Berlin ab 50…

… und jünger

Das Böhmische Brauhaus

Letzte Woche besuchte ich die Bayrische Landesausstellung zum Thema „Bier in Bayern“ im Kloster Aldersbach in  Niederbayern. Auf dem Weg dorthin fiel es mir auf: Das Jüdische Museum in München hat eine hervorragende Ausstellung  zum Thema Bier „Bier ist der Wein dieses Landes“, im gegenüberliegenden Münchner Stadtmuseum werden zum Thema „Bier. Macht. München“ Geschichte und Konsum von Bier mit Schwerpunkt auf die Entwicklung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart gezeigt. In  der Provinz zufällig gesehen: „7000 Jahre Bier und Wein – Grundnahrung und Luxus“, eine Ausstellung des Archäologie-Museums Quintana in Künzing bei Deggendorf in Niederbayern.

Aber was macht Berlin? 2005 gab es eine hervorragend gemachte Ausstellung zum Aufstieg und Fall der Biermetropole Berlin im Prenzlauer Berg Museum, gestaltet vom  Bauhistoriker Klaus Küvers und Dipl.-Brauingenieur Karl-Heinz Pritzkow. Doch im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebots 2016 – NICHTS, weder im Stadtmuseum, noch im Technischen Museum noch sonst wo.  Sehr bedauerlich oder etwa nicht –  bei der „Biergeschichte“? Schließlich war Berlin einmal eine der größten  Biermetropolen Europas und hatte eine unvorstellbare Brauereidichte (allein 14 Brauereien am Prenzlauer Berg)! Der Bierverbrauch lag 1900 in der Stadt mit Vororten (2,137 Mill. Einwohner) bei 242 Litern pro Kopf, im München betrug er zu dieser Zeit 250 Liter. Was meinen Sie, sollte Berlin ein „Brauereimuseum“ bekommen?

 „Böhmisches Brauhaus“

Böhmisches_Brauhaus,_Landsberger_Allee13

(c) Hotel-Pension Kastanienhof

Die „mechanisch-pneumatische Mälzerei“ aus dem Jahr 1899 ist das letzte erhaltene Gebäude des „Böhmischen Brauhauses“ in der Friedensstraße 88-93. Die Brauerei wurde 1868 auf einem Areal zwischen Landsberger Chaussee und Frieden-, Mathias- und Pufendorfstraße gegründet. Die Gebäude wurden nach einem Entwurf des Ratsbaumeisters Rohmer errichtet, dessen „Handschrift“ sich bei mehreren Berliner Brauereien wiederfindet. Natürlich gab es auch einen großen Biergarten zur Landsberger Alle hin. Die Besitzer orientierten  sich an der Braukunst böhmischer Brauereien. Dort wurde bereits seit 1845 ein helles untergäriges Bier gebraut. Erfunden hat es übrigens Joseph Groll, eiGroll Pilserfindern aus Vilshofen stammender  Bierbrauer, in der in Pilsen sein bitteres (hopfiges), süffiges helles Bier braute, das als Urform unseres heutigen „Pils“ gilt . Da die Brauerei über einen 14 m tiefen kühlen Keller verfügte, konnte  niedergäriges böhmisches Bier gebraut werden, allerdings mit Hilfe von Natureis.

Modell Linde

Modell der Kompressionskältemaschine von Carl von Linde (Deutsches Museum München, 1929)

Das Böhmische Brauhaus war immer an der Spitze der technischen Entwicklung, ob bei der Linde´schen Eismaschine, die bereits  seit 1883 benutzt wurde oder beim  Biertransport mit dem Auto ab 1898.  1910 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Durch den Rückgang des Bierkonsums im I. Weltkrieg und den danach dramatisch einbrechenden Umsätzen sowie durch Rohstoff- und Energiemangel (Hopfen, Gerste) war die Weiterbetrieb nur durch eine Fusion mit der Löwenbrauerei 1922 möglich. Die Brauerei hieß nun Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus AG und wMälzerei_Böhmurde nach 1945 nach Westberlin verlegt und dort 1978 nach der Übernahme durch die Schultheiss AG  geschlossen. Im 2. Weltkrieg wurde die Brauerei schwer zerstört, es blieb nur die Mälzerei (heute Forum Friedrichshain mit Büro und Gewerbeflächen) erhalten.

BöhmBrauhaus_Ruine

Sud-und Maschinenhaus vor dem Abriss 2016

Auf dem ehemaligen Brauereigelände zwischen Friedenstraße, Pufendorfstraße und Matthiasstraße entsteht das neue Quartier Friedrichshain Höfe mit  400 Wohnungen. In der Landsberger Alle steht auf dem Brauereigelände bereits seit dem Jahr 2000 ein Hotel.

Die nächste Folge führt uns zur Patzenhofer–Brauerei gleich um die Ecke in der Landsberger Alle, Ecke Richard-Sorge Straße.

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

Prost – Ihr mw

Fotos (c) mw

 

 

 

 

 

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