Berlin ab 50…

… und jünger

Teufelsberg

Besuch der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg

Eine Kundin erzählte mir, dass sie bei einem Spaziergang auf dem Teufelsberg unverhofft auf das Gelände der Abhörstation gestoßen sei und dort eine Führung mitgemacht habe. Ich wurde hellhörig, da der Teufelsberg in früheren Jahren oft ein beliebtes Ausflugsziel unserer Familie war und immer haben wir sehnsüchtige Blicke auf das verschlossene Areal geworfen.teufelsberg2

Brachliegende Industrieruinen üben eine besondere  Anziehungskraft auf mich aus. Bei der nächsten günstigen  Gelegenheit mache ich mich also auf den Weg. Leider ist das Wetter alles andere als schön, aber das ist egal. Am Eingang bezahle ich bei einem Englisch sprechenden jungen Mann 7 Euro Eintritt und muss unterschreiben, dass ich mich mit den Nutzungsbestimmungen einverstanden erkläre. Das Kassenhäuschen wirkt etwas provisorisch und stimmt mich gleich ein in einen Rundgang der besonderen Art.

Auf dem GTeufelsbergelände wird alles  überragt von den großen runden Kuppeln, an denen der weiße Überzug teilweise abgerissen und zerfetzt im Wind flattert. Alles ist marode und baufällig, Fensterscheiben sind herausgebrochen, manche mit Brettern vernagelt.  Und überall springt mir Graffiti ins Auge, alle Wände sind besprüht.  Dieses Areal scheint ein El Dorado für Sprayer zu sein. Gleichzeitig wirkt das Gelände durchaus aufgeräumt.  Überall  wird gebaut und gearbeitet. Aber alles sehr verhalten und  eher provisorisch. Immer wieder sehe ich Stellen, an denen Bauschutt zusammengetragen wurde oder Baumaterial gelagert wird. Und doch wirkt das Areal so, als würde es auf Besucher warten. Es gibt verschiedene Sitzgruppen aus zusammengewürfelten Möbelstücken, ein Baumhaus aus zusammengesuchten Brettern und Teufelsberg3Latten.

Ich treffe einen jungen Mann beim Erde schaufeln. Mit ihm unterhalte ich mich lange über das Gelände, seinen Pächter und die Pläne, die sie auf dem Areal verwirklichen wollen. Ich erfahre, dass es in dem hohen Turm eine Ausstellung von namhaften Graffiti-Künstlern aus aller Welt zu sehen gibt. Anscheinend ist das Areal bekannt bei internationalen  Touristen, die bei gutem Wetter in großer Zahl die Ausstellung besichtigen. Außerdem werden unterschiedliche Projekte auf dem Gelände vorangetrieben, um dieses vor dem Verfall zu retten. Im Moment ist z. B. eine Skater-Bahn im Bau und ein Cafe ist in Planung.  Dabei arbeiten Menschen aus den verschiedensten Bereichen, z.B. Öko-Designer, Bühnenbildner, Industrie Designer, Landschaftsplaner, Maschinenbauer. Zum Schluss reden wir über Gentrifizierung und  wie sie alternative Randgruppen aus der Innenstadt verdrängt. Auch darüber, dass das Tacheles geschlossen wurde, um dort eine weitere Passagen zu bauen, die es schon so viele in der Stadt gibt.

grafitti teufelsberg2Im Anschluss an dieses interessante Gespräch steige ich auf den Turm und schaue mir die Graffiti Galerie an. Manches finde ich ganz abscheulich, einiges aber wirklich sehr beeindruckend. Von den Plattformen hat man einen wunderbaren Blick über das ganze Areal und weit darüber hinaus. Leider ist das Wetter mittlerweile so  gräulich geworden, dass ich den Ausflug hier abbreche. Bestimmt komme ich wieder. Ich finde es faszinierend, wie junge Menschen in alternativen Lebensformen versuchen, ihre Träume zu erfüllen. Und ich bin absolut grafitti teufelsberg3dafür, dass Berlin sich diese alternative, autonome Kunstszene bewahrt. Auch wenn sie so ganz anders ist als der Mainstream, bin ich fest davon überzeugt, dass sie unentbehrlich ist, für eine gesunde, vielfältige Entwicklung einer Großstadt.

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