Berlin ab 50…

… und jünger

Kennen Sie Beuth?

Die beiden Herren stehen am Straßenrand in ein Gespräch vertieft. Im Gewimmel der Großstadt ist das kein ungewöhnlicher Anblick, und so werden sie von Passanten kaum beachtet. Doch die Gesprächspartner sind etwas altmodisch gekleidet und aus Bronze. Wilhelm von Humboldt und ein gewisser Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth unterhalten sich. Ersterer, der preußische Gelehrte, Schriftsteller und Staatsmann, dürfte jedem bekannt sein, schließlich ist die Humboldt-Universität nach ihm benannt. Doch wer war Beuth? Dem einen oder anderen mag der Name schon einmal im Zusammenhang mit dem Namen der Technischen Hochschule Beuth „untergekommen“ sein, häufiger wohl kaum.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Beuth lebte von 1781 bis 1853 im Preußischen Staat, war Zeitgenosse und enger Freund von Karl Friedrich Schinkel, dem Baumeister und Universalgenie. Man würde ihn heute wohl als einen Visionär bezeichnen. Eigentlich war er von Beruf Ministerialbeamter, ein Berufsstand, der nicht gerade für seine Visionen bekannt ist, eher für biederes Verwalten bestehenden Gutes.

Vielleicht angeregt vom unbändigen, kreativen Schinkel entwickelte auch er den Drang, neue Wege zu gehen, die Lähmung Preußens nach der napoleonischen Besetzung zu überwinden und einen Aufbruch zu wagen.

So, wie Schinkel nach neuen Formen in der Architektur und Kunst suchte, forschte Beuth nach neuen Möglichkeiten des wirtschaftlichen Handelns und der Steigerung der Produktivität.

Aus Großbritannien hatte man von Maschinen gehört, die in der Lage wareOLYMPUS DIGITAL CAMERAn, die klassischen Antriebsformen Wind- und Wasserkraft zu ersetzen und die sogar mobil einsetzbar waren. So wurde von einer mit Dampf betriebenen Maschine berichtet, die die in der Lage war, Transportwagen auf Schienen hinter sich her zu ziehen. Und das mit einer Geschwindigkeit schneller als mit Zugtieren.

Preußen indes verharrte noch immer in seiner Existenz als Agrarstaat.

Auf einer Englandreise im Jahr 1826 trafen die Beiden auf eine bereits „dampfende“ Industrie, die dabei war, vieles, was man bisher in handwerklicher Arbeit hergestellt hatte, industriell, also in größeren Stückzahlen, schneller und kostengünstiger zu produzieren. Beuth besichtigte und kaufte, was er zu fassen bekam und was man aus England exportieren konnte, ja, er wurde zu einem frühen Industriespion.

Wieder zu Hause in Preußen war es noch ein langer Weg, die Handwerker und Zünfte von den Vorteilen der industriellen Produktion zu überzeugen. Zu groß war der Rückstand der heimischen Gewerbetreibenden, und vor ihm lag die Aufgabe, sie von den Vorteilen der industriellen Produktion zu überzeugen. Dass es ihm schließlich gelang, wissen wir aus der Geschichte. Preußen, später Deutschland, wurde zu einer führenden Industrienation und ist es bis heute. Was Beuth nicht ahnte, war die mit der Industrialisierung verbundene Landflucht, das Glücksrittertum, die Ausbeutung der Lohnarbeiter und schließlich politische Unruhen, Aufstände und sogar Revolution. Das aber steht auf einem ganz anderen Blatt.

BeuthAuf dem Schinkelplatz in Berlin-Mitte, gleich hinter der vom Einsturz bedrohten Friedrichwerderschen Kirche und der Attrappe der Bauakademie, finden Sie die Standbilder von Schinkel, Beuth und Albrecht Thaer in visionärer Eintracht. Von letzterem, dem Reformer der Landwirtschaft, wurde in einem anderen Beitrag bereits berichtet.

Die oben abgebildete Skulptur, Beuth im Gespräch mit Wilhelm von Humboldt, steht vor dem Haupteingang des Deutschen Instituts für Normung (DIN) in der Burggrafenstraße.

Die Gräber von Schinkel und Beuth befinden sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße.

PB

3 Kommentare

  1. A.L.

    Mir ist beim Lesen nicht klar geworden, was Beuth nun konkret (Betonung auf: konkret) in die Wege geleitet, reformiert, verändert hat. Der „lange Weg“ ist mir ein bisschen wenig, um Beuths Bedeutung zu verstehen. Schade!

  2. A.L.

    Kenne ich Beuth nach dem Bericht nun besser? Eigentlich nicht. Mich hätte interessiert, wie Beuth es geschafft hat, Preußen zu überzeugen. So weit ich weiß, hat er viele Dinge ins Leben gerufen und an allen Enden versucht, seine Überzeugung durchzusetzen. Das kommt in dem Beitrag m.E. etwas dünn daher. Ich hätte gern mehr gewusst, um Beuth würdigen zu können.
    A.L.

  3. PB

    Oh, das tut mir leid! Ich hatte mich gerade um Kürze bemüht und Beuth nur vorstellen wollen. Nicht jeder interessiert für so viele Details. Auch glaubte ich, dass mancher den Namen gar nicht kennt und nicht weiß wer der da ist, der auf dem Denkmalsockel steht. Jetzt wissen es zumindest die Leser von Berlinab50 und das war mein schlichtes Anliegen. Es gibt viele Biografien über Beuth, aus denen man mehr erfahren kann, wenn man es will. Einige wenige davon habe ich gelesen und muss zugeben, dass mich deren Detailgenauigkeiten manchmal gelangweilt haben. Gestern übrigens habe ich in einem Buchladen in Neuruppin eine Broschüre entdeckt, die die Freundschaft zwischen Schinkel und Beuth zum Inhalt hat. Empfehlenswert weil kurz und bündig.
    Und danke für den Kommentar!
    PB

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: