes haben wir im letzten Jahr mit dem Landesdenkmalamt kommuniziert. Im Ergebnis ist – auch wenn die historischen Hintergründe nicht von der Hand zu weisen sind – zu wenig originale Bausubstanz vorhanden, um in das verfassungsrechtlich geschützte Eigentum einzugreifen und dem Anspruch eines öffentlichen Erhaltungsinteresses zu folgen“.

Schade, ein Stück Stadtgeschichte geht damit wieder zu Ende und die Lebendigkeit der Architektur in der Albrechtstraße austauschbarer sowie ein Stück Kinolandschaft Vergangenheit.

I.A.

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Ja, ich kenne das Kino noch sehr gut. Habe dort mit vielleicht 5 Jahren, 1963, meinen ersten Kino Film gesehen: BAMBI… und kann mich an die furchtbare Szene, wenn der Wald brennt und Bambi fliehen muss erinnern. Meine Mutter hatte sich das sicherlich anders vorgestellt. Sie musste mich herzvoll schluchzend sehr lange beruhigen. Auch heute denke ich immer an Bambi, wenn ich dort vorbei fahre. Sehr gute Idee die Fassade zu erhalten. Wann soll mit dem Bau begonnen werden?

  2. I.A.

    Danke für Ihren Kommentar! Ja, der Film „Bambi“ war besonders grausam und für kleine Kinder eher nicht geeignet.
    Das Denkmalschutzamt hat auf meinen Brief noch nicht geantwortet. Der Baubeginn soll schon im April sein, deshalb glaube ich nicht, dass sich am geplanten Abriß noch etwas ändert. Leider gibt es keine Bürgerbewegung! I.A.

    http://www.berlinab50.com (leider hat sich mit ‚de‘ ein kleiner Fehler in meinem Bericht eingeschlichen!)

  3. Isolde Arnold

    Ein Nachtrag zu den „Spuren der Berliner Kinolandschaft…“ zeichnet die Antwort der Denkmalschutzbehörde nach, bitte noch mal herunterscrollen! I.A.

  4. Michael Delfs

    Hallo liebe Kinofreunde,
    ich komme dort häufig vorbei und inzwischen steht ein Baugerüst vor dem Gebäude. Der linke Flügel ist schon beseitigt worden, damit die Bagger sich vom Hof nach vorne durcharbeiten können. Der Abriss ist in vollem Gange. Schade.

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