Berlin ab 50…

… und jünger

Ne Molle und ’n Korn

„Ne Molle und ’n Korn“ – den Begriff kennta alle noch – oda? Wenn nich – werd ick den hier ma erläutan:
Zuerst mal ’ne Übasetzung für Nichtberlina: Molle = Bier, Korn = klarer Schnaps! So, det erst mal vorab.

bln_BerlinerKindl

(c) Hotel-Pension Kastanienhof

Früja, da jab’et ja noch an jeda Kreuzung vier Ecken und jede Ecke hatte ’ne Kneipe. Da konntste ’ne Runde drehn und inna letzten Kneipe warste lustig. Det waren noch Zeiten. Da haste dich mit Deinem Tresennachbarn noch jestritten, ob die Molle von Schulle, also Schultheiss, oda dit Kipi, also Kindl Pilsner, det bessere is. Eventuell noch’n Hellet oda Export.

Vielleicht kannste dir ja och noch an Ferdewagen ainnern, die ham imma die Fässer in Deine Lieblingskneipe jeliefat. Aba det mitte Bierkutscha und de Brauereiferde is nu schon wirklich lange her.
Ach, und soja roochen konntste in diesen Etablissemangs (so haben manche ooch ihre Kneipen jenannt), selbst de Nichtroocher brauchten bloos zu kommen und einatmen und schon war deren Lunge braun, voller Qualm. Hat aba ooch den Vorteil jehabt, wenn de denn mal speta nach Hause jeschaukelt bist, brauchte Deine Exvalobte und jetzijet Wdieters stammtischeib nich mehr zu frajen: „wo kommste denn her?“ Nee, die hat det schon anne Klamotten jerochen.
Uff de Kneipentische wa immer een Ascher volla Kippen, ville sojar ohne Filta, und an eenen Tisch inne Ecke stand soja’n Schild druff: „Resaviert“. Da saßen immer ’n paar Jungs die hab’n Skat jedroschen. Mann, hat det manchma uffn Tisch jeknallt wenn eena dit As ruffjedonnert hat.

Det war der Feiaabend des kleenen Mannes. Hier ’n Plausch, da ’n Plausch, och mal ’n Weib anjequatscht – det war noch urisch. Heute würdste sajen det is sozialet Engagemang. Da hat der eckkneipe 2Wirt ooch noch son kleenen Block jehabt. Da hatta Deinen Namen ruffjeschrieben und darunta det, watte so verschnabbuliert hast. Wenn denn der Wirt mal Zicken jemacht hat, denn hat seine Olle imma beruhijend einjegriffen und hat zu Männe jesaacht: „nu schreib schon uff, der hat doch am Ende imma jezahlt“. Jemeent hat se damit eenmal Ende der Woche oda wenn det nich jing am Ende des Monats wenn de die Lohntüte jekricht hast. Da haste dir denn aba ooch schnieke jemacht und et jing zum Lohntütenball. Det war denn eenmal im Monat besondas lustich.

Ach – weneckkneipen ick so zurück denke war det doch ne jemütlichere Zeit. Da jab et ooch nich so ville Abwechslung wie heute. Da haste doch noch kommuniziert, wie man heute neudeutsch wohl saacht. Und wenn da Paule oda Erna mal zwee Abende nich da warn, ham sich alle Jedanken jemacht und spätestens am nächsten Tach is mal eena vorbeijejangen und hat jekiekt wat da los is. Heutzutaje merkste ja erst dass wat passiert is wenn der Briefkasten schon übalooft. Det is doch Sch…..(sag ick liba nich laut).
Na ja, wenn ick heutzutaje mal ’ne Molle trinken will, denn kieke ick schon inne Speisekarte wat die kostet. Da jibts ja machmal zwee, drei Sorten Pilli und die eene Sorte heißt nur anders und kostet jleich fuffzich Pfennich, ach nee Cent, mehr. Und denn det janze ausländische Bier. Nee – nich frisch – sondern aus de Pulle. Soone weiten Reisen macht det Jesöff – det kann janich zischen. Da schmeckt ja meine kleene Pulle aus Balin, zu Hause vor de Glotze, bessa. Übrijens: die hat sich vabessaat: Die olle Röhre is nu flacha, größa und bunta.

Na ja, Ihr kkindl bier (2)önnt ja ab und zu mal hier im Blog lesen wat da soon Fachfritze allet üba det Bier so wees und schreibt. Det wundat mir ja, watt et da allet so neuet jibt. Da kannste janz vornehm een Pils vom König und ’n Grappa oda Sambuza bestellen. Dein Weib darf sich denn ’n Hugo (watt is’n det eijentlich?) bestellen. Na denn Prost. Könnt ick soja noch wat dazu lernen. Aba eens sach ick Euch: Icke bleib‘ bei meene Molle und ’n Korn. Schade nur, dass et die jute alte Sportmolle nich meer so oft jibt. Ick gloobe, die sollte ick heute doch schon mal mehr – mal weniger runtalutschen.

Zum Schluss komm ick jedenfalls zu der Akenntnis, dass sich ne Menge vaändat hat, aba wenn ick Feiaabend habe: denn is noch lange nich Hopfen und Malz valoren. Und wenna dit hier allet nich lesen konntet:
Ick werde meen Bericht übasetzen lassen ins Deutsche, Türkische, Sürische, Afjanische, Russische und ins MultiKultische. Also uff de heutije Zeit anjepasst.
Eua brd

 

Fotos (c)brd, go

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Ottmar

    Hallo,
    wieder ein toller Beitrag, Daumen hoch! 🙂 Ich nehm‘ dann das vornehme Pils vom König und den Grappa. Grappa ist ohnehin eine tolle Sache, habe da neulich einen ganz interessanten Artikel zu entdeckt: http://italienischer-grappa.com/ – also, falls dir Grappa nicht zu vornehm ist… 😛

    Es grüßt
    Ottmar

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