Berlin ab 50…

… und jünger

Isoldes Kinotipp: VOR DER MORGENRÖTE

 

Vor der Morgenröte

Stefan Zweig in Amerika

Deutschland/Frankreich/Österreich 2016, 106 Min.

Ein Film von Maria Schrader, die zusammen mit Jan Schomburg das Drehbuch schrieb.

 

01-Plakat„Wenn ich an meine Jahre zwischen achtzehn und dreißig zurückdenken will und mir vergegenwärtigen, was ich damals tat, so scheint mir, als ob ich diese ganzen Jahre einzig in der Welt herumgereist, in Kaffeehäusern gesessen und mit Frauen herumgezogen wäre. Mit bestem Willen kann ich mich nicht erinnern, jemals gearbeitet, jemals etwas gelernt zu haben. Dem widersprechen die Tatsachen.“ (Autobiographie Stefan Zweig 1922)

Der Film erzählt episodisch aus dem Leben Stefan Zweigs im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. X Verleih – bringt den Film am 2. Juni in die Kinos

Der Film ist brillant besetzt: Josef Hader spielt Stefan Zweig, Barbara Sukowa seine erste Frau Friderike, Aenne Schwarz seine zweite Frau Lotte sowie Matthias Brandt den Berliner Verleger Ernst Feder.

Es ist ein ungewöhnlicher Film entstanden: Schlaglichtartig werden in einzelnen Kapiteln Stationen des Exils Stefan Zweigs fast in Echtzeit abgebildet und ganz detailliert Dinge gezeigt, die uns interessieren. Die innere Zerrissenheit Zweigs wird durch Josef Hader so herzzerreißend gespielt, dass einem der Atem stockt und die Gründe klar werden, warum Stefan Zweig seinem Leben selbstbestimmt ein Ende setzte.

Unbedingt ansehen, viele Entwicklungen der Gegenwart wird man dann mit anderen Augen betrachten!

Und noch ein kleiner Literaturhinweis –  um die Zeit bis zum Kinostart zu überbrücken:
Stefan Zweig,“ Ich wünschte, dass ich ihnen ein wenig fehlte“
Briefe an Lotte Zweig 1934-1940. Herausgegeben von Oliver Matuschek, erschienen im S. Fischer Verlag

I.A.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Ich werde in Berlin sein, wenn der Film gezeigt wird und ich werde ihn mir anschauen.
    Tolles Thema, tolle Besetzung.

  2. Inge

    Ich komme gerade aus dem Kino – und bin enttäuscht. Der Film verschenkt ein interessantes Thema. Buch, Regie und Kamera lassen die Figuren zu einem Wachsfigurenkabinett erstarren, die nie emotional berühren oder Empathie hervorrufen. Deshalb wirkte auf mich alle Zerrissenheit im Exil, alle emotionale Betroffenheit oder das seelisches Leiden an der Selbstzerstörung Europas lediglich behauptet – und hat mich nicht einmal wirklich neugierig gemacht, Stefan Zweig neu zu lesen. Selbst die wunderbare Besetzung konnte mir über diesen Eindruck nicht hinweghelfen…schade!

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