Berlin ab 50…

… und jünger

Drei Brauereien am Mühlenberg

Drei Brauereien (Schaubild Königstadt)Als „Königstadt“ wurde  seit 1873 ein Areal nördlich  des Alexanderplatzes  bezeichnet, das heute Teile von Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain umfasst. Der Name hatte sich eingebürgert, nachdem der erste König in Preußen,  Friedrich I. nach seiner Krönung in Königsberg 1701 durch die Vorstadt und das Georgentor in seine Residenz eingezogen war.

bln_Brauerei_Königstadt,_Schönhauser_Allee_1904Die Ursprünge der Königstadt-Brauerei gehen auf das Jahr 1850 zurück, als der bayerischen Braumeister J.E. Wagner – wie fünf Jahre später auch sein Landsmann  Patzenhofer – am Südwesthang des Windmühlenbergs (vulgo: Prenzlauer Berg) Ackerland erwirbt, um darauf „Wagners Bairische Bier Brauerei“ mit Ausschank und zweistöckiger Kelleranlage zu eröffnen. Die Geschäfte laufen prima und so werden weitere Anbauten geschaffen, die durch den Abbruch der Berliner Zollmauer 1868 erleichtert werden. 1871 wird die Brauerei in die Aktiengesellschaft „ Königstadt-Brauerei“ überführt.  Durch das frische Geld wird vieles möglich: Eismaschine, zweites Sudhaus  und eigene Böttchebln_Brauerei_Königstadt,_Markenrei. Die Brauerei  wird die drittgrößte Brauerei Berlins. Von 1885–1906 werden nach Plänen von  Ratsmaurermeister Arthur Rohmer und den Architekten  Alterthum & Zadek neue Brauereigebäude, darunter die Flaschenbierabteilung errichtet. Die bekannten Berliner Architekten Cremer&Wolffenstein (sie bauten viele Synagogen im Deutschen Reich)  planten die 1902 eröffnete repräsentativen Ausschankhalle zur Schönhauser Allee mit mehr als 1000 Plätzen Ladenzeile und Musikpavillon. 1913 ist die „Königstadt“ die achtgrößte Brauerei in Berlin, in Sichtweite liegen die Pfefferberg Brauerei und die Bötzow- Brauerei. 1920 ist die „Königstadt“ nach Schultheiss-Patzenhofer bereits die Nummer 2 in Berlin. Dennoch wird der Betrieb (aus Rentabilitätsgründen oder wegen Überschuldung?) 1921 eingestellt und die von der Stadt  zugewiesenen Braukontingente werden an die Kindl-Brauerei abgegeben. Die Brauerei AG wird in eine „AG für bln_Brauerei_KönigstadtGrundstücke und Industrie“ überführt und nun beginnt das zweite Leben der Immobilie als Gewerbehof. Die große Ausschankhalle wird ein sehr beliebtes Tonfilm-Kino, das von der UFA betrieben wird. Im zweiten Weltkrieg werden  Kino und Teile der Brauereigebäude  zur Schönhauser Allee hin zerstört. Zu DDR-Zeiten sind viele Verwaltungs-und Handelseinrichtungen und  bis 1975 im alten Direktionsgebäude die Tschechoslowakische Botschaft untergebracht. Zwischen 2003 und 2006 wurde  das gesamte Gelände saniert. Heute bietet der  attraktive Gewerbestandort 240 Arbeitsplätze.

Die in der Schönhauser Allee gegenüberliegende Pfefferberg-PfefferbergBrauerei wurde 1841 gegründet und stellte ihre Produktion ebenfalls  nach dem I. Weltkrieg ein. Heute gibt es auf der attraktiven Immobilie ein Theater, Restaurants, eine kleine Brauerei  und ein Hostel.  Der zeitgenössische Neubau des Museums für Architekturzeichnung am Pfefferberg befindet sich am westlichen Zugang von der Christinenstraße zum Pfefferberg. Hier hat der Architekt Sergei Tchoban zusammen mit Sergey Kuznetsov ein Museum für Architekturzeichnungen geschaffen. Unbedingt ansehen!

Bötzow 1Die Bötzow -Brauerei  zwischen Metzer-, Straßburger Straße und Prenzlauer Allee braute hier von 1885  bis 1945. Die 1864 von Julius Bötzow  in Mitte gegründete Bötzow-Brauerei  war einmal die größte Privatbrauerei (also keine AG) und hatte in Berlin spezielle Ausschanklokale, die bei den Berlinern beliebt waren (noch erhalten ist “Bötzow privat“ in der Linienstrasse 113). Daneben gab es natürlich den großen Schankgarten vor der Brauerei.  Bötzow durfte sich als erster Brauer als „Hoflieferant seiner Majestät des Königs von Preußen“ bezeichnen. Heute wird die marode Immobilie, die der Unternehmer Hans-Georg Näder (Otto Bock-Firmengruppe, Weltmarktführer in der Prothetik) 2010 kaufte,  nach dem „Masterplan 2019“ von David Chipperfield entwickelt. Ein öffentliches Schwimmbad, ein Biergarten und ein Kunsthaus gehören dazu. In den historischen Brauereigebäuden wird die Otto Bock Health Care ihren Forschungs- und Entwicklungsbereich ansiedeln. Die Fertigstellung ist für 2019- dem 100. Firmenjubiläum der Ott Bock Healtcare geplant.

Die Berliner freuen sich über Nutzung und Erhaltung  einer historischen  Industrieanlage.  Und es gäbe noch viel über  weitere Standorte und ihre Geschichte und heutige Nutzung zu berichten, aber hier endet nun der kleine Ausflug in die Berliner Biergeschichte. Ein Ausflug in die neue Welt der Craft-Bier-Brauereien eröffnet in Kürze den Blick in neue Entwicklungen im  Brauereigewerbe Berlins. Bleiben sie dabei!

mw

Fotos (c) mw

 

 

 

3 Kommentare

  1. M.R.

    Lebte ich nicht in Berlin, wäre München meine Wahl. Was heißt: Einem guten Bier (vornehmlich Kristallweizen, aber ohne Zitronenschnitz) bin ich nicht abgeneigt. Inzwischen weiß ich, dass Berlin in Sachen Bier auch etwas vorzuweisen hat. Was meiner (Alltags)Bildung nicht geschadet hat. Aber nun ist es auch gut, dass es gut ist. Ich warte auf ein neues Thema, speziell zum Thema „Berlin und Wein“. Denn das zumindest weiß ich: Berlin hat auch eine Weintradition. Und auch, dass die Stadt seit 2015 das Recht zur kommerziellen Nutzung erworben hat! Berlin bzw. Brandenburg wurde immerhin bereits seit 1173 als Weinort urkundlich erwähnt.
    Ein bisschen also weiß ich, aber im mindestens nicht so viel, wie ich wohl wissen könnte, gäbe es im Blog dazu eine so ausführliche Serie wie zum Bier. Die ja darüber hinaus noch begleitet wurde von einer wahren Flut von klugen Medienbeiträgen anlässlich ….. Sie wissen schon!.
    Wünschen darf man ja als Leser, nicht wahr?
    M.R.

    • Das ist ein wunderbarer Vorschlag!
      Vielleicht haben Sie ja Lust, etwas über Berlin & Wein zu schreiben. Wünschen darf man ja – auch als Blog, nicht war? 🙂

      • M.R.

        Darf man – natürlich. Aber ich bin dafür nicht kompetent.
        M.R.

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