Berlin ab 50…

… und jünger

Heimatmuseum IV: Charlottenburg – Wilmersdorf

Der Ort könnte als Herberge für ein Heimatmuseum standesgemäßer nicht sein: Die prunkvolle Villa war einst Landsitz der mit dem Bankhaus Mendelssohn verschwägerten Familie Oppenheim. Man hatte sie Mitte des 19-ten Jahrhunderts errichtet, doch schon während der Gründerzeit, Anfang des 20-ten Jahrhunderts, wieder aufgegeben. Genau genommen, als die Wohnbebauung immer dichter heranrückte. Charlottenburg war vor seiner Eingemeindung im Jahr 1920 noch eine wohlhabende Stadt vor den Toren Berlins, mit einem prunkvollen Rathaus, dessen Turm den Berliner Dom, die Kirchen und das Stadtschloss überragte und der dem prestigesüchtigen Kaiser Wilhelm II deshalb zum Himmel stank.

Ja, Charlottenburg überragte im sprichwörtlichen Sinn schon viel früher die weniger wohlhabenden märkischen Dörfer und Städte, und diesen Eindruck hatte ich auch bei meinem Besuch, der genau genommen schon der dritte war, seit sich das Museum am jetzigen Ort befindet. Der Stadtteil Wilmersdorf, der mit Charlottenburg nach einer Bezirksreform zwangsverheiratet worden ist und dessen eigenes Museum am Fehrbelliner Platz aufgegeben wurde, kommt zwar noch im Namen des Museums vor, tritt jedoch inhaltlich nur wenig in Erscheinung. Exponate aus Wilmersdorf, einem Ort mit gänzlich anderer Entwicklung, muss man fast suchen.

An dieser Stelle muss ich fairerweise bekennen, in Wilmersdorf aufgewachsen und zur Schule gegangen zu sein – man mag mir also Voreingenommenheit vorwerfen. Wilmersdorf hat eher eine bäuerliche Vergangenheit und Namen wie Otto Schramm, Christian Blisse oder Hanns Fechner können natürlich nicht mit den prominenten und sogar mit Nobelpreisen dekorierten Bewohnern Charlottenburgs, wie Albert Einstein oder Theodor Mommsen mithalten. Bauer trifft Kultur möchte man da sagen. Ganz zu schweigen von der königlichen Prominenz, die sich im nahe gelegen Schloss Charlottenburg etablierte.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Solche, und noch viel mehr Geschichten werden in der Villa Oppenheim erzählt, in Schaukästen, auf Stelltafeln, Karten und mit Relikten, wie dem eindrucksvollen Schädelfragment eines Wisents, das beim U-Bahnbau gefunden wurde.

Bemerkenswert ist auch die Kunstsammlung im ersten Stock, wo man Bilder der Berliner „Secessionisten“ Max Liebermann, Karl Hagemeister, Walter Leistikow und Hans Baluschek bewundern kann. Auch eine Skulptur von Reinhold Begas, dem Schöpfer des berühmten Neptunbrunnens in Berlin Mitte, ist zu entdecken.

Als meine Begleiterin mir nach längerem Besuch eröffnete, sie wolle jetzt lieber draußen, im Sonnenschein, auf mich warten, wurde mir klar, was auch mich die ganze Zeit in diesem Museum bedrückt hatte: Das Grau der Wände, des Treppenhauses, der Türen und sogar der Sitzbänke. Und so war auch ich froh, nach fast zwei Stunden wieder in die Frühlingssonne blinzeln zu können. Abgeschlossen haben wir unseren Besuch dann doch woanders: Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Käsekuchen im hellen, lichten Café des Museums… Gerstenberg, ganz in der Nähe.

Näheres über Öffnungszeiten und Sonderausstellungen erfährt man hier: villa-oppenheim-berlin.de

PB

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