Berlin ab 50…

… und jünger

Schlendern durch Berlin

Rund um die Hackeschen Höfe

In der Rosenthaler und der Neuen Schönhauser Straße herrscht geschäftiges Treiben. Das Publikum ist bunt gemischt:  viele junge Menschen, teilweise sehr gut gekleidet, sehr urban, sehr weltstädtisch, alles  international. Die umliegenden  Straßen laden zum Bummeln ein. Dort führt mein heutiger Weg hin:

Ich beginne meinen Rundgang in der Oranienstraße vom Hackeschen Markt aus. Hier gibt es Geschäfte, dicht an dicht.  Ein Humana second hand Laden,  den ich hier nicht vermutet hätte, hat eine große Auswahl an üblicher Second hand Kleidung, nicht etwa nur Designer-Ware. Die schmalen Bürgersteige sind bevölkert von Menschen aus aller Welt. Unendlich wie viele Sprachen dringen an mein Ohr. Ich biege rJüdische mahnmal Hamburger strasseechts in die große Hamburger Straße. Hier ist es gleich viel ruhiger. Auch hier gibt es kleine Boutiquen und viele Restaurants. Ich komme an der Gedenkstätte des Juden-Sammellagers vorbei, die hier in der Nazizeit zusammengepfercht wurden und auf  ihre Deportation warteten. Eine kurze Gedenkminute.Mit mir  bleiben immer wieder Menschen stehen, lesen die Gedenktafel oder schauen sich die ausgestellte Skulpturenfigur an.

Etwas weiter die Straße runter liegt rechterhand, etwas zurückgesetzt, die Sophienkirche. kircheIch besuche die barocke Kirche, die etwas heruntergekommen wirkt. Überall blättert der grün-graue Putz von den Wänden. Trotzdem überkommt mich sofort ein Gefühl von Ruhe und Erhabenheit. Einen langen Moment lang genieße ich diesen Ort der Stille. Beim Hinausgehen sehe ich, dass an einigen Stellen, wie zur Probe, neue Farbe aufgetragen wurde und erkenne beim näheren Hinsehen überall kleine Aufkleber mit Farbanordnungen.  Es wäre schön, wenn die notwendige Renovierung voran geht.

Wieder in der Straße, bemerke ich die alten Einschusslöcher im Gemeindehaus. Ein inzwischen eher seltener Anblick. Linkerhand liegt das St. Hedwig Krankenhaus, ein imposanter Backsteinbau, saniert und sehr gepflegt. Auch hier in der Straße finden sich immer wieder hübsche kleine Läden, manche im Souterrain, manche eine halbe Treppe erhöht.

Ich kreuze die Sophienstraße und biege links in die Auguststraße. Hier reihen sich die Galerien und Kunsthäuser aneinander: me collector rooms, das Ausstellungshaus des Wella-Erben und Kunstsammlers Thomas Olbricht mit Ausstellungen aus seiner Privatsammlung. Das KW KunstWerke, ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst mit dem Cafe Bravo im Innenhof. Die camera work gallery und das private Museum the kennedys in der ehemaligen jüdischen Mädchenschulswinge. Und immer wieder Galerien mit verschiedensten Ausstellungen. Diese Dichte an Kunstaustellungsräumen ist unglaublich. Auch hier kommen mir natürlich die unvermeidlichen Touristengruppen, zur Abwechslung hier auf Fahrrädern, entgegen. Aber ich begegne auch einigen gediegenen Herren,  die in meiner Fantasie ihr Geld in den Galerien anlegen werden. Eine Mutter mit hochgetuntem Kinderwagen unterhält sich mit einer anderen Mutter im hochgetunten Auto, sehr laut, sehr sendungsbewusst.  Jetzt bin ich bei  Klärchens Ballhaus angekommen. Der Tanzpalast, der zum Schwoof und Essen einlädt, zurückgelegen im ehemaligen Hinterhaus. Hier ist alles ein wenig improvisiert, aber mit viel Charme. Dort, wo früher das Vorderhaus stand, ist jetzt ein Biergarten, im Sommer ein sehr idyllischer Ort. Ich biege kurz links in die Tucholskystraße und bestaune die verschiedenen, sehr individuell anmutenden Cafés. Im Brotladen von Sarah Wiener kaufe ich ein Brot und erfreue mich an der Einfachheit des Ladens, alles in Cremeweiß gehalten, hübsche Fliesen auf dem Boden, das Brot und die Brötchen werden in Holzregalen angeboten. Alles sieht sehr ansprechend aus und duftet, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft.

hinterhofDa ich keine Lust auf die Oranienburger Straße habe, gehe ich die Tucholskystraße in die andere Richtung und biege links in die Linienstraße ein – und lande in einer Wohnstraße. Aber auch hier entdecke ich viel Sehenswertes, tolle Hinterhöfe, die eingebaute St. Adalbert Kirche, ein Königliches Leihhaus. Am Koppenplatz biege ich rechts ab und dann links in die Sophienstrasse. Diese Straße mag ich besonders gerne, mit mir leider auch viele Berlin Touristen.  Der Kirchhof der Sophienkirche, die Sophienhöfe und die vielen anderen Hinterhöfe bringen eine ganz besondere Stimmung. Die vielen kleinen Lädchen laden zum Stehenbleiben und Staunen ein.

Den berühmtesten Ort, die Hackeschen Höfe lasse ich heute aus und gehe über die Rosenthaler Straße zurück zum Hackeschen Markt.  Laut tönt die fetzige Musik einer Blechbläser-Truppe mit Schlagzeug über den Platz. Die Leute bleiben stehen, machen Fotos und wippen im Takt dazu. Das macht gute Laune und ist ein perfekter Abschluss für meinen heutigen Bummel.

Schön, das Sie dabei waren

Ihre AvS

Ein Kommentar

  1. Sehr schön, ich habe mir fest vorgenommen diesen Spaziergang mit meiner Kammera auch zu machen. Als Randberliner nehme ich viel zu wenig solche schönen Dinge wahr, Danke für die Führung durch diese Ecke 😊

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