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Mein Friseur und ich und die guten Vorsätze

Mein Friseur und ich und die guten Vorsätze

Wenn Sie diesem Blog schon eine Weile treu sind, kennen Sie meinen Friseur und mich bereits.
Letzthin hatte ich wieder einmal ein interessantes Gespräch mit ihm. Davon will ich ein bisschen erzählen.

Thema war – wenn auch ein bisschen verspätet – die guten Vorsätze!
Dass ich mit dem Durchhalten auf nicht allzu gutem Fuße stehe, habe ich Ihnen schon früher berichtet. Aber offenbar ist es, wie es ist: Jedes neue Jahr verleitet dazu, es doch noch einmal zu probieren. Nach dem Motto: So „charakterschwach“ kann ich doch nicht sein. Oder doch?

Meinem Friseur geht es nicht sehr viel anders: Natürlich kann ich Ihnen nicht erzählen, mit welchen woop2guten Vorsätzen er sich herumplagt – das wäre ein wenig indiskret.
Meine „Jedes-Jahr-aufs- Neue-Vorhaben sind wohl üblicher Durchschnitt: Gelassenheit, sich mehr Zeit nehmen für das, was eigentlich wichtig ist (oder erst einmal herausfinden, was wichtig ist) sachlich bleiben in emotionalen Diskussionen und so weiter. Und vielleicht auch noch: ein bisschen netter zu mir selbst sein.
So weit also alles wie jedes Jahr!

Aber dieses Mal gibt es Grund zur Hoffnung. Sagt mein Friseur, der dazu einiges Interessante aus der neueren Motivationsforschung entdeckt hat.

Vier Buchstaben sind es, die alles gut werden lassen: WOOP. Sie stehen für: Wish, Outcome, Obstacle, Plan. Also: Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan.

Bislang galt für das Ziel, Vorsätze auch tatsächlich umzusetzen, das Motto: „Positiv denken“. Oder anders: Man glaubte, wenn man sich in der Phantasie nur intensiv genug damit beschäftigt, was man alles schaffen kann und keine Zweifel zulässt, dann lässt sich alles erreichen. Aber dieses positive Denken allein hat nie wirklich funktioniert – das haben die Verhaltensforscher inzwischen festgestellt.
Aber was muss hinzukommen, damit es funktioniert? Man muss die Wirklichkeit im Blick haben! Vom Ziel zu träumen und sich nur Positives vorzustellen, blendet die Wirklichkeit aus. Und die ist eben mit Schwierigkeiten gespickt. Diese zu überwinden bzw. von vornherein mit einzubeziehen – das ist der Königsweg. Zumindest ein bisschen.

Für mich klang das erst einmal sehr theoretisch und vage. Wie soll das gehen?
Aber eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Zuerst – so erklären mein Friseur bzw. die Motivationsforscher – gilt es den Wunsch zu formulieren, also das Ziel. Dann geht es darum, sich vorzustellen, zu „phantasieren“ (sic!), wie wunderbar es sein wird, wenn das Ergebnis erreicht, der Wunsch in Erfüllung gegangen ist.
Und nun der dritte wichtige Schritt: Bei ihm geht es darum, die Hindernisse zu bedenken, die entgegen stehen werden. „Kontrastieren“ nennen es die Forscher. Und Hindernisse, ob sie von außen kommen oder aus der eigenen Veranlagung, wird es viele geben (mir fielen spontan einige ein, die mir Schwierigkeiten machen würden – z.B. die, dass ich Ziele phantasiere, die inzwischen ziemlich unrealistisch sind, weil ich vergesse, dass meine Zukunft ein ganzes Stück kürzer ist als meine Vergangenheit). Wenn die Hindernisse tatsächlich eine zu große Herausforderung sind, verhilft dieses Kontrastieren dazu, realistischere zu wählen oder ganz andere. Der vierte Schritt ist der „Plan“: Ich muss mir also überlegen, wie ich die Hindernisse aus dem Weg räume, wie ich reagieren, mich verhalten werde. Wenn ich das im Voraus plane, bin ich nicht mehr überrascht und überfordert: Ich weiß, was ich tun muss, um meinen Wunsch zu erfüllen.
Mit positivem Denken allein hätte ich das nicht geschafft. Denn ich wäre bei dieser Phantasie stehen geblieben, würde nicht die notwendige Antriebskraft freisetzen können, die mich auf Trab bringt. So erklärt es mein Friseur.

Das klingt einleuchtend, nicht wahr? Vielversprechender als das Motto: Denke positiv. Es geht um beides. Eben um „WOOP“.

Mein Besuch bei meinem Friseur war also lehrreich und sein Geld wert. Was er sowieso immer ist.

Und weil wir natürlich die Quellen nicht unterdrücken wollen, die uns das WOOP geliefert haben (es sollen ja alle Teile unseren Ansprüchen genügen!): Es ist das Forschungsteam um Professorin Gabriele Oettingen, die an der New York University und an der Uni Hamburg lehrt. In ihrem Buch „Die Psychologie des Gelingens (Pattloch Verlag München, 2015, 19,99 Euro, Kindle Edition, 17,99)) hat sie ihre These vorgestellt. Weitere Quelle: FAS, 3.1.2016 .

Mein Frisur und ich – wir grüßen Sie“

I.B.F.

P.S. Noch ein schöner Satz: „Verliebt sein ins Gelingen“. Rät schon Ernst Bloch. Hans Dürr (ehemaliger Bahnvorstand) und Peer Steinbrück schließen sich an. Tun Sie und ich es auch!

Foto (c) ibf

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